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Deutschland vor dem zweiten Spiel Klose: „Kampf bis aufs Messer“

13.06.2006 ·  Die deutsche Fußball-Nationalelf stellt sich auf ein hartes zweites WM-Spiel ein. „Für Polen ist es fünf vor zwölf. Die werden sich zerreißen, wir müssen also höllisch aufpassen“, warnte Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der wieder auf Michael Ballack zurückgreifen kann.

Von Michael Ashelm, Berlin
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Nichts anderes ist von einem Kalifornier zu erwarten. "Wir haben Spaß, bei dreißig Grad zu spielen", sagt Jürgen Klinsmann. Während die ersten WM-Teilnehmer vornehmlich aus Mittel- und Nordeuropa über die Hitzewelle in Deutschland klagen, zeigt sich der deutsche Fußball-Bundestrainer als Sonnenanbeter. "Ich sehe da gar kein Problem."

Erst einmal kennt Klinsmann diese Wetterlage aus seiner Wahlheimat, dann glaubt er sich mit seiner Mannschaft bestens auf extreme Situationen vorbereitet zu haben. Die wochenlangen Fitnessübungen, welche weiterhin höchste Priorität haben im Vorbereitungszyklus der Nationalmannschaft, dienen schließlich dazu, den Spielern einen körperlichen Vorteil bei höchsten Anstrengungen anzutrainieren. "Wir haben eine gute Grundlage aufgebaut und hoffen, daß dies zum Ende des Turniers unser Pluspunkt ist", sagt der Bundestrainer.

Bedenken machen sich breit

Wann und wo das Ende dieser Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft kommen wird, darüber läßt sich vage spekulieren. Trotz seines langfristigen Plans orientiert sich Klinsmann prinzipiell lieber am nächsten Tag und an der nächsten Aufgabe, die ihn mit seinem Team an diesem Mittwoch im zweiten Gruppenspiel in Dortmund auf die polnische Auswahl treffen läßt. Ein Sieg, und die Deutschen wären schon nach weniger als einer Woche WM-Fußball als erstes Team im Achtelfinale des Turniers. Ein glatter Start - aber bitte nicht den Bundestrainer nach dieser einmaligen Möglichkeit fragen! Klinsmann legt seinen zerknirschten Gesichtsausdruck auf und warnt, wie so viele Trainer es in dieser Situation machen würden. "Dieser Schritt ist wesentlich schwerer als das Eröffnungsspiel. Polen steht mit dem Rücken zur Wand", sagte Klinsmann, bevor gestern der deutsche Troß von seinem WM-Sitz in Berlin nach Dortmund aufbrach.

Die Bedenken rühren aus dem Bewußtsein, daß der polnische Gegner unbedingt ein positives Ergebnis aus der Partie erzielen muß, um sich weitere Qualifikationschancen in diesem Turnier zu erhalten. Deshalb sei mit äußerster Kampfkraft zu rechnen, wie der in Polen geborene und für Deutschland spielende Stürmer Miroslav Klose feststellte. "Die werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns losgehen." Weniger martialisch, aber ähnlich schicksalhaft drückte sich der Bundestrainer aus. Dieser rechnet wohl mit einem Showdown, bei dem nur der heil herauskommt, der über ausreichend Willenskraft und Kampfstärke verfügt. "Wenn ich mich in den Gegner hineinversetze, dann schlägt die Uhr für die Polen fünf vor zwölf", sagte Klinsmann. Im Umfeld des Gegners herrsche "eine große Aggressivität". Und Erkenntnisse über interne Querelen machten die Polen nur noch gefährlicher. Da sind sich die deutschen Kicker einig.

Borowski muß weichen

Weil Michael Ballack nach der Wadenverletzung seinen WM-Einstand geben wird, verändert sich die Mannschaft auf einer Position gegenüber der Auftaktpartie gegen Costa Rica. Dem Kapitän dürfte der Bremer Mittelfeldspieler Tim Borowski weichen. Weiteres Vertrauen hat Klinsmann dem rechten Verteidiger Arne Friedrich von Hertha BSC Berlin ausgesprochen, der im Eröffnungsspiel weder Sicherheitsfaktor noch Impulsgeber war. Größere Umstrukturierungen in der Abwehrkette (ob mit den Mittelfeldspielern Bernd Schneider oder Torsten Frings als Aushilfsverteidiger oder Philipp Lahm statt über links auf der rechten Seite) werden vorerst wohl ausbleiben. Als Motto gilt: bei gleicher Offensivkraft enger verzahnt und aufmerksamer in der Defensive. "Ich erwarte totales Engagement, damit wir das Publikum auf unsere Seite bekommen", sagt Klinsmann.

Beruhigen wollte den übervorsichtigen Bundestrainer am Dienstag übrigens auch nicht, daß die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in vierzehn Vergleichen bislang noch nie verloren hat gegen die polnischen Kicker. "Das Spiel hat nichts mit Statistik zu tun. Ich hoffe natürlich, daß die positive Tradition für uns weiterbesteht", sagte Klinsmann. Seine Mannschaft soll den erwarteten Kampf annehmen und am Ende als doppelter Sieger aus der Partie hervorgehen. Ob die Hitze allerdings mithilft? Der Wetterbericht warnt an diesem Mittwoch vor Unwetter über dem Westen Deutschlands. Vielleicht schüttet es am Abend über Dortmund - und auch das wäre im Rückblick auf das WM-Halbfinale von 1974 ein Stück gemeinsame Geschichte mit den Polen.

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