14.06.2006 · Spanien hat der Ukraine die WM-Premiere gründlich verdorben. Mit einem beeindruckenden 4:0-Erfolg stiegen die Iberer in den Kreis der Titelanwärter auf. „Wir sind hier, um Weltmeister zu werden“, sagte Trainer Aragones. Die Fans sangen „Viva Espana“ und „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“
Kronprinz Felipe und seine Gattin Letizia schlürften schon vor dem Abpfiff genüßlich Siegersekt aus einem gemeinsamen Plastikbecher, die spanischen Anhänger feierten indes ihre „jungen Toreros“ nach dem 4:0 (2:0) gegen WM-Debütant Ukraine schon als neuen Weltmeister. „Viva Espana“, klang es aus über 10.000 Kehlen im erneut nicht komplett gefüllten Leipziger Zentralstadion. Und einen deutschen Vers hatten die Iberer auch parat: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“
Nach dem höchsten Auftaktsieg in ihrer leidvollen WM-Geschichte scheint das kein unerfüllbarer Traum. Doppel-Torschütze David Villa fühlte sich „extrem glücklich“, dachte bei seinen Treffern an „Familie, Dorf und Tochter“ und träumt nun wie die Fans in der Heimat vom Endspiel. „Ich hoffe, wir sind jetzt ein Titelkandidat. Wir haben Spanien den ersten von vielen schönen Abenden beschert“, sagte der 24-Jährige. „Diese Mannschaft bringt alles mit, um eine große WM zu spielen. Auch das Selbstvertrauen, weil viele von uns gerade etwas Großes gewonnen haben“, sagte Xavi vom spanischen Meister und Champions-League-Sieger FC Barcelona.
„Es ist eine Schande, 0:4 zu verlieren“
Die wie selten zuvor in der Heimat beliebte „Seleccion“ hatte auch ohne Superstar Raul in der Startelf mit trickreichem Tempofußball überzeugt. Xabi Alonso (13.) nach einer Ecke per Kopf, Villa mit einem direkt verwandelten Freistoß aus 20 Metern (17.) und einem Foulelfmeter (48.) sowie Fernando Torres (81.) nach einer Traumkombination sorgten für den bis dato höchsten Sieg dieser WM. Vor dem Strafstoß hatte Wladislaw Waschtschuk wegen seiner Attacke gegen Torres einen Platzverweis erhalten. „Das war kein Rot und auch kein Elfer“, schimpfte der enttäuschende Andrej Schewtschenko.
Demonstration der Stärke: Spanien führt Ukraine 4:0 vor
Ihm und seiner Ukraine hatten die Spanier die WM-Premiere gründlich verdorben. Oleg Blochin, der Trainer der Ukraine, war restlos bedient: „Es ist eine Schande, 0:4 zu verlieren. Phasenweise haben wir wie die schlechteste Mannschaft Europas gespielt“, sagte Blochin: „Ich bin sehr enttäuscht, aber dies ist das erste Mal, daß wir an einer WM teilnehmen. Wir müssen erst noch unsere Erfahrungen sammeln. Wir werden uns das Spiel noch einmal auf Video anschauen und unsere Schlüsse ziehen.“ Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, der mit seinem Bruder Vitali regungslos das Desaster auf dem Rasen verfolgte, meinte: „Ich bin traurig. Unsere Mannschaft darf jetzt die WM nicht aufgeben und muß kämpfen.“
„Wir sind hier, um Weltmeister zu werden“
Die unter Trainer Luis Aragones seit nunmehr 23 Länderspielen ungeschlagenen Spanier können angesichts der vermeintlich leichteren Gruppengegner Tunesien und Saudi-Arabien für das Achtelfinale planen.
„Vor allem nach dem 2:0 haben wir sehr gut gespielt. Wir waren physisch sehr stark, vor allem wenn wir im Ballbesitz waren“, sagte Aragones: „Wir hätten aber aus unseren Chancen noch mehr Tore machen müssen. Das ärgert mich ein wenig. Die frühe Führung hat unserem Spiel sicherlich geholfen und die Ukrainer demoralisiert. Wir sind hier, um Weltmeister zu werden.“
Schewtschenko ein Totalausfall
Während Aragones wie erwartet auf den formschwachen Stürmerstar Raul verzichtete, konnte sein ukrainischer Kollege Blochin auf seinen Kapitän Schewtschenko zurückgreifen. Dessen Einsatz war wegen seiner langwierigen Knieverletzung bis zuletzt fraglich gewesen. Doch Michael Ballacks künftiger Klubkollege war im Angriff der Ukrainer ein Totalausfall. Der Leverkusener Andrej Woronin hatte als stärkster Ukrainer noch die beste Möglichkeit, sein 18- Meter-Schuß ging aber knapp am spanischen Tor vorbei (61.)
Raul, der mit 43 Toren in 95 Länderspielen Spaniens Rekordschütze ist, durfte erst nach 55 Minuten selbst ran und ersetzte Villa. Die Versetzung ins zweite Glied nahm er klaglos hin. „Ich bin auch nur einer von 23 Spielern. Der Erfolg der Mannschaft geht über Eigeninteresse. Spanien will endlich einmal bei einem Turnier weit kommen, da spielt die Person Raul keine so große Rolle“, meinte der Stürmer, der in der 68. Minute die Chance zu seinem 44. Länderspieltor vergab.