Home
http://www.faz.net/-g9o-shes
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Übersteiger Winnie und die Afrikaner

12.06.2006 ·  Fast wie ein Kolonialherr tritt Winfried Schäfer beim WM-Gast Togo auf. „Ich weiß, wie Afrikaner zu führen sind“, sagt der deutsche Trainer, der einst Kamerun betreute, und schwadroniert über Spieler, Co-Trainer und Funktionäre.

Von Cai Tore Philippsen
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Den Afrikaner als solchen kennt Winfried Schäfer. Kamerun, Togo oder Timbuktu ist doch egal. „Ich weiß, wie Afrikaner zu führen sind“, sagt der 56 Jahre alte deutsche Trainer im Duktus eines Kolonialherren, als er mit seinem Mercedes-Coupé zum Bewerbungsgespräch im togoischen Quartier im Allgäu aufkreuzt und vier Stunden lang über seinen Forderungskatalog verhandelt.

Die westafrikanischen Staaten Kamerun und Togo haben etwa soviel gemeinsam wie Polen und Frankreich oder die Türkei und Italien. Aber Winnie Schäfer, der Kamerun bei der Weltmeisterschaft 2002 betreute, kennt seine Pappenheimer, nein, seine Afrikaner natürlich. Und denen geht es natürlich nur um eines. Nein, nicht das, was Sie gleich wieder denken. Ums Geld, es geht ihnen nur ums Geld.

Forderungen diktiert, Ultimatum gestellt

„Du mußt der Mannschaft nur ein Kuvert geben und sagen, das ist dein Geld. Und die reißen dir dann das Stadion ab“, verkündet der Afrikakenner per Handy in alle Welt, während er seinen Hund gerade im schwäbischen Tuttlingen an den nächsten Baum führt. Richtig ist, daß sich die Mannschaft mit dem Verband wegen ausstehender Prämienzahlungen zerstritten hat, und Trainer Otto Pfister noch vor dem ersten Spiel seinen Job an den Nagel hängte. Doch vielleicht geht es ja auch um gegenseitigen Respekt. Darum, daß Versprechen auch eingehalten werden. Denn die meisten Nationalspieler des Weltmeisterschaftsdebütanten verdienen längst in den europäischen Ligen ihren Lebensunterhalt, angewiesen auf den Scheck vom Verband ist niemand.

Apropos Verband, den kennt der deutsche Trainer natürlich auch aus dem Effeff. „Der Präsident entscheidet nicht, der heimliche Chef ist der Generalsekretär“, weiß Winnie. Nachdem er der Federation Togolaise de Football (FTF) seine Forderungen („Ich mache es nur zu meinen Bedingungen“) diktiert und gleich noch ein Ultimatum („Wenn es bis Montag nicht klappt, ist es vorbei“) hinterherschickte, plaudert der noch nicht verpflichtete Coach in aller Ausführlichkeit über die Verhandlungen und analysiert das Umfeld: „Ich glaub', die Co-Trainer, die da rumlaufen, fühlen sich zurückgesetzt.“ Und: „Es geht nicht, daß hier alle möglichen Funktionäre im Hotel herumlaufen.“

Äußerst undifferenziert

Trotz seiner Probleme, mit denen, die da rumlaufen, gibt sich Schäfer noch am Montag morgen generös: „Ich würde es immer noch machen, vor allem, um den Spielern zu helfen.“ Danke Winnie, die Welt ist wirklich zu Gast bei Freunden. Man kann allerdings nur hoffen, daß nicht alle Schäfer-Zitate ihren Weg in afrikanische Zeitungen finden - etwas differenzierter blickt der Deutsche denn doch auf den Afrikaner. Immerhin gibt Winfried Schäfer zu, daß ihm der afrikanische Hilfsdienst auch nicht schaden würde: „Natürlich wäre eine WM-Teilnahme in Deutschland für mich auch eine hervorragende Sache.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

Jüngste Beiträge