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Skandalspiel in Istanbul „Hinrichtung ohne Gerichtsurteil“

18.11.2005 ·  In der Türkei ist Fifa-Präsident Blatter scharf kritisiert worden. Zeitungen bezeichneten den Schweizer wegen seiner Reaktion auf das Skandalspiel als parteiischen „Hooligan-Präsident“. Gleichzeitig gab es Selbstkritik.

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Nach den Attacken gegen die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft beim WM-Relegationsspiel in Istanbul schießen sich die türkischen Medien jetzt auf Fifa-Präsident Joseph Blatter ein. Mit der Schlagzeile „Hinrichtung ohne Gerichtsurteil“ reagierte das Massenblatt „Sabah“ am Freitag auf die dem türkischen Fußball-Verband angedrohten harten Strafen. Blatter habe sich parteiisch auf die Seite der Schweiz gestellt. „Hooligan-Präsident“ oder „Nur das Nationaltrikot hat gefehlt“, lauteten andere Überschriften. Mit dem Hinweis, daß der Weltverband seinen Sitz in der Schweiz habe, Präsident, Generalsekretär und Pressesprecher Schweizer seien, wurde Stimmung gegen die Fifa gemacht.

Selbstkritik, verbunden mit schweren Vorwürfen an die türkischen Verantwortlichen und Rücktrittsforderungen, wurde dagegen in anderen Blättern laut. „Wir sind alle wütend. Besonders gegen den Schweizer Fifa-Präsidenten spucken wir Gift und Galle. Aber an den Vorfällen haben wir auch Schuld“, schrieb die Zeitung „Vatan“. Das Blatt veröffentlichte erstmals Fotos, die zeigen, wie der türkische Co- Trainer Mehmet Özdilek einem Schweizer Spieler ein Bein stellt und damit die später eskalierten Ausschreitungen auslöste. Zuvor waren im türkischen Fernsehen allein TV-Bilder gezeigt worden, auf denen Özdilek getreten wird.

„Schweiz soll dieselbe Strafe erhalten“

Massive Kritik übten einige Blätter an Nationaltrainer Fatih Terim und dem türkischen Verband. Mit seinen Äußerungen und seinem Verhalten habe Terim die Stimmung nicht besänftigt, sondern im Gegenteil angeheizt. Dafür müsse er geradestehen, schrieb das Massenblatt „Hürriyet“. Konsequenzen für den Verband, der den „charismatischen“ Terim nicht in die Schranken gewiesen habe, forderte die Zeitung „Vatan“.

Verbandspräsident Levent Bicakci beharrte unterdessen darauf, daß die Schweiz ebenso bestraft werden müsse wie die Türkei. „Wir wollen, daß das mit Fair-Play unvereinbare Verhalten der Schweizer bei beiden Spielen ebenso in Rechnung gestellt wird“, sagte Bicakci bei einer Pressekonferenz. „Wenn wir eine Strafe bekommen, werden wir alles tun, was in unserer Macht liegt, damit die Schweiz dieselbe Strafe erhält.“ Die Erklärungen Blatters hatte der Verband zuvor als unglücklich, einseitig und voreilig kritisiert.

Daum fordert klares Zeichen von der Fifa

Derweil erwartet Christoph Daum ein klares Zeichen von der Fifa. „Wir können jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und sagen, es wäre nichts gewesen. Aber so dramatisch, wie es dargestellt wird, war es nicht. Trotzdem muß hier ein ganz klares Zeichen von der Fifa gesetzt werden: Liebe Türken, so geht es in Zukunft nicht weiter“, sagte der Trainer von Fenerbahce Istanbul dem Fernsehsender DSF. Daum betonte, daß die überwiegende Mehrheit der türkischen Fans friedlich sei und sich von den Vorfällen distanziere.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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