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Tierseuche Vogelgrippe eine Gefahr für die WM?

21.02.2006 ·  Die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn, hat die für die Vogelgrippe zuständigen Behörden kritisiert. Beim Ausbruch einer Pandemie sähe sie sogar ein Großereignis wie eine Fußball-WM gefährdet.

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Nach der Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland ist eine Debatte über eine Absage der Fußball-Weltmeisterschaft entbrannt, falls das Virus auf den Menschen übergreifen sollte. Die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn (Grüne), und der Leiter des WHO-Influenza-Programms, Klaus Stöhr, äußerten am Dienstag ihre Sorge angesichts dieser Möglichkeit. Der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert (SPD), wies Höhns Vorstoß zurück: „Das ist geradezu absurd und nicht besonders hilfreich.“ Derzeit gebe es keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß das Vogelgrippe-Virus von Menschen zu Mensch überspringen könne. Auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gerd Müller (CSU), sagte dem Fernsehsender N24, die Ausrichtung der WM diesen Sommer in Deutschland sei aus heutiger Sicht nicht in Gefahr. „Das ist im Augenblick reine Panikmache,“ sagte Müller.

Am Mittwoch wies auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) wies Überlegungen, die Fußball-Weltmeisterschaft für den Fall einer Pandemie abzusagen, zurück: „Das ist alles andere als ein sachdienlicher Hinweis. Wir lassen uns von solchen Seitentönen, die nur Panik auslösen, nicht beeindrucken.“ Auch bei der Pandemievorsorge müßten Besonnenheit und Konsequenz im Vordergrund stehen. Höhn hatte vorgeschlagen, Großereignisse abzusagen, falls die Vogelgrippe von Mensch zu Mensch übertragbar werde. Später relativierte die Vorsitzende des Agrarausschusses ihre Äußerung und sagte, der Vorschlag habe sich nicht auf die diesjährige Fußball-WM bezogen, die am 9. Juni in München beginnt. Danckert sprach von einer naiven Erklärung. Er hätte sich sich gewünscht, daß Höhn den Vorschlag nicht nur relativiert, sondern gar nicht erst gemacht, sagte er. Derartige Äußerungen seien der beste Weg, um eine Verunsicherung zu schüren, für die es keinen Anlaß gebe.

„Reine Panikmache“

Das Organisationskomitee für die WM in Frankfurt wollte sich nicht zu Höhns Vorstoß äußern und verwies auf den Weltfußball-Verband Fifa, der als Veranstalter der WM auftritt. Der WHO-Experte Stöhr dagegen pflichtete Höhn bei. Sollte während der Fußball-WM eine Pandemie ausbrechen, „muß man sich ganz genau überlegen, was man tut“, sagte er dem Fernsehsender N24. Für diesen Fall „braucht es jemanden, der sehr, sehr großen Mut hat, die Meisterschaft nicht abzusagen“. Höhn schrieb in einer Pressemitteilung, es sei nicht damit zu rechnen, daß die Vogelgrippe schon zu Beginn der WM 2006 von Mensch zu Mensch übertragbar sei. Deshalb stelle das Sportereignis keine Gefahr dar. Meldungen, wonach sie eine vorsorgliche Absage des Turniers erwäge, seien falsch.

Für die Fußball-WM haben sich mehrere Mannschaften aus Asien qualifiziert, wo die Vogelgrippe seit Jahren grassiert und bereits mehrere Dutzend Menschen an der Seuche gestorben sind. Zuvor hatte die Grünen-Politikerin Interviews gegeben, in denen ihre Aussagen als Empfehlung einer Absage der Fußball-WM in Deutschland verstanden werden konnten. So sagte sie im Sender N24 auf die Frage, ob sie für einen Verzicht auf die Weltmeisterschaft sei: „Sagen wir mal, das Virus ist da, und es gibt so Riesenveranstaltungen, dann wäre ich schon dafür zu sagen, laßt uns überlegen, die ausfallen zu lassen.“

Kritik an Behörden

Höhn hatte den Behörden zuvor erhebliche Fehler im Umgang mit der Vogelgrippe vorgeworfen. „Wenn eine Seuche denn da ist, und wir hatten ja Zeit genug uns darauf vorzubereiten, dann muß man ganz schnell handeln, da geht es wirklich auch um jede Stunde“, sagte die frühere nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerin am Montag abend im Fernsehsender N24. Es könne nicht sein, daß Rügens Landrätin Kerstin Kassner „dann da steht und sagt: ,Ich habe nur vier Leute und ein Auto, und wo sind die Schutzanzüge?'“ Höhn fügte hinzu: „Es muß schon Notfallpläne geben.“

Aber es habe sie auch „geärgert“, daß „in der Tat der schwarze Peter hier hin und hergegeben“ wurde. Nun werde die ganze Schuld bei der Landrätin abgeladen. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) hätte sich um Notfallpläne kümmern müssen, sagte die Politikerin. Agrarminister Horst Seehofer (CSU) habe sich ebenfalls „ein Stück herausgestohlen“.

Quelle: FAZ.NET mit dpa, Reuters, AFP, AP
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