11.06.2006 · Die chaotische togoische Trainersuche geht weiter: Winfried Schäfer hat die Verhandlungen mit dem Fußballverband des westafrikanischen Landes nach über vier Stunden abgebrochen. „Ich würde es machen, aber nur unter meinen Bedingungen“, sagte der 56jährige.
Ein Deutscher warf entnervt das Handtuch, doch ob ein anderer das Chaos beim WM-Neuling Togo beendet, ist fraglich geworden: Winfried Schäfer brach am Sonntag abend nach über vier Stunden die Verhandlungen mit dem togoischen Fußballverband (FTF) ab und machte dessen Trainersuche damit endgültig zur Posse. „Sie können mich bis Montag anrufen. Wenn es bis Montag nicht klappt, ist es vorbei“, sagte der 56jährige in Wangen im Allgäu und fügte hinzu: „Ich würde es machen, aber nur unter meinen Bedingungen.“ Der Ettlinger hatte 2002 bereits Kamerun bei einer WM betreut.
Neben Schäfer verhandele die FTF auch noch mit zwei weiteren Kandidaten, erklärte der Technische Direktor des Verbandes, Camélio Akoussah, bei einer Pressekonferenz. Einer der Kandidaten sei ein Deutscher mit Vornamen Christoph. Dessen Nachnamen wollte oder konnte Akoussah nicht nennen. „Es ist nicht Christoph Daum“, sagte er nur und erntete dafür Gelächter der Journalisten.
„Togo möchte mich gerne verpflichten“
Eine Entscheidung über den Nachfolger des am Freitag abend wegen eines ungelösten Prämienstreits zurückgetretenen Otto Pfister wird nach Akoussahs Angaben „während der WM“ fallen. Togo trifft bei seiner WM-Premiere am Dienstag (15.00 Uhr) in Frankfurt am Main auf Südkorea. Ein für 17.00 Uhr kurzfristig angesetztes Training wurde wieder abgesagt.
Noch am Mittag schien fast sicher, daß Schäfer neuer togoischer Trainer wird. Die Chancen auf eine Einigung lägen „bei 70 Prozent“, sagte er. „Togo möchte mich gerne verpflichten, ich höre mir das gerne an“, sagte Schäfer auf dem Weg ins Teamquartier nach Wangen im Allgäu. Seit 13.30 Uhr verhandelte Schäfer mit der Verbandsführung. Ein Engagement sei jedoch nur für die Dauer der WM und nur „zu meinen Bedingungen“ denkbar, betonte er.
„Ich weiß, wie Afrikaner zu führen sind“
Dabei ist Schäfers Verhandlungsposition bestens, denn der Verband des westafrikanischen Staates steht unter immensem Zeitdruck. „Ich muß es nicht machen. Ich weiß, wie Afrikaner zu führen sind. Das Problem ist das Drumherum. Es muß alles stimmen und alle Störenfriede müssen raus“, sagte Schäfer. Von seinem Verein Al Ahli Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt er bereits Grünes Licht. „Ich habe mit meinem Präsidenten dort gesprochen, die würden sich freuen.“
Für eine Einigung sprach zudem, daß Togos Ausrüster Puma stark an einem raschen Ende des Chaos interessiert ist. Schäfer hatte nach eigenen Angaben bereits Anfang des Jahres eine Anfrage aus Togo, lehnte damals aber wegen der noch laufenden Saison in den Emiraten ab. Daraufhin war Pfister verpflichtet worden.
Pfisters „Lebenstraum zerstört“
Negative Erfahrungen mit einem Prämienstreit hat auch Schäfer: Die Mannschaft Kameruns wollte im November 2004 zum Freundschaftsspiel in Leipzig gegen Deutschland (0:3) wegen ausgebliebener Zahlungen zunächst nicht antreten. Gut zwei Jahre zuvor hatte er mit dem Team die Afrika-Meisterschaft gewonnen und damit seinen größten Erfolg gefeiert.
Für den zurückgetreten Pfister war nach dem mehrtägigen Trainingsboykott „die professionelle Grundlage entzogen“, wie er sagte. „Das zerstört mir einen Lebenstraum, aber ich muß den Tatsachen ins Auge sehen.“ Der 68jährige hatte als Trainer Saudi-Arabiens bereits die WM 1998 verpaßt. Weil er eine Entscheidung des Königssohns nicht akzeptieren wollte, wurde der gebürtige Kölner zur Olympia-Auswahl des Wüstenstaats strafversetzt.
Immerhin ist der angedrohte WM-Boykott eines Teils der togoischen Mannschaft vom Tisch. „Wir bleiben, wir spielen, wir machen das für unser Land“, sagte Emmanuel Adebayor vom FC Arsenal am Sonntag nach dem Training, das von Interimstrainer Mawuena Kodjovi geleitet wurde. Über Winfried Schäfer äußerte sich Adebayor positiv: „Er ist ein guter Trainer.“ Seit Samstag befinden sich Premierminister Edem Kodjo und Sportminister Ayouta Ouyenga im Quartier, um den seit Monaten schwelenden Prämienstreit zu schlichten.