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Fußball Juventus-Vorstand tritt zurück

11.05.2006 ·  Kurz vor seinem 29. Titelgewinn wird Juventus Turin immer stärker vom italienischen Fußballskandal erfaßt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Neapel den Rekordmeister ins Visier genommen.

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Kurz vor seinem 29. Titelgewinn wird Juventus Turin immer stärker vom italienischen Fußballskandal erfaßt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Neapel den Rekordmeister selbst mit acht weiteren Erst- und Zweitligavereinen ins Visier genommen. Sollte "Juve"-Manager Luciano Moggi tatsächlich mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern und Verbandsfunktionären in der Saison 2004/2005 Serie-A-Spiele manipuliert haben, droht Italiens berühmtestem Fußballklub laut "Gazzetta dello Sport" der Zwangsabstieg.

Die Vorfreude auf das Saisonfinale am Sonntag ist dahin. Dabei würde "Juve" (88 Punkte) bei Reggina Calcio schon ein Punkt reichen, um vor Verfolger AC Mailand (85/daheim gegen AS Rom) sein Ziel zu erreichen. Verliert das vom Skandal verunsicherte "Juve", wäre Milan mit einem Heimsieg wegen der Erfolge im direkten Vergleich Meister. Seit Wochen befindet sich Juventus im Presseboykott. Kein Wort dringt heraus, das Chaos aber ist auch so erkennbar: Kapitän Alessandro Del Piero verließ nach einem Streit mit Trainer Fabio Capello das Training. Capello scheint auf dem Absprung Richtung Inter Mailand. Das Team zerfällt, die Führungsriege steht unter Beschuß und kurz vor der Abberufung durch die entsetzte Besitzerfamilie der Agnellis.

Es regiert das Chaos

Nun wurde auch noch bekannt, daß die Staatsanwaltschaft Turin schon seit Monaten gegen "Juve"-Geschäftsführer Antonio Giraudo wegen Bilanzfälschung ermittelt. Täglich neue Enthüllungen stürzen Juventus immer tiefer in die Krise und reißen den halben italienischen Fußball mit sich: Nach dem Präsidenten des Fußballverbands FIGC, Franco Carraro, ist nun auch dessen Stellvertreter Innocenzo Mazzini zurückgetreten. Knapp einen Monat vor dem Start der Weltmeisterschaft in Deutschland wird Italiens Fußballverband schwer erschüttert.

"Das ist wie Tangentopoli", sagte der in die Politik gewechselte Mailänder Staatsanwalt Antonio Di Pietro am Donnerstag. Mit seinen Schmiergeldermittlungen brachte er Anfang der 90er Jahre das gesamte Parteiensystem Italiens zu Fall. Nun kündigt sich eine ähnliche Revolution im italienischen Fußballsystem an.

Quelle: F.A.Z., 12.05.2006, Nr. 110 / Seite 30
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