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Zerrissenes Italien „Sind wir gut oder schlecht?“

08.07.2006 ·  Den WM-Titel vor Augen und erschüttert vom größten Manipulationsskandal aller Zeiten: Italien rätselt über sich selbst. „Wir sind ein Volk, das zu den heroischsten Gesten in der Lage ist und zugleich zu den feigsten Handlungen“, kommentiert La Stampa: „Wir sind Italiener.“

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Den WM-Titel vor Augen und erschüttert vom größten Manipulationsskandal aller Zeiten: Italien rätselt selbst, was wohl typischer für die Fußballnation ist: Ist es die „Squadra Azzurra“, die sich zur Begeisterung ihrer Fans den Weg ins Weltmeisterschafts-Finale gebahnt hat, oder sind es die Machenschaften mehrerer Top-Vereine, die sich nach bisherigen Ermittlungen Siege mit illegalen Mitteln gesichert haben?

Die Antwort, so scheint es, liegt irgendwo dazwischen. „Wir sind ein Volk, das zu den heroischsten Gesten in der Lage ist und zugleich zu den feigsten Handlungen“, erklärt „La Stampa“-Kommentator Ginaluca Nicoletti und ergänzt: „Wir sind Italiener.“

Vier Mannschaften vor dem Zwangsabstieg

Nie zuvor wurde dieser Gegensatz deutlicher als am vergangenen Dienstag: Die italienische Nationalmannschaft kämpfte Deutschland im Halbfinale mit 2:0 nach Verlängerung nieder und öffnete damit die Tür zum größten Erfolg, den es im Fußball zu erreichen gibt, doch nur wenige Stunden zuvor hatten Staatsanwälte im Manipulationsskandal den Zwangsabstieg von vier Traditionsclubs gefordert, bei denen 13 der 23 italienischen WM-Teilnehmer spielen. „Sind wir unanständig und gleichzeitig gut? Ist das die italienische Besonderheit?“, fragt „La Repubblica“.

So neu ist dieser Zusammenhang aber keineswegs, Skandale und WM-Erfolge sind in Italien praktisch alte Bekannte. So ging auch schon dem letzten WM-Titel im Jahr 1982 ein Wettskandal voraus. Jetzt drohen drastische Strafen für die Vereine, die Fußballspiele über ein raffiniertes System der Einflußnahme auf Schiedsrichter manipuliert haben sollen: Juventus Turin sollen die letzten beiden Titel aberkannt werden, außerdem soll der 29-malige Meister mindestens in die dritte Liga versetzt werden. AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz sollen in die zweiten Liga gehen. Die Urteile sollen frühestens am Montag gefällt werden.

„Es wird weitere Skandale geben“

Die italienischen Fans jedenfalls geben sich keinen Illusionen hin: Sie glauben nicht, daß der mögliche WM-Titel den Sport im Lande dauerhaft reinigen wird. Schließlich sei Korruption in Italien fast an der Tagesordnung. Der aktuelle Skandal müsse zwar bewältigt werden, sagt der römische Rechtsanwalt Matteo Falcione: „Aber der Gewinn der Weltmeisterschaft würde nichts am italienischen Fußball ändern. Es wird weitere Skandale geben.“

Die Azzurri selbst halten sich mit Stellungnahmen zu der unseligen Geschichte zurück. Nur Trainer Marcello Lippi erklärte jüngst: „Ja, die Wirren der vergangenen zwei Monate haben in uns allen den Wunsch geweckt, auf eine angemessene Art zu antworten.“ Der Skandal habe sein Team noch enger zusammenrücken lassen, betonte der 58-Jährige: „Wir wollen zeigen, was den italienischen Fußball wirklich ausmacht.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
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