30.05.2006 · Von 60.000 Arbeitslosen in Frankfurt und Umgebung haben sich in den vergangenen Monaten lediglich 1200 für einen Aushilfsjob während der WM interessiert. Wieviele kämen wohl als Verkäufer, Kellner oder Gästeführer in Frage?
Von Manfred KöhlerEs gibt Jobs während der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankfurt, da kann man richtig Geld machen. Jedenfalls, wenn man überlegt, was sich sonst als Aushilfe verdienen läßt. Ein Bad Vilbeler Zeitarbeitsunternehmen, das als „messearbeit.de“ firmiert, sucht zum Beispiel Hostessen, die in einem Frankfurter Kaufhaus der ausländischen Kundschaft zeigen sollen, wo es langgeht. Zehn Euro je Stunde werden sowieso gezahlt - und für jede Fremdsprache, die über Englisch und Französisch hinaus beherrscht wird, gibt es noch zwei Euro extra. Je Stunde.
Erfahren läßt sich solcherlei auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit, wenn man beim speziellen Stellenmarkt für die WM nach Frankfurter Angeboten sucht. Wie eine Sprecherin der Agentur für Arbeit sagt, sind allein in dieser Stadt noch an die 1300 Stellen unbesetzt. Das Frankfurter Unternehmen Meyer, bekannt etwa durch sein Restaurant und die Metzgerei an der Freßgass', sucht „fast schon ein bißchen verzweifelt“, wie Personaldisponentin Spomenka Hodalj berichtet, eine Fleischerfachverkäuferin, zunächst als Aushilfe für die Zeit des Fußballturniers, aber vielleicht auch für länger, außerdem Kellner oder Kellnerinnen für das Holbein's im Städel, das ebenfalls zu diesem Unternehmen gehört, schließlich Köche für das Catering, ein weiteres Geschäftsfeld. Völlig andere Qualitäten sind wiederum bei der S & T Guides Connection gefragt: Dort werden Gästeführer benötigt, vor allem solche mit Portugiesisch- und Japanischkenntnissen. An Spitzentagen werde man bis zu 25 Führer gleichzeitig einsetzen, berichtet der mit Personalsuche befaßte Timm Herok.
Stellenbörse zur Weltmeisterschaft
Auf die Frage, warum es noch derart viele offene Stellen so kurz vor der WM gebe, verweist man bei der Frankfurter Arbeitsagentur darauf, daß viele dieser Arbeitsplätze der Behörde erst vor kurzem gemeldet worden seien. Schwer zu übersehen ist, welches Interesse die Arbeitslosen haben und wie viele von ihnen überhaupt für die Jobs in Frage kommen. Wie die Sprecherin der Arbeitsagentur berichtet, müßten eigentlich alle 60.000 als arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer im Bezirk Frankfurt davon wissen, daß für die Aushilfen zur Weltmeisterschaft eine spezielle Stellenbörse eingerichtet worden ist - also auch alle, die vom Arbeitslosengeld II leben und deshalb gar nicht von den Arbeitsagenturen betreut werden. Von diesen 60.000 hätten sich gut 1200 auch tatsächlich interessiert gezeigt, sagt die Sprecherin weiter.
Daß die als arbeitslos Gemeldeten nicht in erster Linie das Reservoir für die WM-Jobs sind, zeigt sich auch an zwei weiteren Zahlen: Wie die Sprecherin weiter mitteilt, wurden bisher mit Hilfe dieser Behörde 500 Menschen auf einen solchen Arbeitsplatz vermittelt, doch nur 130 davon waren zuvor auch als arbeitslos registriert gewesen.
Wie viele Arbeitsplätze alles in allem in Frankfurt durch die Fußball-Weltmeisterschaft entstehen, läßt sich nur schwer sagen. Die Bemühungen der Arbeitsagentur erreichen auf jeden Fall nur einen Teil dieser Stellen. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt hatte schon vor Jahresfrist prognostiziert, es seien um die 10.000. Eine Zahl, die die Kammer nach wie vor für realistisch hält.
Die Bahn sucht Lockführer
Der Arbeitsagentur geben die Unternehmen unterschiedliche Noten, was die Hilfe bei der Suche nach Arbeitskräften angeht. Herok, der die erwähnten Gästeführer sucht, berichtet zufrieden, die Behörde habe sich immer wieder erkundigt, wie es denn mit der Besetzung der Stellen klappe. Hingegen heißt es beim Flemming's Hotel an der Neuen Börse, das eine Frühstückkellnerin sucht, obwohl die Anzeige schon seit einer Woche auf der Homepage der Agentur stehe, sei bisher nichts geschehen. Der einzige Bewerber sei eher zufällig im Hotel vorbeigekommen, sagt Petra Geiger, die sich in dem Hotel um die Personalsuche kümmert.
Manche Unternehmen können zufrieden melden, sie hätten ihre Aushilfen bereits beisammen. Das teilte zum Beispiel Steigenberger mit. Der Konzern hatte für eine Bar am Flughafen Büfettkräfte gesucht. Auch bei Sport Pröstler an der Hauptwache kann die WM kommen. Auf den Hinweis bei der Arbeitsagentur und einen Aushang am Geschäft hin hatten sich 60 Leute auf die drei Stellen als Verkäuferinnen beworben, wie Christel Pröstel-Wagner berichtet. Vor allem Verkauf und Versand der Trikots liefen schon jetzt gut; stolz berichtet Pröstler-Wagner, daß es in ihrem Geschäft die Leibchen aller 32 Mannschaften zu kaufen gebe.
Die Bahn sucht als Aushilfen für die Zeit der WM sogar Lokführer. Allerdings sind spezielle Kenntnisse verschiedener Lokomotiv-Baureihen sowie von „CIR Elke“ gewünscht, was immer das ist. Klingt doch nicht so, als ob man sich während der WM als Aushilfe nebenbei einen Jugendtraum erfüllen könnte.