02.02.2006 · Bei der Besetzung des neuen Sportdirektor-Postens im Deutschen Fußball-Bund bahnt sich ein Zweikampf zwischen dem derzeit arbeitslosen Matthias Sammer und dem von Jürgen Klinsmann favorisierten Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters an.
In der Diskussion um Bernhard Peters steht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor einer Zerreißprobe. Während der Hockey-Bundestrainer von der sportlichen Führung um Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Wunschkandidaten für den Posten des Technischen Direktors erklärt wurde, regt sich im Verbandspräsidium Widerstand gegen den Plan.
„Ich persönlich glaube, daß es problematisch wird, jemanden in dieser Position zu installieren, der nicht aus dem Fußball kommt“, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder dem „kicker“. Auch DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer, immerhin zuständig für die Zukunftsentwicklung des Fußballs, will es auf einen Machtkampf mit Klinsmann ankommen lassen: „Jürgen Klinsmann kann seine Ideen haben, entschieden wird im Präsidium. Ich höre von diesem Plan zum ersten Mal, für mich ist das unvorstellbar.“
Kommt die Doppelspitze?
Die DFB-Spitze um den Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger favorisiert eine Lösung mit einem „Fußballer“ und hält sich die Option Matthias Sammer, der am Montag sein Konzept präsentieren durfte, weiter offen (Siehe auch: Klinsmann will Hockeytrainer Peters als Technischen Direktor). Möglicherweise könnte aber der Präsidenten-Doppelspitze beim DFB der „doppelte“ Sportdirektor folgen. „Wenn wir nicht eine einzelne Person finden, die alles vereint, ist auch eine mehrköpfige Lösung denkbar. So etwas praktizieren wir ja schon mit der DFB-Doppelspitze“, sagte Zwanziger.
Die Entscheidung über den Technischen Direktor wird am 8. Februar in Frankfurt das 14köpfige DFB-Präsidium bei einem Gipfeltreffen fällen. Die Sitzung, an der auch Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw teilnehmen werden, wurde vom 20. Februar vorgezogen, um das inzwischen äußerst brisante Thema möglichst schnell vom Tisch zu bekommen. Zwar hält auch Zwanziger den Hockey-Bundestrainer „für einen hervorragenden, sportwissenschaftlichen Fachmann“. Dem 45 Jahre alten Peters fehle aber der „Fußball-Stallgeruch“. Zudem, so der DFB-Chef weiter, „habe ich ja selbst die Anforderung ins Spiel gebracht, daß der Sportdirektor im Notfall auch den Posten des Bundestrainers übernehmen können sollte. Das wäre bei Herrn Peters nicht gegeben“. Deshalb sei er nur einer von mehreren Kandidaten.
Dies sehen Klinsmann und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff offenbar anders. Sie haben sich nach Gesprächen mit Sammer und Peters für den Hockey-Coach entschieden und ihren Wunsch bereits dem DFB-Präsidium vorgetragen. Eine Absage der DFB-Spitze an Peters, der im Hintergrund bereits als eine Art strategischer Berater von Klinsmann fungiert, würde deshalb auch einer Abfuhr für die sportliche Leitung der Nationalmannschaft gleichkommen.
Bierhoff: „Irrglaube“
Sammer bestätigte inzwischen Verhandlungen mit dem DFB, mochte sich aber zu Inhalten nicht äußern. Seiner möglichen neuen Aufgabe mißt er aber einen hohen Stellenwert zu: „Mit der Bedeutung des Postens möchte der DFB unserer Jugend und unseren Halbwüchsigen Ziele und Ideale glaubhaft vermitteln. Gute Ansätze gilt es weiter fortzuführen. Offenheit gegenüber neuesten Trends im internationalen Fußball sowie gegenüber anderen Sportarten und der Wissenschaft sind selbstverständlich. Am Ende ist und bleibt es aber Fußball, über den wir reden“, sagte Sammer.
Am Montag hatte Sammer einer DFB-Delegation bestehend aus Zwanziger, Bierhoff, Generalsekretär Horst R. Schmidt und WM-OK-Vize Wolfgang Niersbach seine Vorstellungen erläutert. Am Mittwoch folgte ein weiteres Treffen von Peters mit Klinsmann, Löw und Zwanziger.
Der Bundestrainer hatte bereits am Mittwoch die vielen Vorzüge von Peters, der mit den Hockey-Herren 2002 Weltmeister wurde, hervorgehoben und von Gesprächen auf „sehr hohem Qualitätsniveau“ berichtet. Der 41jährige war sich auch der Tatsache bewußt, „daß es kritische Stimmen geben wird. Aber Bernhard Peters kann dem Fußball unheimlich viel geben“. Die Argumentation Zwanzigers, der neue Mann müsse Stallgeruch haben, ist für Bierhoff ein „Irrglaube“: „Der Technische Direktor muß nicht in erster Linie Fußballsachverstand mitbringen. Den haben wir selbst.“
„Wir sind halt in der Karnevalszeit“
Überrascht wurde auch die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) vom Plan Klinsmanns. Selbst Liga-Präsident Werner Hackmann war in die Gespräche nicht eingebunden. Entsprechend forderte Liga-Vize Wolfgang Holzhäuser ein Mitspracherecht: „Es geht hier um eine Personalie für die Zeit nach der WM. Da kann es keine Alleingänge geben, da hat die Liga ein ganz entscheidendes Wort zu sagen.“
Die Reaktionen auf die Idee mit Peters fallen unterschiedlich aus. Der frühere Bundestrainer Berti Vogts etwa machte sich über den Vorschlag seines ehemaligen Kapitäns sogar lustig: „Hockey kann man nicht mit Fußball vergleichen. Ich glaube es nach wie vor nicht. Wir sind halt in der Karnevalszeit.“ Auch für den ehemaligen Weltmeister Jürgen Kohler, Trainer beim MSV Duisburg, ist der Plan „unvorstellbar“.
Dagegen findet der „unorthodoxe Personalwunsch“ (Stuttgarts Präsident Erwin Staudt) sogar bei Branchenführer Bayern München Unterstützung. „Die Verpflichtung kann durchaus bereichernd sein. Die Geschichte scheint mir nicht unsinnig“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Peters selbst ist auf jeden Fall davon überzeugt, „den Transfer richtig hinzubekommen. Dann können beide Sportarten voneinander lernen.“
Beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) haben sie ihren Nationalcoach der Herren für die Zeit nach der Hockey-WM in Mönchengladbach (6. bis 17. September) schon abgeschrieben. Am Freitag wird es ein Gespräch zwischen Peters, Verbandspräsident Stephan Abel und DHB-Generalsekretärin Uschi Schmitz geben, bei dem es wohl um die Auflösung des bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking datierten Vertrags nach der WM gehen wird. Bereits am Mittwoch hatte Peters dem DHB laut Schmitz mitgeteilt, daß er für Klinsmann „der absolute Wunschkandidat“ sei. Für Klinsmann schon.