03.07.2006 · Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher im F.A.Z.-Interview über seiner Liebe zum Spiel, seinen Fußballschuh-Tick, den richtigen Balldruck und seinen kleinen Zwiespalt beim WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien.
Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher im F.A.Z.-Interview über seiner Liebe zum Spiel, seinen Fußballschuh-Tick und den richtigen Balldruck.
Deutschland gegen Italien im Halbfinale, Vaterland gegen sportliche Heimat: Was nun Herr Schumacher?
Einen kleinen Zwiespalt gibt es schon. Aber wenn ich auf das Herz höre, das in meiner Brust schlägt, dann kann ich nur einer Mannschaft die Daumen Drücken: Deutschland. Das ist doch logisch. Natürlich habe ich mich auch für die Italiener gefreut, aber: Sie sind bis ins Halbfinale gekommen. Das ist doch okay.
Nimmt es Sie mit, wenn die Nationalmannschaft aufspielt?
Klar, bei einer WM schon. Ich werde angespannt sein. Während des Viertelfinales am Freitag war das den ganzen Tag so, mehr als sonst während mancher Rennen. Irgendwie witzig. Das ist mir beim Spiel gegen Argentinien besonders aufgefallen, weil es das erste Spiel war, das ich fast komplett sehen konnte.
Die Klinsmann-Elf hat also eine besondere Wirkung auf Sie?
Ja. Ich stecke wesentlich mehr im Fußballfieber als früher. Das liegt auch daran, daß ich ein paar Spieler kenne, daß ich im Trainingslager im Genf kurz vorbeigeschaut habe und daß ich Jürgen Klinsmann kennengelernt habe. Da besteht ein größerer Bezug. Ich bin aber auch der Meinung, daß er seine Sache sehr gut macht.
Welcher Spieler beeindruckt Sie besonders?
Miroslav Klose ist für mich genial. Der wirkt in Anführungsstrichen so, als könne er keiner Fliege was zu Leide tun. Aber der ist so trickreich, so abgebrüht. Sein Einsatz ist unglaublich. Er hat aus meiner Sicht alles, was man braucht.
Wer mit Leuten vom Kaliber Zidane gespielt hat, geht entweder frustriert nach Hause oder fängt zu üben an. Was machen Sie?
Ich arbeite immer noch an dem Trick, den, glaube ich, Ronaldinho eingeführt hat: Den Ball nach rechts lupfen und dann trotzdem links vorbeigehen - mit Ball.
Ist das Fußballfeld ein Rastplatz für Sie?
Nein, eher ein Feld, um mich auszutoben. Ich muß sowieso trainieren. Ich will so effizient wie möglich sein und die Synergieeffekte nutzen.
Was sind Sie für ein Spielertyp?
Ein Mittelfeldspieler mit leichtem Offensivdrang. Aber ich möchte auch relativ viel nach hinten arbeiten, weil ich einfach gern laufe. Ich versuche, der Koordinator im Spiel zu sein.
Überfordern hundert Paar Fußballschuhe im Schrank nicht irgendwann auch die gutmütigste Ehefrau?
Wenn ich alle zusammenzähle, die ich je hatte, stimmt, dann komme ich locker auf hundert. Ich hatte früher Nike, jetzt Puma, aber auch schon andere Sportartikelhersteller als Partner. Da bekommt man natürlich immer die neuesten Modelle. Außerdem muß man wissen, was die Konkurrenz treibt. Die probiere ich dann auch aus. Ich finde den Handtaschenvergleich zu den Frauen durchaus passend. So wie Frauen Spaß haben, Handtaschen einzukaufen, so gehe ich hin und schaue, welche neuen Fußballschuhe es gibt. An Fußballschuhen kann ich mich einfach nicht sattsehen.
Gehen Sie bei der Wahl der Bälle auch so akribisch vor?
Die Bälle müssen bequem sein. Die alten, harten Dinger mag ich überhaupt nicht. Etwa 0,84 bar beträgt der vorgeschriebene Druck. Ich kann das ganz gut fühlen, weil ich beim Kartfahren auch immer den Reifendruck prüfte. Komischerweise lassen manche Schiedsrichter in den kleinen Klubs die Bälle knallhart aufpumpen. Obwohl sie den richtigen Druck haben. Das sind dann richtige Bomben, so hart.
Was machen Sie am 9. Juli?
Ich werde mir in Berlin das Finale anschauen: mit Deutschland.
Das komplette Interview mit Michael Schumacher lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Dienstag, dem 4. Juli 2006