Dank Kunstschütze David Beckham darf England weiter vom ersten WM-Titel seit 40 Jahren träumen. Der zuletzt auch von Trainer Sven-Göran Eriksson kritisierte Mannschaftskapitän zirkelte am Sonntag im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Ecuador in der 60. Minute einen Freistoß aus rund 25 Metern zum 1:0 (0:0)-Siegtreffer ins Netz und verhinderte damit eine Blamage gegen den WM-Neuling.
Das 17. Länderspiel-Tor Beckhams war zugleich der einzige Lichtblick in einer äußerst enttäuschenden Vorstellung vor 52.000 Zuschauern im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart. Im Viertelfinale treffen die „Three Lions“ am kommenden Samstag in Gelsenkirchen auf Portugal, das sich 1:0 gegen die Niederlande durchsetzte (Siehe auch: Holländer scheitern im Spiel der Platzverweise). Um dort zu bestehen, müssen sie sich um mindestens 100 Prozent steigern.
Im Zeitlupentempo
So enttäuschend war ihre von brütender Hitze beeinträchtigte Vorführung, daß der frühere deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg zur Halbzeit von einem „Grotten-Kick“ sprach. Die rund 35.000 englischen Anhänger sangen immer wieder die Nationalhymne als Aufmunterung für ihre müden, oft im Zeitlupentempo agierenden Helden.
1:0 gegen Ecuador: Beckham schießt England ins Viertelfinale
„Das ist die englische Mentalität. Wir wollen es nicht einfach haben, wenn es auch schwierig geht“, sagte Beckham. „Wir glauben an uns, die Fans glauben an uns. Wir wissen, daß wir es besser können.“ Eriksson pflichtete dem Torschützen bei. „Wir steigern uns von Spiel zu Spiel. Ecuador machte uns das Leben schwer, aber das erwarte ich auch in einem Achtelfinale. Die erste Hälfte war okay, die zweite wurde besser. Das war ein guter Test für unsere Fitneß“, sagte er.
„Für uns war es trotzdem eine gute WM“
Erikssons Trainerkollege Luis Fernando Suárez meinte: „Das war ein schwieriges Spiel, von der Taktik bestimmt. Keine der Mannschaften hatte viele Chancen. Für uns war es trotzdem eine gute WM.“ Den favorisierten Engländern waren erst nach dem Führungstor einige Kombinationen gelungen, die das Tor der tapferen Ecuadorianer in Gefahr brachten. Erst nach dem Führungstor gelangen einige Kombinationen, die das Tor der tapferen Ecuadorianer in Gefahr brachten.
Diese vergaben ihre beste Tormöglichkeit bereits nach zehn Minuten, als Carlos Tenorio nach einer verunglückten Kopfball-Rückgabe von John Terry plötzlich frei vor dem Tor der Engländer auftauchte. Doch Ashley Cole lenkte in seinem 50. Länderspiel den Schuß des 27 Jahre alten Angreifers gerade noch mit dem Knie an die Latte. Dies war möglicherweise die entscheidende Situation des Spiels, das auch nach der Pause bei mehr als 30 Grad auf dem Platz nie dem Anspruch eines Achtelfinal-Spiels gerecht wurde.
Kaum Torgefahr in der ersten Halbzeit
„Die Engländer sind eigentlich enttäuschend“, hatte der deutsche Assistenztrainer Joachim Löw zur Halbzeit gesagt. Nach dem WM-Aus für Michael Owen wegen eines Kreuzbandrisses hatte Eriksson in Wayne Rooney nur eine Sturmspitze aufgeboten, die jedoch auf sich allein gestellt war und zunächst keine Gefahr entwickelte.
Die Engländer agierten völlig ideenlos und knüpften an die schwache zweite Halbzeit vom letzten Vorrunden-Spiel gegen Schweden (2:2) an. Das Team von der Insel probierte es immer wieder mit langen hohen Bällen aus der Abwehr, doch die Hintermannschaft der Ecuadorianer ließ fast keine Torchance zu. Lediglich Frank Lampard mit einem Distanzschuß (28.) und Beckham (35.) mit einem Freistoß sorgten vor der Pause für ein klein wenig Gefahr für Cristian Mora.
„Das ist kein Fußball, das ist Stümperei“
Ansonsten war der Schlußmann der Südamerikaner beschäftigungslos. „Das ist kein Fußball, das ist Stümperei“, sagte Effenberg im Fernsehsender „Premiere“. Auch nach der Pause bekamen die Zuschauer in Stuttgart fußballerische Magerkost präsentiert. Erst nach dem perfekt getretenen Freistoß von Beckham, der damit als erster Engländer bei drei Weltmeisterschaften (1998, 2002 und 2006) ins Schwarze traf, wurden die „Löwen“ etwas stärker, ohne jedoch wirklich überzeugen zu können. In der 63. Minute hatten sie noch eine Schrecksekunde zu überstehen. Doch Schlußmann Paul Robinson konnte den Schuß von Luis Valencia um den Pfosten lenken.
