08.03.2006 · Auf die Stürmer vom FC Bayern ist derzeit so viel Verlaß wie auf die öffentlichen Verkehrsmittel in München während des Schneechaos. Pizarro und Makaay haben jeweils erst drei Tore erzielt. Makaay gibt schon seit Monaten Rätsel auf.
Von Elisabeth Schlammerl, MünchenOliver Kahn hat sich ein paar Gedanken gemacht, wie die Dienstreise des FC Bayern München nach Mailand mit einem Erfolg enden könnte. „Man sollte das Spiel angehen, als wäre es ein Finale“, sagte der Torhüter des FC Bayern München, ehe der deutsche Rekordmeister in die Lombardei aufbrach, wo er an diesem Mittwoch gegen den AC Mailand um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League kämpft. Später sprach der Kapitän noch davon, „daß wir das Spiel unseres Lebens machen müssen“. (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker)
Vor allem im Angriff, denn die Bayern brauchen mindestens ein Tor in San Siro, um nach dem 1:1 im Hinspiel weiterzukommen. Aber auf die Stürmer des Bundesliga-Tabellenführers ist derzeit so viel Verlaß wie auf die öffentlichen Verkehrsmittel in München während des Schneechaos in den vergangenen Tagen. „Da kommt zuwenig“, sagt Trainer Felix Magath. Zumindest von den beiden, die gewöhnlich vorne spielen: Claudio Pizarro und Roy Makaay. Immerhin hat Michael Ballack mit seinen Toren die Probleme im Angriff zuletzt gut kaschiert. Immer wenn der Mittelfeldspieler in der Bundesliga-Rückrunde nicht getroffen hat, haben die Bayern auch nicht gewonnen.
Der „neue“ Makaay
Gemessen an der Trefferausbeute, ist derzeit kein Unterschied zwischen Pizarro und Makaay auszumachen. Beide haben in diesem Jahr jeweils drei Tore in Pflichtspielen erzielt. Aber weil Pizarro zumindest präsent ist auf dem Platz und sich viel bewegt, trifft ihn die öffentliche Kritik derzeit kaum. Makaay benimmt sich dagegen nicht viel anders als früher. Damals, als er noch ein gefährlicher Torjäger war, fiel er auch nicht unbedingt durch großes Engagement und permanente Präsenz auf. Er war oft 89 Minuten nicht zu sehen, tauchte erst in den Sekunden vor dem Tor auf und dann gleich wieder ab. Jetzt ist er eben 90 Minuten lang nur anwesend, ohne aufzufallen. Früher waren die Spiele, in denen er nicht getroffen hat, rar, jetzt sind es die, in denen er trifft.
Der Holländer gibt schon seit Monaten Rätsel auf. Vermutlich muß seine Geschichte beim FC Bayern sogar neu geschrieben werden, denn bisher galt er als eiskalter Vollstrecker vor dem Tor, als Fußballprofi ohne große Emotionen. Aber irgend etwas muß passiert sein mit Makaay, daß er derart anhaltend außer Tritt geriet. Die Verletzung, die er sich Ende August zugezogen hatte, kann daran alleine jedenfalls nicht schuld gewesen sein. Spätestens zu Beginn der Rückrunde hätten die Folgen des Trainingsrückstandes behoben sein müssen. Aber mehr als ein Aufflackern alter Torgefährlichkeit in Mönchengladbach und zwei Wochen später gegen den 1. FC Nürnberg gab es nicht. Magath vermutet, daß Makaay die Nichtnominierung für die niederländische Nationalmannschaft arg zugesetzt hat. „Höchstens im Unterbewußtsein“, sagt der Spieler. Aber vielleicht hat das ausgereicht, um ihn in eine umfassende Krise zu stürzen.
Kleiner Denkzettel
Lange umhätschelte vor allem Magath sein Sorgenkind, verteidigte Makaay und stellte ihn trotz massiver Kritik von außen immer wieder auf - bis zur Bundesligapartie gegen Eintracht Frankfurt vor elf Tagen. Daß damals Paolo Guerrero spielte, durfte als kleiner Denkzettel und zusätzliche Motivationshilfe für den Holländer verstanden werden. Aber womöglich hat diese Verbannung auf die Ersatzbank genau das Gegenteil bewirkt. Denn Makaay ist wohl doch viel sensibler, als es aufgrund seiner abgebrühten Spielweise manchmal den Anschein hatte.
Guerrero hat sich gegen die Eintracht empfohlen. Wieder einmal, denn er ist der effektivste Bayern-Stürmer in der Rückrunde. Der 22 Jahre alte Peruaner hat in diesem Jahr nur 181 Minuten gespielt, aber drei Pflichtspiel-Tore erzielt, genauso viele also wie Makaay in gut 700 Minuten und Pizarro, der sogar alle neun Partien der Bayern seit Januar von der ersten bis zur letzten Minute bestritten hat. „Guerrero hat uns alle unter Druck gesetzt“, sagt Magath. Pizarro und vor allem Makaay natürlich, „aber auch mich, weil ich nicht dachte, daß er schon so stark ist“.
„Zuviel Schnörkel im Spiel“
Aber nun hat Guerrero soeben eine Grippe auskuriert, und Magath ist damit wohl der schweren Entscheidung enthoben, ob er den Jungen im Giuseppe-Meazza-Stadion nicht doch von Anfang an einsetzen soll. Denn trotz der guten Vorstellungen genießt der Peruaner für internationale Aufgaben noch nicht das uneingeschränkte Vertrauen des Trainers. „Er hat noch zuviel Schnörkel im Spiel“, sagt Magath. In Mailand wäre es dem Trainer wohl lieber, wenn seine Mannschaft gradlinig auf das Ziel Viertelfinale zusteuern würde.