05.12.2005 · Der deutsche Fußball hat sich ein halbes Jahr vor der WM von seiner häßlichen Seite gezeigt. Ein Kölner Fan verletzte HSV-Profi Laas, Nürnbergs Kießling wurde bewußtlos vom Platz getragen, Alpays Ellenbogencheck blieb ungeahndet, Deislers Tritt mit Rot bestraft.
Ein denkwürdiger Spieltag mit abschreckender Wirkung hat dem deutschen Fußball 187 Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft im eigenen Land negative Schlagzeilen und unliebsame Diskussionen beschert. Der Fanatismus einiger Zuschauer und die Unbeherrschtheit diverser Profis drängten die sportlichen Aspekte in den Hintergrund. (Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle)
Vor allem die schlimmen Bilder aus Hamburg schockierten, nahmen Wolfgang Niersbach aber nicht die Vorfreude auf die WM. „Wir sollten jetzt nicht in Panik verfallen und sind weit davon entfernt, wegen eines solchen Einzelfalls die gesamte Konzeption und unsere Philosophie über den Haufen zu werfen“, sagte der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees im Deutschen Sportfernsehen.
Laas blutüberströmt
Gleichwohl deutete Niersbach erste Konsequenzen an: „Wir haben im OK darüber diskutiert, ob wir in den WM-Stadien die Fangnetze hinter den Toren abnehmen können. Nach diesem Vorfall können wir uns das nicht mehr leisten.“ An eine deutliche Ausweitung der ohnehin strengen Sicherheitskontrollen sei jedoch nicht gedacht. „Wir werden uns bemühen, die Atmosphäre nicht durch zu viele Kontrollen zu zerstören.“ (Siehe auch: Chronik: Zuschauer als Täter)
Die abstoßenden Szenen aus den Stadien gaben zu denken: blutüberströmt sank der von einem aus der Kölner Fankurve geworfenen Trommelstock am Kopf getroffene HSV-Profi Alexander Laas zu Boden. In Mönchengladbach wurde der Nürnberger Angreifer Stefan Kießling nach einem Zweikampf mit Jeff Strasser bewußtlos vom Platz getragen - begleitet von Wurfgeschossen einiger Hooligans.
„Nicht auf einem Kriegsschauplatz“
Die nicht geahndete Tätlichkeit des Kölner Profis Özalan Alpay, der seinem Gegenspieler Guy Demel einen bösen Ellbogencheck verpaßte, und der mit einer Roten Karte bedachte Tritt von Nationalspieler Sebastian Deisler (FC Bayern München) beim Süd-Gipfel in Stuttgart komplettierten den Eindruck von einem mißratenen Bundesliga-Wochenende.
„Wir sind beim Fußball und nicht auf einem Kriegsschauplatz“, klagte Kölns Trainer Uwe Rapolder. Nur wenig entfernt schüttelte der sichtlich gezeichnete Laas ungläubig den Kopf: „So etwas darf nicht zu unserem Sport gehören.“ Vor allem die Kölner hatten gleich mehrfach Grund zur Klage. Neben der 1:3-Schlappe, die die Position von Trainer Uwe Rapolder weiter schwächte, sorgten die Vorfälle um Laas und Alpay für neue Turbulenzen.
Alpay „arbeitsrechtlich belangt“
Der noch in der Nacht geständige Trommelstock-Werfer wurde der Polizei gemeldet. „Damit ist dieser Fall, zumindest was die Tätersuche anbetrifft, abgeschlossen“, sagte Rettig. Wie DFB- Mediendirektor Harald Stenger der dpa bestätigte, wird in dieser Angelegenheit sowohl gegen den Hamburger SV als auch gegen den 1. FC Köln ermittelt.
Auch in Sachen Alpay gab es erste Konsequenzen: Der Abwehrspieler, der schon beim Skandal-Spiel in der WM-Relegation zwischen der Türkei und der Schweiz unangenehm aufgefallen war, wurde laut Rettig vom Verein „arbeitsrechtlich belangt“ und von Trainer Rapolder kurzerhand aus dem Kader für das Nachholspiel am Dienstag gegen Duisburg gestrichen. Zudem erhob DFB-Chefankläger Horst Hilpert Anklage gegen den umstrittenen Türken. Vom einstmals guten Ruf des noch bei der EM 1996 in England mit einem Fair-Play-Preis bedachten Alpay ist wenig geblieben.
Erfolge für Neururer und Meyer
In Sebastian Deisler trug auch ein deutscher Nationalspieler dazu bei, daß der Spieltag in schlechter Erinnerung blieb. Beim wenig unterhaltsamen 0:0 der Bayern in Stuttgart versagten ihm bei einem Zweikampf mit Ludovic Magnin die Nerven. Sein mit dem Platzverweis geahndeter Ausraster vor den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann war ihm selbst ein Rätsel: „Das war eine dumme Aktion. Dieser kleine Tritt darf nicht passieren.“
Das Duell der Fußball-Lehrer Magath/Trapattoni in Stuttgart sowie die Erfolge der erst vor kurzem eingestellte Trainer Peter Neururer (2:0 mit Hannover in Dortmund) und Hans Meyer (1:0 mit Nürnberg in Mönchengladbach) wurden nur als Randthemen wahrgenommen. Dabei ist die Bundesliga am 15. Spieltag zumindest aus sportlicher Sicht ein bißchen spannender geworden. Derweil die Bayern einen Punkt einbüßten, hielten sich die Verfolger aus Hamburg, Bremen (2:0 über Duisburg) und Schalke (1:0 in Bielefeld) schadlos.
Der VfL Wolfsburg setzte seine Talfahrt mit dem sechsten Spiel hintereinander ohne Sieg fort. Beim FSV Mainz 05 unterlagen die Niedersachsen 1:5. Auch Bayer Leverkusen erlebte eine herbe Enttäuschung, mußte innerhalb von nur einer Woche die zweite Heimniederlage hintereinander hinnehmen und verlor gegen Hertha BSC 1:2. Die Berliner haben nur noch drei Punkte Rückstand auf die viertplazierten Schalker. Leverkusen verabschiedet sich als Elfter immer mehr von seinen internationalen Plänen.
Zeigefinger eines Türken (2)
Erdal Aslan (eraslan)
- 05.12.2005, 16:13 Uhr
Zeigefinger eines Türken (3)
Erdal Aslan (eraslan)
- 05.12.2005, 16:39 Uhr
Ach ja...
Matthias Müller (MattiM)
- 05.12.2005, 17:20 Uhr
Jenseits aller Emotionen beide Seiten verstehen
Michael Klarner (mkl-bln)
- 05.12.2005, 18:28 Uhr
Reaktion
Erdal Aslan (eraslan)
- 05.12.2005, 23:03 Uhr