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0:2 - Ghana chancenlos Ein sehr italienischer Sieg

13.06.2006 ·  Auch Italien ist bei der Fußball-WM seiner Favoritenrolle gerecht geworden und gewann sein Auftaktspiel 2:0 gegen Ghana. Der afrikanische WM-Debütant hielt zwar gut mit, blieb aber im Abschluß zu ungefährlich. Pirlo erzielte das 1:0, Iaquinta nutzte einen Fehler von Kuffour zur Entscheidung.

Von Frank Heike, Hannover
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Seit 24 Jahren wartet Italien auf einen großen Titel im Fußball, am Montag abend in Hannover unternahm die Nationalmannschaft einen ersten Schritt in die richtige Richtung, um das propagierte Ziel Berlin zu erreichen: 2:0 gewann das Team von Trainer Marcello Lippi sein Auftaktspiel der Gruppe E gegen Ghana. Die Tore des Abends erzielten Andrea Pirlo in der 40. Minute und Vincenzo Iaquinta in der 83. Minute.

Überzeugen konnte Italien nicht, im Grunde war es ein italienischer Sieg, wie man sie seit Jahren kennt. Ein Tor plus Torzugabe in der Schlußphase, dazu eine konzentrierte Defensive reichten aus, um perfekt ins Turnier zu starten. Doch von den Stars Totti und dem spät eingewechselten del Piero war kaum etwas zu sehen: Es war ein Sieg, der seine Wurzeln in konzentrierter Defensivarbeit hatte. Ghana spielte nicht schlecht, nutzte aber seine wenigen guten Chancen nicht aus, um punkten zu können.

Von Skandalen geplagt

In der unterhaltsamen ersten Halbzeit passierte etwas typisch Italienisches: Als man dachte, Ghana wäre dem Führungstreffer sehr nah, schlug Italien zu und ging 1:0 in Front. Es war der Mailänder Andrea Pirlo, der nach einigen guten Möglichkeiten Ghanas das Tor schoß, seinen schönen Schuß aus 18 Metern konnte Torwart Richard Kingston nicht halten. Der Jubel der skandalgeplagten Italiener war so groß wie die Erleichterung, und das Hannoveraner WM-Stadion war fest in blauer Hand. Zuvor allerdings hatte Ghana gar nicht wie ein scheuer WM-Neuling gespielt, sondern genauso selbstbewußt, wie es Trainer Ratomir Djukovic angekündigt und gefordert hatte. Ballsicher, schnell beim Durchqueren des Mittelfelds, nur leider extrem abschlußschwach zeigte sich Ghana an diesem heißen Abend.

2:0 gegen Ghana: Ein sehr italienischer Sieg

Von Respekt vor Italien war zumindest nichts zu sehen, und den hatte dieses italienische Team auch nicht mehr als geboten verdient, denn es war doch reichlich einfallslos, wie Italien sich auf den Weg nach vorn machte. Der lange Ball war das Mittel, während Ghana nach feinen Kombinationen über Kapitän Stephen Appia Mitte der ersten Halbzeit dreimal aussichtsreich vor das Tor von Gianluigi Buffon kam: In der 29. Minute schoß Asamoah knapp vorbei, in der 30. Minute stand Chelsea-Profi Michael Essien frei vor dem Tor, bolzte den Ball mit links aber auf die Tribüne, und in der 32. Minute nutze Emmanuel Pappoe die Chance nicht, die sich ihm bot.

Spätes Erwachen

Danach wirkte es, als seien die bis dahin merklich verunsicherten und ideenlosen Italiener aufgewacht. Francesco Totti kam besser ins Spiel, und Sturmspitze Luca Toni plagte Ghana mit seiner Beweglichkeit und Kopfballstärke. Totti war es auch, der in der 33. Minute einen schönen Freistoß auf Ghanas Tor schoß, den Torwart Kingston hielt. In der 34. Minute vergab Kapitän Fabio Cannavaro die nächste gute Chance. Italien hatte sich nun aufgerichtet und schaffte in der 40. Minute die Führung durch Pirlo. Nach der Pause verlor das Spiel seine Struktur; Italien ließ nicht mehr viel zu, von einem schönen Schuß Essiens einmal abgesehen, den Buffon hielt. Ghana rannte an, und Italien hatte einige gute Konterchancen, die aber wie in der Szene mit Simone Perrotta in der 67. Minute von Torwart Kingston unschädlich gemacht wurde.

Asamoah wollte kurz vor Schluß noch einen Elfmeter, doch der brasilianische Schiedsrichter tat ihm den Gefallen nicht; allerdings schienen die Italiener in dieser Szene selbst überrascht, für ihr beherztes Eingreifen nicht bestraft worden zu sein. Im Gegenteil: Einen Konter schloß Iaquinta schließlich zum Endstand von 2:0 ab. Auf der Ehrentribühne fand Bundespräsident Horst Köhler tröstende Worte für seinen Nachbarn John Kufour, den Staatspräsidenten Ghanas. Der westafrikanische WM-Neuling enttäuschte nicht, doch ähnlich der Elfenbeinküste gegen Argentinien fehlte es Ghana beim Ausnutzen der Chancen. Italien wiederum tat nicht mehr als nötig, um perfekt ins Turnier zu starten. Es reichte, um Hannover eine italienische Nacht zu bescheren.

Italien - Ghana 2:0 (1:0)
Italien: Buffon - Zaccardo, Cannavaro, Nesta, Grosso - Perrotta, Pirlo, De Rossi - Totti (56. Camoranesi) - Toni (82. Del Piero), Gilardino (64. Iaquinta)
Ghana: Kingston - Pantsil, Kuffour, Mensah, Pappoe (46. Sarpei) - Essien - Eric Addo, Appiah, Muntari - Amoah (68. Pimpong), Gyan (88. Tachie-Mensah)
Schiedsrichter: Simon (Brasilien)
Zuschauer: 43 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Pirlo (40.), 2:0 Iaquinta (83.)
Gelbe Karten: De Rossi, Camoranesi, Iaquinta / Muntari, Gyan
Beste Spieler: Perrotta, Totti / Essien, Eric Addo

Quelle: F.A.Z. vom 13. Juni 2006
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