16.05.2006 · Oliver Kahn war der traurige Held von Yokohama, dem überragenden Torwart der Fußball-WM in Japan und Südkorea unterlief im Finale gegen Brasilien ein bitter bestrafter Fehler. FAZ.NET-Serie mit Bildergalerie.
Von Michael Horeni, YokohamaIm siebzehnten und letzten Teil der historischen WM-Serie blickt FAZ.NET auf das Endspiel des Turniers 2002 zwischen Deutschland und Brasilien zurück.
Brasilien ist Weltmeister - Deutschland die beste Mannschaft der Welt. Was wie ein Widerspruch anmutet, war beim wunderbaren, aber für die Deutschen sportlich traurigen WM-Finale von Yokohama die großartige Auflösung der weltweiten Frage, was geschieht, wenn zwei so verschieden veranlagte Fußballimperien in ihrem ersten Endspiel aufeinandertreffen. Geschlagen wurden die Deutschen durch zwei Tore von Ronaldo.
Bewiesen haben sie aber, daß sie als Team auch gegen Brasilianer in jeder Beziehung mitzuhalten verstanden. Das Spielglück allerdings, auf das sie so oft in diesen Wochen vertrauen konnten, war im letzten Moment nicht mit ihnen, weil ausgerechnet Oliver Kahn mit einem Fehler den deutschen Traum vom vierten WM-Titel beendete. Damit wurde im Fußball diesmal auf Kosten der Deutschen und des Kapitäns in Deutschland fast vergessene Demut gelehrt, daß der Erfolg nicht von allein mit denen ist, die großartige Leistungen liefern. Das Fußballschicksal läßt sich, wie die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler tapfer hinzunehmen fähig war, auch von der größten Willenskraft nicht zwingen.
Deutschland, die Überraschung der WM
Der imponierendste deutsche Auftritt hinterließ daher vor allem einen tieftraurigen Kapitän. Aber es kehrt auch eine Mannschaft von der WM zurück, auf die der deutsche Fußball und ihr Teamchef, der sie in so kurzer Zeit und unter großem öffentlichen Druck geformt hat, stolz sein können - ohne jede Einschränkung. Denn die Überraschung dieser WM und des letzten Abends in Yokohama hieß ohne jeden Zweifel Deutschland.
Vom ersten bis zum allerletzten Tag wurde diese Mannschaft auf verlorenem Posten gewähnt, weil vor allem die Einzelspieler einer weltmeisterlichen Einzelfallprüfung nicht standzuhalten schienen. Doch auch vor der größten anzunehmenden Herausforderung ließ sich ein durch und durch gefestigtes Team nicht mehr schrecken und lieferte ein Finale, dessen Verlauf auch die größten Kenner des Fußballs verblüffen konnte. Der Riesenmut der angeblich spielerischen Zwerge machte aus dem Endspiel eine in jeder Beziehung ausgeglichene Sache, bis das Schicksal die Wege von Kahn und Ronaldo, den Anführern ihrer Teams, bestimmte.
Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho machen den Unterschied
Von der ersten Minute an war zuvor eine deutsche Auswahl zu bestaunen gewesen, deren gemeinsame Klasse mehr war als die Summe ihrer Individuen. Es war daher auch die besondere deutsche Pointe, daß die wegen ihrer kühlen Effektivität so arg gescholtenen Deutschen ausgerechnet gegen die Brasilianer, die der Welt stets die schöne Seite des Fußballs zu schenken imstande sind, ihre beste Leistung bei der WM zeigten. Stets war ein Kollektiv bestrebt, ein großes Gemeinschaftswerk mit alten, aber auch lange verschütteten Fähigkeiten zu vollenden. Daß es möglich war, ist der vielleicht größte, wenn auch nicht belohnte WM-Erfolg der Deutschen.
Die Brasilianer setzten dem Teamwork made in Germany ihre famosen Einzelkräfte entgegen. Als Mannschaft machten sie weit weniger aus ihren Fähigkeiten als die deutschen Herausforderer. Der Rekordweltmeister lieferte nicht den spielerisch schlagenden Beweis von kollektiver Ausnahmeklasse, jedoch die Bestätigung, daß Ausnahmekönner wie Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho den Unterschied in jedem Spiel zu machen verstehen - das ist viel wert für den Fußball, der bei der WM schon bang fürchtete, alles Talent müsse sich der Organisation unterordnen.
Der fünfte brasilianische Titel ist daher vor allem verdienter Lohn für ihren weltmeisterlichen Auftritt, an den auf Dauer kein anderer heranreichte. Und er ist eine ganz persönliche Belohnung für einen Spieler wie Ronaldo, der dem Fußball weiter seine Magie verleiht.
Die wichtigsten WM-Spiele im Überblick:
Vorrunde:
Deutschland - Saudi-Arabien 8:0 (4:0)
Tore: 1:0 Klose (20.), 2:0 Klose (26.), 3:0 Ballack (41.), 4:0 Jancker (45.), 5:0 Klose (69.), 6:0 Linke (73.), 7:0 Bierhoff (84.), 8:0 Schneider (90.)
Deutschland - Irland 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Klose (19.), 1:1 Keane (90.)
Kamerun - Deutschland 0:2 (0:0)
Tore: 1:0 Bode (50.), 2:0 Klose (79.)
Gelb-Rot: Ramelow (40. wiederholtes Foulspiel), Suffo (77. wiederholtes Foulspiel)
Achtelfinale:
Deutschland - Paraguay 1:0 (0:0)
Tore: 1:0 Neuville (88.)
Rot: Acuna (90. Tätlichkeit)
Dänemark - England 0:3 (0:3)
Schweden - Senegal 1:2 (1:1, 1:1) nach Golden Goal
Spanien - Irland 4:3 (1:1, 1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen
Mexiko - USA 0:2 (0:1)
Brasilien - Belgien 2:0 (0:0)
Japan - Türkei 0:1 (0:1)
Südkorea Italien 2:1 (1:1, 0:1) nach Golden Goal
Viertelfinale:
Deutschland - USA 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Ballack (39.)
England - Brasilien 1:2 (1:1)
Spanien - Südkorea 3:5 (0:0, 0:0, 0:0) nach Elfmeterschießen
Senegal - Türkei 0:1 (0:0, 0:0) nach Golden Goal
Halbfinale:
Deutschland - Südkorea 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Ballack (75.)
Brasilien - Türkei 1:0 (0:0)
Finale:
Deutschland - Brasilien 0:2 (0:0)
Tore: 0:1 Ronaldo (67.), 0:2 Ronaldo (79.)
Beste Mannschaft der Welt?!?
Afsin Meral (Candeeboy)
- 16.05.2006, 18:21 Uhr
Beste Mannschaft
Joachim Kühn (jokuehn)
- 16.05.2006, 19:29 Uhr
Definitiv
Christian Barzel (Falke27)
- 17.05.2006, 14:25 Uhr
In der Welt des Fußballs... :-)
gisbert heimes (gisbert4)
- 19.05.2006, 16:27 Uhr