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2:2 gegen Kroatien Australien feiert seinen größten Fußball-Erfolg

23.06.2006 ·  Australien hat die Sensation perfekt gemacht und erstmals das Achtelfinale bei einer Fußball-WM erreicht. Die „Socceroos“ erkämpften sich in einer dramatischen Partie ein 2:2 gegen Kroatien und spielen nun gegen Italien.

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Dank Harry Kewell hat Australien den größten Erfolg seiner Fußball-Geschichte vollbracht. Mit seinem Treffer zum 2:2 (1:1)-Endstand gegen Kroatien führte der Spieler des FC Liverpool die „Socceroos“ am Donnerstag abend in Stuttgart sensationell erstmals in das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. Dort trifft das Team vom fünften Kontinent am kommenden Montag als Überraschungs-Zweiter der Gruppe F in Kaiserslautern auf Italien.

Wenige Minuten nach dem Spiel ist Kewell kurzerhand geadelt worden. Australiens Premierminister John Howard, der die Partie in der Hauptstadt Canberra ebenso wie Millionen Fans im ganzen Land live vor einer Großleinwand verfolgte, ernannte Kewell zu „König Harry“. Kewell widmete seinen Treffer dem verletzten Teamkollegen Djibril Cisse vom englischen Rekordmeister FC Liverpool. „Dieses Tor ist für Djibril. Ich denke an ihn“, sagte Kewell. Cisse hatte im letzten WM-Vorbereitungsspiel der Franzosen am 7. Juni gegen China (3:1) einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten.

Drei gelbe Karten gegen Simunic

Vor 52.000 Zuschauern im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion hatten Dario Srna (3.) und Niko Kovac (56.) zuvor zwei Mal für die Führung der Kroaten gesorgt, die wie vor vier Jahren das bittere Vorrunden-Aus ereilte. Der frühere Gladbacher Craig Moore (39., Foulelfmeter) steuerte den zweiten Treffer für die nach dem Abpfiff überglücklich feiernden Australier bei. Die Kroaten Dario Simic (85.) und Josip Simunic (90.) und Brett Emerton (87.) sahen in der hektischen Schlußphase die Gelb-Rote Karte.

2:2 gegen Kroatien: Australien feiert seinen größten Erfolg

Schiedsrichter Graham Poll aus England hat dabei für ein Kuriosum gesorgt. Der Referee zeigte dem Kroaten Josip Simunic insgesamt drei Gelbe Karten. Nach der Verwarnung in der 61. und 90. Minute verpaßte es Poll, den Berliner den Regeln entsprechend mit Gelb-Rot vom Platz zu schicken. Erst nach seiner dritten Gelben Karte in der dritten Minute der Nachspielzeit wegen Meckerns wurde Simunic des Feldes verwiesen. Die Verwirrung wurde dann durch die nachträgliche Veränderung des offiziellen Matchreports auf der WM-Internet-Seite (www. fifaworldcup.com) komplettiert. In der ersten Version wurden Gelbe Karten gegen Simunic in der 62., 90. und dritten Minute der Nachspielzeit plus der Gelb-Roten Karte ausgewiesen. Wenig später folgte eine veränderte Fassung mit Gelben Karten nur noch in der 61. und dritten Minute der Nachspielzeit plus der Ampel-Karte.

„I come from a land down under“

Als nach 94 chaotischen Spielminuten endlich Schluß war, stürmte Trainer Guus Hiddink auf den Platz und feierte mit seinen Helden den größten Tag im australischen Fußball. Auf den Rängen sangen derweil rund 15.000 Fans der Socceroos frenetisch das Volkslied „I come from a land down under.“ „Das ist der absolute Wahnsinn. Ich bin wunschlos glücklich. Wir haben uns den Achtelfinal-Einzug mehr als verdient“, stammelte Australiens Topstürmer Mark Viduka nach dem Schlußpfiff.

