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Außenseiter gewinnt 2:0 Ghana düpiert Geheimfavorit Tschechien

17.06.2006 ·  Tschechien hat sich mit einem 0:2 gegen Ghana blamiert. Die Tore zum Sieg des WM-Debütanten schossen Gyan und Muntari. Es war der erste Erfolg einer afrikanischen Mannschaft in diesem Turnier.

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Mit dem bislang schnellsten Turniertor und dem ersten Sieg für eine afrikanische Mannschaft hat WM-Debütant Ghana Mitfavorit Tschechien geschockt. Die Westafrikaner sorgten durch ein Blitztor von Asamoah Gyan nach 68 Sekunden und einen satten Linksschuß von Sulley Ali Muntari in der 82. Minute am Samstag abend vor 45.000 Zuschauern in Köln für eine 2:0-Sensation. Die ersten WM-Treffer erhielten den stark aufspielenden Außenseitern in der Gruppe E die Chance auf den Achtelfinaleinzug, doch im letzten Spiel gegen die Vereinigten Staaten am Donnerstag fehlen die gelb-gesperrten Torschützen.

Tschechien muß beim Gruppenfinale in Hamburg gegen Italien aller Voraussicht nach sogar gewinnen, um noch in die K.o.-Runde zu gelangen. Fehlen wird der Mannschaft von Karel Brückner nach der zweiten Gelben Karte für Vratislav Lokvenc eine komplette Sturmreihe und Tomas Ujfalusi. Der frühere Bundesliga-Profi, der auch das Gegentor verschuldet hatte, sah nach einer „Notbremse“ gegen den Dortmunder Matthew Amoah die Rote Karte (66.). Den fälligen Elfmeter setzte Gyan an den Pfosten (67.).

Platzverweis für Ujfalusi

„Wir haben bewiesen, was wir können“, frohlockte Kapitän Stephen Appiah. „Jetzt müssen wir uns auf das Spiel gegen die USA konzentrieren.“ Tschechien Torhüter Petr Cech war ein fairer Verlierer: „Sie waren athletisch sehr stark, sehr schnell, und sie können auch mit dem Ball umgehen“, sagte er. „Das frühe Tor war ein bißchen Schicksal.“

2:0 - Ghana düpiert Geheimfavorit Tschechien

Während Ghanas Trainer Ratomir Dujkovic nach dem 0:2 gegen Italien in dem Mainzer Bundesliga-Profi Otto Addo, Al-Hassan Shillah und Habib Mohamed gleich drei neue Spieler in seine Startelf beorderte, mußte Brückner zwangsweise umstellen. Nach dem Muskelfaserriß von Jan Koller stand der Paradesturm nicht zur Verfügung, weil auch EM-Torschützenkönig Milan Baros seine Fersenverletzung noch nicht überwunden hat. Vratislav Lokvenc mühte sich vergeblich, die Lücke zu schließen. Zu allem Überfluß handelte sich der Stürmer von RB Salzburg auch noch die zweite Gelbe Karte (50.) ein.

Die Tschechen wurden wie vom Blitz getroffen. Nach einem groben Abwehrschnitzer schlug es schon nach 68 Sekunden im Kasten von Welttorhüter Petr Cech ein. Ujfalusi verschätzte sich bei einem Paß von Michael Essien, und der am Strafraum lauernde Gyan hatte keine Mühe, den Ball mit links in die rechte Ecke zu zirkeln.

Tschechen verwirrt

Während die Afrikaner nach ihrem ersten WM-Tor weiter mutig nach vorn spielten, wirkten die Tschechen verwirrt. Die Mannschaft war im Vergleich zum locker herausgespielten 3:0-Auftaktsieg gegen die Amerikaner nicht wiederzuerkennen. Das stark besetzte Mittelfeld produzierte Stückwerk statt Kombinationen, Lokvenc merkte man die mangelnde Spielpraxis nach seinem Kreuzbandriß im November an, und die Abwehr konnte nicht verhindern, daß die schnellen Ghanaer immer wieder gefährlich vor dem Tor auftauchten. Vor dem eigenen Strafraum gingen die geistig frischer wirkenden Neulinge kompromißlos zu Werke und ließen nur wenige Möglichkeiten zu. Ein schöner Angriff über Pavel Nedved, Karel Poborsky und Tomas Rosicky, der den Ball nicht richtig traf, war die Ausnahme (43.).

Mit den Bundesliga-Profis Jan Polak aus Nürnberg und Jiri Stajner aus Hannover wollten es die Tschechen in der zweiten Halbzeit erzwingen. Kurz nach Wiederanpfiff zappelte der Ball auch im Tor, Nedved stand bei seinem Kopfball aber im Abseits (46.). Und Ghana blieb stets gefährlich. Ujfalusi wußte sich gegen Amoah nur noch mit einem Foul zu helfen (65.). Glück für Tschechien, daß Gyan die Nerven versagten und er den fälligen Strafstoß vergab.

In Unterzahl warfen die Tschechen noch einmal alles nach vorn, doch in die sich öffnenden Räume stießen die Ghanaer hinein. Sie hatten in der Schlußphase durch Amoah (72.) und Essien (78., 79.) Chancen fast im Minutentakt. Schließlich machte Muntari den hoch verdienten Sieg perfekt. „Wir sind natürlich glücklich. Wir sind weiter im Wettbewerb, und wir können die Gruppenphase überstehen. Es war eine ausgezeichnete Motivation meines Teams, es hatte eine ausgezeichnete Einstellung“, sagte Trainer Ratomir Dujkovic hinterher.

Tschechien - Ghana 0:2 (0:1)
Tschechien: Cech - Grygera, Rozehnal, Ujfalusi, Jankulovski - Galasek (46. Polak) - Poborsky (56. Stajner), Rosicky, Nedved, Plasil (68. Sionko) - Lokvenc
Ghana: Kingston - Pantsil, Mensah, Shilla, Mohamed - Otto Addo (46. Boateng), Essien, Appiah, Muntari - Amoah (80. Eric Addo), Gyan (85. Pimpong)
Schiedsrichter: Elizondo (Argentinien)
Zuschauer: 45 000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Gyan (2.), 0:2 Muntari (82.)
Besonderes Vorkommnis: Gyan (Ghana) verschießt Foulelfmeter (66.)
Gelbe Karten: Lokvenc / Otto Addo, Essien, Gyan, Boateng, Muntari, Mohamed
Rote Karte: Ujfalusi (66./„Notbremse“)

Quelle: FAZ.NET mit Material von sid und dpa
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