11.06.2006 · Angeführt vom überragenden Arjen Robben hat das niederländische Nationalteam einen gelungenen Start bei der Fußball-WM gefeiert. Der Stürmer des FC Chelsea schoß das entscheidende Tor beim 1:0-Sieg gegen Serbien-Montenegro.
Von Peter Heß, LeipzigWie gut für Fußball-Deutschland, daß die Nationalmannschaft nicht in die WM-Gruppe C gesetzt worden ist. Nach dem hochklassigen Match am Samstag abend zwischen Argentinien und der Elfenbeinküste bestätigte auch das Sonntag-Match zwischen den Niederlanden und der Auswahl Serbien-Montenegros den Ruf, eine „Todesgruppe“ zu sein.
Ohne ganz das Niveau der ersten Partie zu erreichen, spielten die beiden Teams eine Klasse besser, als es bisher Polen, Ecuador und Costa Rica taten. Dabei wurde Holland dank eines Treffers von Arjen Robben in der 18. Minute seiner Favoritenrolle gerecht. Das Team von Trainer Marco van Basten mußte in einer hart umkämpften Partie allerdings hartnäckigen Widerstand überwinden und etwas Glück entwickeln, um einige Abwehrfehler schadlos zu überstehen. Hätten die Serben, bei denen der Stuttgarter Stürmer Ljuboja in der 66. Minute ins Spiel gebracht wurde, einen Angreifer vom Format des überragenden Robben gehabt, sie hätten es wohl zum Ausgleichstor gebracht.
Schönheitspreis für die Oranje-Fans
Der erste Schönheitspreis an diesem Nachmittag ging an die niederländischen Fans. Wenn 20.000 Zuschauer in Orange die Nationalhymne mitsingen, dann geht nicht nur ihren Landsleuten das Herz auf. Während die Serben auf den Tribünen den holländischen Harmoniebestrebungen andächtig folgten, taten die Serben auf dem Fußballfeld alles, um das Zusammenspiel der „Elftal“ zu stören. Nach einer Viertelstunde Spielzeit im Leipziger Zentralstadion verstand jeder, warum diese Mannschaft in zehn WM-Qualifikationsspielen nur einen einzigen Gegentreffer hatte hinnehmen müssen. Wovon Klinsmann träumt, einem nahtlosen Zusammenwirken von defensivem Mittelfeld und Abwehr-Viererkette, konnte das Publikum ganz real verfolgen. Die Mannschaft von Nationaltrainer Marco van Basten verstrickte sich bei allen Bemühen um Initiative immer wieder zwischen der vom Schalker Krstajic organsierten Abwehr und der von Duljaj angetriebenen Mittelfeldreihe.
Die Serben konzentrierten sich zunächst auf die Defensive, aber niederländische Unachtsamkeiten in der Rückwärtsbewegung schlugen sie nicht aus. In der zwölften Minute ließ sich Predrag Djordjevoic weder von Heitinga noch von Ooijer stoppen, drang bis zur holländischen Torauslinie vor und paßte in den Fünfmeterraum. Dort stürzten sich drei Mann dem Ball entgegen, doch der Wahrscheinlichkeitsrechnung zum Trotz erreichte keiner der beiden serbischen Stürmer Kezman und Milosevic den Ball, sondern der letzte holländische Abwehrspieler Mathijsen.
Nervenstarker Abschluß
Drei Minuten später hatte Milosevic freie Schußbahn, aber der Stürmer des spanischen Erstligaklubs Osasuna traf den Ball so ungenau, daß er zu einer Art Rückgabe verkümmerte. Holland schien in Not. Oft am Ball, aber nicht effektiv, selten in der Abwehr, dann aber unsicher. Doch dann kam die 18. Minute - und alles wurde gut. Durch die beiden guten Torchancen kurz hintereinander mutig geworden, rückte die serbische Abwehr zum ersten Mal in diesem Spiel weit nach vorne. An der Mittellinie schirmten Krstajic und Gavrancic den Holländer Robben ab - sonst war kein Kollege in der Nähe. Auch nicht, als van Persie den Ball erhielt und Zeit hatte, ein Anspiel zu suchen. Der Außenstürmer von Arsenal sah Robben zwischen den beiden Serben lauern und spielte den Ball sofort in die Tiefe des Raumes. Der Rest war ein Sprint mit gewissem Ausgang und ein nervenstarker Abschluß. Robben schob den Ball zum 1:0 ins Netz.
Der Treffer wirkte wie eine Befreiung für die Niederländer. Nun kombinierten sie mit der nötigen Sicherheit, um die Serben wenigstens ab und zu zu beeindrucken. Vor allem der quirlige Robben stürzte die Abwehr der Osteuropäer nun in manche Verlegenheit. Den höchsten künstlerischen Wert hatte indes ein Flugkopfball von van Persie, aber auch er führte nicht ans Ziel.
Die Holländer hatten mehr vom Spiel, aber sie dominierten es nicht. Dazu war die serbische Abwehr zu stark und die eigene zu schwach. Immer wieder kamen die Osteuropäer zu Gelegenheiten, der Begegnung eine Wende zu geben. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte Koroman eine Schußchance, es sollte nicht die letzte bleiben. Mehr als einmal wischte sich Bondscoach van Basten mit einem Schwamm durchs Gesicht - um den Angstschweiß abzuwischen? Auf jeden Fall war es auch in der zweiten Halbzeit ein heißes Spiel. Doch auch ohne die letzte Souveränität auszustrahlen, verteidigten die Niederländer den knappen Vorsprung bis zum Schluß. Und keiner konnte sagen, daß ihr Erfolg glücklich ausgefallen wäre.