Bei den Kroaten flossen indes die Tränen. Die Elf von Coach Zlatko Kranjcar erlebte eine ähnliche Schmach wie 2002, als ebenfalls in der Vorrunde Endstation war. „Wir sind bitter enttäuscht. Gerade bei der WM in Deutschland hatten wir uns soviel vorgenommen“, klagte der Berliner Bundesligaprofi Niko Kovac.

Gleich der erste Schuß saß

Bei leichter Brise und angenehmen 22 Grad machten sich die wie erwartet im Angriff mit Ivica Olic anstelle des Bremer Bundesliga- Profis Ivan Klasnic angetretenen Kroaten anfangs daran, den dringend benötigten Sieg einzufahren. Trainer Zlatko Krancjar hatte extra auf ein 4-4-2-System umgestellt, um nach den ersten beiden WM-Spielen ohne eigenen Torerfolg mehr Offensivkraft zu entwickeln. Und gleich der erste Schuß saß: Mittelfeldakteur Srna, der gegen Japan noch einen Elfmeter vergeben hatte, machte es diesmal besser: Aus 23 Metern traf er per Freistoß in den Winkel des Tores, das erstmals bei dieser Endrunde Zeljko Kalac für den deutschstämmigen Mark Schwarzer hütete.

Das Team vom fünften Kontinent benötigte einige Minuten, um sich vom Schock des frühen Rückstands zu erholen. Mit der Zeit spielte der Außenseiter aber immer erfrischender auf und kam gegen die nach dem 1:0 fast nur noch auf Halten des Vorsprungs konzentrierten Kroaten zu den besseren Einschußmöglichkeiten. Erst blockte der für Abwehrchef Robert Kovac (Gelbsperre) ins Team gekommene Stjepan Tomas (18.) Mile Sterjovskis Schuß von der Strafraumgrenze in höchster Not ab, dann verhinderte Torwart Stipe Pletikosa gegen Harry Kewell (30.) das 1:1. Den hochverdienten Ausgleich besorgte Moore vom Elfmeter-Punkt, nachdem Tomas im Strafraum ein Handspiel unterlaufen war.

Kewells wichtiger Abstauber

Nach Wiederanpfiff eröffnete Trainer-Sohn Niko Kranjcar (50.) mit einem Fernschuß eine erneute Offensiv-Phase der Südost-Europäer. Und deren Bemühungen wurden belohnt bei Kovac' Fernschuß, bei dem Schwarzer-Ersatz Kalac allerdings ein Anfängerfehler unterlief, als er den Ball über den Körper ins Tor rutschen ließ. Die Kroaten begingen nun aber wie nach dem ersten Treffer auch nun wieder den Fehler, den knappen Vorsprung verwalten zu wollen.

Nachdem die Kroaten zunächst Glück hatten, daß Schiedsrichter Graham Poll (England) bei einem erneuten Handspiel von Tomas nicht erneut auf den Punkt zeigte, schaffte Kewell kurz darauf per Abstauber doch noch den wichtigen Ausgleich. Auch die Hereinnahme von Klasnic (83.) brachte nicht mehr die Wende zugunsten der Kroaten.

Kroatien - Australien 2:2 (1:1)
Kroatien: Pletikosa - Tomas (83. Klasnic), Simic, Simunic, Babic - Srna, Tudor, Niko Kovac, Kranjcar (65. Jerko Leko) - Prso, Olic (74. Modric)
Australien: Kalac - Emerton, Neill, Moore - Sterjovski (71. Bresciano), Culina, Grella (63. Aloisi), Chipperfield (75. Kennedy) - Cahill, Kewell - Viduka
Schiedsrichter: Poll (England)
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Srna (3.), 1:1 Moore (39./Handelfmeter), 2:1 Niko Kovac (56.), 2:2 Kewell (79.)
Gelbe Karten: Tudor, Pletikosa / -
Gelb-Rote Karten: Simic (85./wiederholtes Foulspiel), Simunic (90./wiederholtes Foulspiel) / Emerton (87./Handspiel)

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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