11.01.2006 · In der Debatte über Sicherheitsmängel bei WM-Fußballstadien hat der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses Finanzhilfen des Bundes vorgeschlagen - „zumindest für das Berliner Olympiastadion und das Leipziger Zentralstadion“.
Die Sicherheit der zwölf Fußball-WM-Stadien in Deutschland erregt weiter die Gemüter. Der Sportausschuß des Bundestages wird am 18. Januar über die von der Stiftung Warentest aufgelisteten Sicherheitsmängel beraten und dazu Vertreter der Bundesregierung als Berichterstatter einladen.
Ausschußvorsitzender Peter Danckert (SPD) sagte am Mittwoch, der Bund müsse trotz fehlender Zuständigkeit alles unternehmen, damit die Sicherheitslücken geschlossen werden. „Bis zur Fußball-WM ist noch genügend Zeit, die festgestellten gravierenden Mängel bei Brandschutz, bei den Fluchtwegen und den Evakuierungsmöglichkeiten abzustellen.“ Die nordrhein-westfälische Landesregierung forderte die Stiftung Warentest auf, ihre komplette Studie vorzulegen. Die bisherigen Veröffentlichungen seien „verdammt dünn“, sagte Bauminister Oliver Wittke (CDU) im WDR.
„Genügend Zeit, die Bedenken ernst zu nehmen“
Die Stiftung Warentest hatte am Dienstag Sicherheitslücken in den WM-Arenen aufgelistet und bei vier Stadien sogar von „erheblichen Sicherheitsmängeln“ gesprochen. Das Organisationskomitee der WM reagierte empört. Der für den Sport verantwortliche Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich am Mittwoch noch einmal dafür aus, die Sicherheit der Stadien noch einmal in einzelnen Punkten zu überprüfen. Gleichzeitig warnte er vor Hysterie. Der „Berliner Zeitung“ sagte Schäuble: „Es sind noch 150 Tage bis zum Beginn der WM, also genügend Zeit, die Bedenken der Tester ernst zu nehmen.“
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) sprach von unnötiger Aufregung. Sollte es Anlässe geben, etwas zu verbessern, werde man das tun, sagte er am Mittwoch im Deutschlandradio. „Wir verfeinern unsere Sicherheitskonzepte ständig, so daß es ein völlig normaler Prozeß ist.“ Schäuble schlug vor, daß das Organisationskomitee der WM, das Bundesbauministerium und die lokalen Behörden die Ergebnisse der Sicherheitsstudie der Stiftung Warentest gemeinsam überprüfen.
Ernsthafte Prüfung?
Der Ausschußvorsitzende Danckert sagte, zur Beseitigung der Sicherheitsmängel müsse auch der Bund beitragen. Er habe zumindest für das Berliner Olympiastadion und das Leipziger Zentralstadion eine gewisse Verantwortung, „weil sie erst vor kurzem mit mehreren Millionen Euro Steuergeld saniert worden sind“. Der „Berliner Zeitung“ sagte der SPD-Politiker, er frage sich bei manchen Stadien, „ob die Bauprüfung ernsthaft durchgeführt wurde oder ob die Behörden lediglich gut bewirtet wurden“.
Besonders im Fokus stehen nach wie vor vier Arenen: Das Olympiastadion in Berlin, in dem am 9. Juli das Finale stattfindet, die Veltins-Arena in Gelsenkirchen und das Zentralstadion in Leipzig haben laut Studie „erhebliche“ Baumängel, weil die Zuschauer wegen fehlender Fluchttore im Notfall nicht auf das Spielfeld laufen können. Durch drängende Menschen könne „innerhalb kürzester Zeit ein so hoher Staudruck entstehen, daß sogar eisenarmierte Betonmauern nachgeben“, hieß es. Das Fritz-Walter Stadion in Kaiserslautern habe „erhebliche Mängel“ beim Brandschutz. Acht Arenen haben laut der Studie „erhebliche“ oder „deutliche“ Sicherheitsmängel.