31.03.2006 · Deutschland wird bei der Fußball-WM im eigenen Land nur mit einem Schiedsrichter vertreten sein. Während Markus Merk wie erwartet von der Fifa nominiert wurde, blieb der zweite Kandidat Herbert Fandel überraschend auf der Strecke.
„Weltschiedsrichter“ Markus Merk vertritt Deutschlands Unparteiische bei der Fußball-WM im eigenen Land als Einzelkämpfer. Während der Weltverband Fifa dem 44jährigen am Freitag neben 22 weiteren Referees wie erwartet das Ticket für die Endrunde vom 9. Juni bis 9. Juli ausstellte, blieb Herbert Fandel als zweiter Kandidat des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der Nominierung überraschend auf der Strecke.
„Natürlich ist das schade für mich, weil es der absolute Höhepunkt meiner Karriere gewesen wäre. Aber so eine Entscheidung muß man akzeptieren und sportlich nehmen“, sagte der 42 Jahre alte Pianist und Leiter einer Musikschule ohne Groll.
„Ritterschlag“ beim EM-Finale 2004
Während der Traum des Unparteiischen aus Kyllburg vom WM-Debüt im eigenen Land jäh zerplatzte, kann sich Merk auf seine zweite WM-Teilnahme nach 2002 in Südkorea und Japan, wo die Fifa noch insgesamt 36 Referees berufen hatte, freuen. Die Nominierung des 44jährigen aus Otterbach war ohnehin so gut wie sicher. Merk, der inzwischen nicht mehr als Zahnarzt praktiziert, sondern als Motivationslehrer tätig ist, war zuletzt zum zweiten Mal in Folge zum „Weltschiedsrichter“ gewählt worden.
Fußball-WM: Markus Merk einziger deutscher WM-Schiedsrichter
Nun hofft der Pfälzer während der WM unter anderem auf einen Einsatz in Kaiserslautern: „Das Fritz-Walter-Stadion ist meine fußballerische Wiege, das ist mein Kinderzimmer. Ich hatte ja meinen Ritterschlag schon mit dem Finale bei der EM 2004 in Portugal, und es wird sicher keiner zweimal bei einem Endspiel eingesetzt.“ Sicher ist, daß das Turnier im eigenen Land die letzte WM-Teilnahme für Merk sein wird. Bei der WM in vier Jahren in Südafrika wird er die Fifa-Altersgrenze von 45 Jahren überschritten haben.
Fifa reduziert Zahl der Referees
DFB-Schiedsrichter-Boss Volker Roth aus Salzgitter nahm die Nichtnominierung von Fandel mit Fassung. „Für Herbert Fandel tut es mir leid, aber man hat nun mal keinen Einfluß auf so eine Entscheidung“, sagte Roth.
Wie schon bei den Turnieren 1998 in Frankreich sowie 2002 in Südkorea und Japan verzichtete die Fifa auf Doppel-Nominierungen aus einem Land, sondern reduzierte sogar die Anzahl der Schiedsrichter. Fifa-Präsident Joseph Blatter betonte die Auswahl nach reinen Leistungskriterien: „Die 23 Spielleiter sind die gegenwärtig besten Unparteiischen der Welt. Das ist auch notwendig, schließlich fällt ihnen bei diesem Turnier eine Schlüsselfunktion zu, denn es werden sehr hohe Anforderungen gestellt.“
Die Fifa hatte ihre Wahl aus 44 Referees getroffen, die sich in der vergangenen Woche zum Lehrgang in Neu-Isenburg in der Nähe von Frankfurt/Main getroffen hatten. Erstmals werden bei der WM-Endrunde ausschließlich Schiedsrichtergespanne - die Nominierung der Assistenten erfolgt nach einem Lehrgang vom 18. bis 21. April in Frankfurt - aus dem gleichen Land oder zumindest der gleichen Konföderation eingesetzt.