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Klinsmann im Interview „Die völlig falsche Richtung“

02.03.2006 ·  Jürgen Klinsmann will trotz der 1:4-Niederlage in Italien an seinem WM-Konzept festhalten. Im Interview spricht der Bundestrainer über die Gründe für das Fiasko in Florenz und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

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Jürgen Klinsmann will trotz der 1:4-Niederlage in Italien an seinem WM-Konzept festhalten. Im Interview spricht der Bundestrainer über die Gründe für das Fiasko in Florenz und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Wie ordnen Sie die deftige Niederlage 100 Tage vor WM-Start ein?

Es war sicher eine große Enttäuschung für alle. Es ist natürlich nicht einfach, gleich die richtige Antwort zu finden, wenn man so schnell 0:2 zurück liegt. Dadurch haben wir einfach unsere Linie nicht gefunden und zu viele individuelle Fehler gemacht im Spielaufbau. Damit haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht. Wir haben es nicht geschafft, Druck auszuüben. Und so sind wir auswärts von der heimischen Mannschaft ausgekontert worden. Es gibt Tage, da geht es in die falsche Richtung. Diesmal ist es in die völlig falsche Richtung gegangen.

Gibt es jetzt Konsequenzen Richtung Weltmeisterschaft?

Die Konsequenz ist einfach, daß wir noch viel Arbeit vor uns haben. Daß wir diese Lektion wegstecken, die Brust nach vorne schieben und sagen: Wir nehmen es an, wir haben viel dazugelernt. Gerade diese Spiele gegen die großen Nationen sind enorm wichtig für uns. Wir werden in Ruhe weiterarbeiten Richtung WM.

Was haben Sie persönlich aus dem Rückschlag gelernt?

Sicherlich, daß wir noch nicht im Stande sind, nach so schnellen Rückschlägen wieder Ruhe und Sicherheit ins Spiel zu bekommen. Dieses Spiel werden wir noch mehrere Male anschauen, analysieren und durchsprechen. Vor dem USA-Spiel wird das aufgearbeitet, auch in Einzelgesprächen. Aber letztlich gehören solche Momente dazu.

Gibt es Zweifel?

Wir haben immer betont, irgendwann werden wir mal einen auf die Mütze bekommen. Dennoch: Wir vertrauen dieser Mannschaft, wissen, was jeder Einzelne kann, welches Potential jeder einzelne Spieler hat. Heute haben sie dieses Potential größtenteils nicht abgerufen. Und dadurch haben wir so eine Rückschlag hinnehmen müssen. Aber es geht weiter. Es ist besser, wenn das 100 Tage vor der WM passiert als bei der WM. Wir ziehen uns da auch wieder raus.

Kommen jetzt einige Punkte Ihres WM-Konzepts nochmals auf den Prüfstand?

Nein. Die Art und Weise, mit der wir die Dinge entwickelt und nach vorn getrieben haben, war immer mit einem Stück Risiko verbunden. Wir sind dieses Risiko vom ersten Tag an eingegangen, indem wir den Generationswechsel eingeleitet und eine aggressive, schnelle Spielweise entwickelt haben. Da gehört es einfach dazu in der Phase, daß man mal so eine Lektion bekommt. Das ist nicht angenehm für Trainer und Spieler. Aber um weiter zu kommen in diesem Prozeß, gehört das mit dazu. Unser Vertrauen und unser Planung mit der Mannschaft stehen. Wir sind absolut überzeugt, daß wir mit dieser Mannschaft etwas auf die Beine stellen werden bei der WM, auch wenn es auf dem Weg dahin noch ein bißchen holprig wird.

Wo wollen Sie zuerst den Hebel ansetzen?

In vielen Bereichen. Für uns ist wichtig, daß wir ab dem 16. Mai in der Vorbereitung endlich über einen längeren Zeitraum sehr intensiv und konzentriert mit der Mannschaft arbeiten können. Wir werden Schwerpunkte im taktischen, spielerischen und mentalen Bereich setzen.

Wie schwer wiegt nach dem 1:4 die Hypothek in der Öffentlichkeit?

Das ist schon ein Resultat, das man erstmal schlucken muß. Die öffentliche Erwartungshaltung können wir ohnehin nicht beeinflussen. Wie die Fans aus dem Bauch heraus reagieren werden, so ist es in Ordnung. Auch wenn wir jetzt ein paar Tage heftig Gegenwind bekommen und Kritik, das gehört mit dazu. Wir stellen uns dieser Situation. Aber wir wissen, was jeder Einzelne kann. Wir nehmen die Herauforderung an mit der vollen Überzeugung, daß die Jungs das meistern können.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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