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Tribünengast Die Maradona-Show

12.06.2006 ·  Er jubelte wie ein Torschütze, ballte die Hände zu Fäusten, reckte die Arme gen Himmel, protestierte wie ein Spieler. Diego Maradona genoß der erste Spiel Argentiniens mit der Leidenschaft des ewigen Kindes - oder war alles nur Show?

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Er kam im blauweiß gestreiften Trikot Argentiniens und trug noch immer die Rückennummer 10. Er jubelte wie ein Torschütze oder mindestens wie ein verzückter Fan, ballte die Hände zu Fäusten und reckte die Arme gen Himmel. Er protestierte wie ein Spieler und winkte wütend ab, wenn er glaubte, daß der Schiedsrichter seine Mannschaft benachteiligt habe. Doch der Mann, der extrovertiert wie kaum ein Kollege auf dem Platz herumbrüllte, saß, stand oder hüpfte auf der Tribüne und begutachtete sein Team mit der Leidenschaft des ewigen Kindes.

Diego Armando Maradona, einer der besten Fußballspieler, die die Welt bisher gesehen hat, trat in der Hamburger Arena so auf, als wollte er seiner eigenen Legende noch einmal nachkosten. Der abgespeckte, mit Ketten behängte Argentinier genoß seinen operettenhaften Auftritt in vollen Zügen. "Alles nur Show", sagte der deutsche Trainer Christoph Daum über den seltsam aufgedrehten Kokser von gestern.

Derweil zauberte Argentiniens Nummer 10 der Neuzeit auf dem Platz stoisch und nahezu introvertiert als erster Diener seiner Mannschaft. Juan Riquelme präsentierte sich als der radikale Gegenentwurf zu Maradona. Während der seine infantil anmutende Emotionalität auslebte, verbarg Riquelme seine Sensibilität hinter einer fast traurigen Miene. Der Regisseur aber hellte am Samstag das Spiel der Albiceleste auf, Maradona dagegen schien von sich selbst geblendet. Die Zeiten haben sich geändert, Maradona ist sich treu geblieben - bis an die Grenze der Lächerlichkeit.

Quelle: r.z., F.A.Z., 12.06.2006, Nr. 134 / Seite 26
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