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Afrikanischer Fußball Ghana rettet die Würde des Kontinents

23.06.2006 ·  „Ghana go go go!“ Die „Black Stars“ haben sich mit Mut und Lebendigkeit in die Herzen der deutschen Fußballfans gespielt und die Würde Afrikas gerettet. Wenigstens eine der fünf Mannschaften des Kontinents hat die Vorrunde überstanden.

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„Ghana go go go!“ Die „Black Stars“ haben sich mit Mut und Lebendigkeit in die Herzen der deutschen Fußballfans gespielt und die Würde Afrikas gerettet. Wenigstens eine der fünf Mannschaften des Kontinents hat die Vorrunde überstanden und gehört damit zu den 16 besten Fußballnationen der Welt. Die Ghanaer sind das fünfte afrikanische Team, das dies geschafft hat - nach Marokko (1986) Kamerun (1990), Nigeria (1994/1998) und dem Senegal (2002).

Ghana geht ohne Furcht in das Achtelfinale am Dienstag (17.00 Uhr) in Dortmund gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien. „Die Black Stars von Ghana sind die Brasilianer Afrikas, sie haben vor niemandem Angst“, sagte am Freitag Trainer Ratomir Dujkovic. „Ich hoffe, wir werden eine weitere Überraschung erleben.“

Elfenbeinküste hatte Pech

Für Lutz Wille vom Informationsbüro Afrikanischer Fußball in Frankfurt ist es kein Zufall, daß die stärkste afrikanische Mannschaft des Turniers aus Westafrika kommt: „Die Mannschaften dieser Region zeichnen sich durch körperliche Überlegenheit und eine gute Ballbehauptung aus.“ Das haben vor einer Woche vor allem die Tschechen erfahren, die in Köln mit 0:2 gegen Ghana unter die Räder kamen und den Afrikanern im Achtelfinale den Vortritt lassen mußten. Während dieser Sieg überzeugend erspielt und erkämpft wurde, hatten die Ghanaer am Freitag bei 2:1 gegen die USA auch viel Glück und profitierten von umstrittenen Entscheidungen des deutschen Schiedsrichters Markus Merk.

Afrikanischer Fußball: Ghana rettet die Würde des Kontinents

Nicht das Glück auf ihrer Seite hatte das kaum schlechtere Team der Elfenbeinküste, das ebenso wie Ghana zum ersten Mal bei einer WM dabei war und allein dies schon als großen Erfolg feiern konnte. Die im Zeichen des Elefanten angetretenen Spieler um Chelsea-Star Didier Drogba mußten knappe Niederlagen gegen die Schwergewichte Argentinien (1:2) und Holland (1:2) hinnehmen und schlugen Serbien-Montenegro in einer eindrucksvollen Aufholjagd nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2.

Peinlicher Prämienstreit bei Togo

Die Erfolge von Ghana und der Elfenbeinküste können aber nicht über die Probleme des afrikanischen Fußballs bei diesem Turnier hinwegtäuschen. Die stärksten Mannschaften des Kontinents scheiterten am besonderen Modus der WM-Qualifikation in Afrika mit fünf Gruppen, in denen nur der Erste das Ticket für Deutschland lösen konnte. „Kamerun hätte auf jeden Fall dabei sein müssen, scheiterte aber in der gemeinsamen Gruppe mit Ägypten und der Elfenbeinküste“, sagt Afrika-Fußball-Experte Wille. „Auch Nigeria hat gefehlt, und der Senegal ist auf jeden Fall stärker als Togo.“

Das Team aus Togo fiel beim Afrika-Cup noch durch eine besonders schwache Abwehr auf, zog sich in seinen WM-Partien gegen Südkorea (1:2) und die Schweiz (0:2) aber ganz achtbar aus der Affäre. Schlagzeilen machte das vom Deutschen Otto Pfister betreute und zeitweise von ihm verlassene Team aber vor allem mit dem Streit um Spielerprämien - wie schon zuvor Kamerun bei der WM 1994 und Nigeria 1998. Wille führt dies darauf zurück, daß einige Fußballverbände in Afrika nicht sehr professionell organisiert seien - „es herrscht ein großes Mißtrauen zwischen Spielern und Funktionären“.

„Ein wunderschönes Abenteuer“ für Angola

Mit zwei Unentschieden gegen Mexiko (0:0) und den Iran (1:1) schnitt auch WM-Neuling Angola besser ab, als man zuvor erwarten konnte. Allein die knappe Niederlage gegen das europäische Top-Team Portugal (0:1) bedeutete das Turnier-Aus für die sehr sachlich auftretenden Angolaner. Mittelfeldspieler Andre Macanga zog gleichwohl eine positive Bilanz: „Wir kamen, wir spielten, und heute kennen die Leute Angola und unseren Fußball besser als zuvor. Es war ein wunderschönes Abenteuer.“

Den europäischsten Fußball spielen die Nordafrikaner. Am Freitag hatte Tunesien gegen die Ukraine noch eine Chance, ebenfalls ins Achtelfinale vorzustoßen. Doch in einer enttäuschenden Partie konnten sie keinerlei Druck entwickeln und schieden durch das 0:1 wie schon 1978 und bei den vergangenen beiden Titelkämpfen nach der Vorrunde aus. Gegen Saudi-Arabien (2:2) wurde ein möglicher Sieg verspielt, gegen Spanien traten die Jungs um Hatem Trabelsi von Ajax Amsterdam und Ziad Jaziri vom ES Troyes überzeugender auf und gingen sogar in Führung, mußten sich aber dann doch dem Favoriten mit 1:3 geschlagen geben.

„Steht auf, wenn ihr Ghana seid“

Wie geht es weiter mit dem afrikanischen Fußball mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika? „Das größte Problem für den afrikanischen Fußball ist, daß er nur noch Spieler ausbildet für den europäischen Markt“, sagt Wille. Den Ligen in den afrikanischen Ländern fehlt es an Sponsoren. Statt dessen kaufen die Fernsehsender in Afrika Übertragungsrechte der europäischen Ligen auf, so daß es beim Fußball wie in den sonstigen Wirtschaftsbeziehungen einen Kapitalfluß vom Süden in den Norden gibt.

Die Öffentlichkeit in den reichen Ländern beschäftigt sich sonst kaum mit Afrika, verdrängt den riesigen Erdteil als Kontinent der Kriege und Katastrophen aus dem Blick. Der Fußball hat es aber geschafft, die positiven Seiten zu zeigen und in den WM-Stadien Tausende von deutschen Zuschauern auf die Seite der Afrikaner zu ziehen. „Steht auf, wenn ihr Ghana seid“, schallte es von den Rängen in Köln und Nürnberg. „Wir vertreten jetzt nicht nur Ghana, sondern den gesamten afrikanischen Kontinent“, weiß Mannschaftskapitän Stephen Appiah. „Jetzt freuen wir uns auf Brasilien. Das wird ein interessantes Spiel, aber wir haben vor niemandem Angst.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
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