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Joachim Löw im Interview „Wir haben einen Virus eingepflanzt“

08.07.2006 ·  Joachim Löw spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über seine Fußballphilosophie, den Aufstieg der jungen deutschen Nationalspieler, die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann und die Zukunftsaussichten des DFB.

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Joachim Löw spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über seine Fußballphilosophie, den Aufstieg der jungen deutschen Nationalspieler, die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann und die Zukunftsaussichten des DFB.

Wo waren Sie vor zwei Jahren im Sommerurlaub?

In einem Ferienklub auf Fuerteventura. Warum?

Es gibt die Geschichte, daß Sie damals des öfteren anderen Urlaubsgästen Ihre Idee vom modernen Fußball nahegebracht haben sollen. Da wußten Sie noch nicht, daß Sie wenig später Bundestrainer-Assistent werden würden und mit Jürgen Klinsmann die größte Fußballreform in Deutschland auf den Weg zu bringen hatten. Ist Fußball nicht verrückt?

Stimmt, da habe ich mir eine schöne, wichtige Auszeit genommen.

Hat sich etwas an der Philosophie geändert?

Die ist die gleiche. Das schönste für mich ist, zu sehen, daß ein Spieler die Aufgabe erfüllt, die ich ihm als Trainer gegeben habe, daß die Arbeit Früchte trägt. Per Mertesacker ist für mich eine der größten positiven Erfahrungen. Wie er sich entwickelt hat zu einem gestandenen Innenverteidiger, der mit allen Topstürmern auf Augenhöhe spielen kann und sich nicht mehr von einem Crespo, Luca Toni oder Ibrahimovic beeindrucken läßt.

Wie haben Sie sich die vergangenen zwei Jahre als Mensch verändert?

Als Mensch weniger, aber ich wurde schon geprägt durch diese zwei Jahre. Jeder von uns hat immens viel dazugelernt. Wichtig war, daß wir uns alle für Innovationen geöffnet haben. Wichtig war, daß Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff, Andi Köpke und ich die Stärke hatten, gegen Widerstände, die teilweise sehr massiv waren, unser Konzept mit aller Konsequenz durchzuziehen. Diese Ruhe konnten wir jederzeit auf die Mannschaft übertragen, weil wir von unserer Idee überzeugt waren. Wir waren stark, und wir waren ein sehr, sehr gutes Team, das erfahren hat, wie fruchtbar eine Zusammenarbeit durch Kommunikation, Transparenz und offene Kritik sein kann.

Es wird jetzt über die Zukunft von Jürgen Klinsmann spekuliert. Ist das System Klinsmann vorstellbar ohne Klinsmann?

Es liegt jetzt am DFB, die Philosophie weiterzuführen, unabhängig von Jürgen Klinsmann und mir. Würde es einen Wechsel geben, müßte man fragen, wer diese Philosophie vertritt für einen attraktiven Offensivfußball. Man dürfte jetzt niemanden holen, der für einen defensiven, konservativen Fußball steht, nur weil er vielleicht einen großen Namen hat. Ich glaube, dieser Virus ist von uns eingepflanzt worden beim DFB, und alle wissen, daß sich die Nationalmannschaft nur fortentwickelt, wenn fortschrittlich und innovativ gearbeitet wird.

Wollten Sie die Aufgabe als Bundestrainer fortführen, wenn Jürgen Klinsmann aufhören würde? Fühlen Sie sich als Nummer eins?

Ich bin immer noch in diesem WM-Stadium. Nach dem Turnier wird man sehen. Jürgen Klinsmann und ich werden das erste Gespräch führen. Dann schauen wir, ob das Gesamtpaket stimmt und ob Jürgen Klinsmann weitermacht. Davon wird vieles abhängig gemacht.

Das Gespräch führten Michael Ashelm und Peter Heß.

Das vollständige Interview lesen Sie im Sportteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9. Juli 2006.

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