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Übersteiger Fußballkulturaustausch

08.06.2006 ·  Weltsprache Fußball. Ein Wunder der Globalisierung. Die Welt, die bei Freunden zu Gast ist, kommt in unserem Fall aus Mexiko. Drei Fußballverrückte ohne Ticket, ohne Zimmer. Wollen einfach ihr Stück WM erleben. Ob das gut geht? Vamos a ver - schau‘n mer mal.

Von Dieter Hoss
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Weltsprache Fußball. Vor allem, weil es sich abseits der Stadien und der Fifa-kontrollierten Bannmeilen vollzogen hat, ist das Kicken ein Globalisierungswunder. Unglaublich, wie sehr sich die Rituale auf den Rängen gleichen - und doch hat der Fußballfan sich in jedem Land seine eigene Sprache bewahrt.

Die Welt, die bei Freunden zu Gast ist, kommt in unserem Fall aus Mexiko. Die Mexikaner sind auf liebenswerte Art un poco loco - nicht nur, wenn es um Fußball geht, aber vor allem dann. Fußballverrückt genug jedenfalls, um um die halbe Erdkugel zu fliegen zur Mundial nach Alemania - ohne Ticket für ein Spiel (natürlich, wer hat schon Tickets?), ohne ein Hotelzimmer (wozu hat man denn Freunde?).

Nix los auf dem Feld, aber Fiesta auf den Rängen

Zu dritt wollen sie hier einfach ihr Stück WM erleben - bei den Fan-Festen, in den Städten, am Rande der Trainingsplätze der besten Fußballer der Welt. „El Tri“, ihre eigene Mannschaft, haben sie auch schon gesehen - bei einem Trainingskick gegen eine Göttinger Auswahl. 3:0, nix los auf dem Spielfeld, aber Fiesta auf den Rängen.

Zu den vielen Ritualen der Fans in Grün gehört, den Abschlag des gegnerischen Torwarts lauthals zu begleiten. Ein anschwellendes Oooohhhh, ausgestreckte Arme, die Hände zittrig auf- und abbewegen, aber dann kommt nicht „La Ola“, sondern - sobald der Fuß des Keepers den Ball trifft - nur ein Wort: „Puto“ - und es hört sich an, als ob aus der Kugel die Luft entweicht. Vier Buchstaben, die so ziemlich alles zusammenfassen, was jeden echten hombre zutiefst beleidigt. Puto heißt „Schwuchtel“, bedeutet dazu aber auch alles zwischen Schlappschanz und Schwächling. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor?

„Alloh Bixa Hu-Ho-Hock“

Ob wir denn in Deutschland auch so etwas rufen würden, lautet später prompt die Frage der WM-Gäste. „Natürlich“, kommt es überzeugt zurück - und schon erklingt bei Tequila, Sangrita und Cerveza jenes unschöne „A... W... H...“, daß sich in unseren Stadien breitgemacht hat (alle drei Worte sind bekanntermaßen alles andere als „druckreif“). Wegen zahlloser Ausspracheprobleme klingt das aus mexikanischem Munde nach etwas wie „Alloh Bixa Hu-Ho-Hock“, aber das teutonische Stakkato fasziniert. Es wird geübt, vor laufender Videocam, Fortschritte sind unüberhörbar, der Rhythmus erzwingt zudem einen Rammstein-artigen, eckigen Tanz dazu - Oje! Weltsprache Fußball, so war das doch nicht gemeint ...

Unsere Mexikaner sind nun kreuz und quer im Land unterwegs. Mit drei neuen deutschen Worten im Gepäck. Kann das wirklich gut gehen? Selbst unter Freunden? Zitieren wir einen anderen universellen Fußballerspruch: Vamos a ver - schau‘n mer mal.

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