05.04.2006 · Die Verantwortlichen von Bayern München fordern weiterhin ein sofortiges Ende der Torwart-Debatte. Sie würden „jede Entscheidung“ respektieren, sagte Vorstandschef Rummenigge, meinte aber zugleich, daß er eine Entscheidung pro Lehmann „nicht verstehen könnte“.
Während die Verantwortlichen von Bayern München vehement ein sofortiges Ende der seit zwei Jahren anhaltenden Torwart-Debatte fordern und Kritik an Bundestrainer Jürgen Klinsmann üben, stellt dessen Assistent Joachim Löw klar, daß die sportliche Führung der deutschen Nationalmannschaft an ihrem Zeitplan festhalten werde.
„Wir lassen uns generell nicht unter Druck setzen. Wir fällen eine Entscheidung, wenn wir glauben, daß es der richtige Zeitpunkt ist“, sagte Löw dem Sport-Informations-Dienst. Laut Klinsmann werde man „in aller Ruhe Anfang Mai die Entscheidung treffen.“
Beckenbauer langweilt sich
Bei einem Empfang bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Auswärtigen Amt in Berlin erklärte indes WM-OK-Chef Franz Beckenbauer, daß ihn die Torwart-Frage inzwischen langweilen würde. Allerdings glaubt er, daß Klinsmann schon eine Entscheidung getroffen habe. Auf die entsprechende Frage antwortete Beckenbauer: „Ich befürchte ja.“
Diesem Eindruck widersprach Löw: „Es gab und es gibt kein Versprechen an einen der beiden Torhüter, daß er bei der WM die Nummer eins ist. Wir werden uns intern beraten und dann zuerst die Torhüter über unsere Entscheidung informieren“, erklärte Löw. In der vergangenen Woche hatte Klinsmann betont, daß er noch nicht wüßte, auf wen die Wahl fallen wird: „Die Chancen stehen 50:50.“
Hoeneß empfindet Psycho-Terror
Die Bayern versuchen derweil seit den beiden Patzern von Oliver Kahn am Wochenende gegen Köln (2:2), den Druck auf Klinsmann zu erhöhen. Nachdem Hoeneß als Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft die Kritik noch einmal verschärft und via Sport-Bild von einem „absoluten Psycho-Terror“ gesprochen hatte, forderte nun auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Bundestrainer zu einer schnellen Entscheidung auf. „Er soll jetzt endlich die Hosen herunterlassen und sagen: Der ist es - und basta. Die ganze Liga schüttelt doch schon den Kopf“, sagte Rummenigge in einem Bild-Interview.
Der deutsche Rekordmeister sieht sich laut Rummenigge nach wie vor als „Leidtragender in dieser Sache. Dabei ist der FC Bayern der einzige Klub in der Liga, der die Nationalmannschaft noch unterstützt. Wir verlangen deshalb keine Gegenleistung, sondern nur eines: Endlich Klartext. Das Thema nervt und muß jetzt beendet werden: Es reicht!“ Hoeneß kritisierte, „daß man so mit einem Menschen wie Oliver Kahn nicht umgehen kann“. Rummenigge kündigte jedoch bereits an, daß die Verantwortlichen des FC Bayern „jede Entscheidung“ respektieren würden, „denn Klinsmann hat die Lufthoheit in dieser Sache“. Allerdings machte der Münchner AG-Chef schon jetzt deutlich, daß er eine Entscheidung pro Lehmann „nicht verstehen könnte“.
Klinsmann sieht beide Torleute gestärkt
Schon am Sonntag hatte Klinsmann erklärt, daß ihn die Angriffe aus München „in keinster Weise aus der Ruhe bringen“. Auch den Vorwurf, der FC Bayern würde unter dem Duell Kahn/Lehmann leiden, wies er zurück: „Dieser Leistungswettkampf ist für beide sehr förderlich gewesen. Sie haben sich beide gegenseitig gepuscht.“
Voraussichtlich am 14. Mai wird Klinsmann in Berlin seinen 23-köpfigen WM-Kader bekannt geben. Die „T-Frage“ will der Bundestrainer noch vorher entscheiden, damit „die Nummer zwei überlegen kann, wie sie mit der Situation umgeht.“