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Fußball Ehre für Schröder, Handkuß für Merkel

09.12.2005 ·  Der frühere Bundeskanzler Schröder wurde beim außerordentlichen DFB-Bundestag mit viel Lob bedacht und als Ehrenmitglied aufgenommen. „Ich bin nicht nur stolz, sondern auch glücklich darüber“, sagte der Fußball-Fan und einstige Mittelstürmer mit Kampfnamen „Acker“.

Von Roland Zorn, Leipzig
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Ein ganzer Bundestag für einen Mann - so viel Dank und Ehre wie seinem jüngsten Ehrenmitglied Gerhard Schröder hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einem seiner großen Freunde und Förderer noch nie zuteil werden lassen.

Schröder aber ist mehr noch als Helmut Kohl, sein Vorgänger als Bundeskanzler und DFB-Ehrenmitglied, zeit seines Lebens nicht nur Politiker, sondern auch "Fußballer" gewesen. Und deshalb mußte der erst vor wenigen Wochen von seinem politischen Spitzenamt geschiedene Hannoveraner am Freitag in der Leipziger Oper auch keine großen Worte machen, um seine Freude zu demonstrieren.

„Für die WM stets alle Ampeln auf Grün gestellt“

"Ich bin nicht nur stolz", sagte der 61 Jahre alte Schröder um kurz nach zwölf Uhr mittags, "sondern auch glücklich darüber, Ehrenmitglied des Verbandes zu sein." Dem 61. Mann in der mit Urkunde und Goldener Ehrennadel ausgezeichneten Männerriege des DFB war die Frage, die für ihn keine war, während des Confederations Cups im Juni vom Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gestellt worden. Und natürlich hat Schröder sofort ja gesagt. Am Freitag hielt Zwanziger konsequenterweise die Laudatio auf Schröder, dem er liebend gern bescheinigte, daß er "trotz aller Schwierigkeiten, die dieses Land ja derzeit plagen, für die WM stets alle Ampeln auf Grün gestellt" habe.

Als Zwanziger wie auch DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ihren Duzfreund beglückwünschten, mußte Schröder anders als bei manchen vorangegangenen offiziellen Gelegenheiten nicht mehr staatstragend antworten. Der Kanzler a. D., den alle noch "Herr Bundeskanzler" nennen, machte es kurz und schlug den großen Bogen vom jugendlichen Mittelstürmer des TuS Talle zu seinem erfolgreichen Politikerleben, das ihn an die Spitze des Landes und der SPD geführt hat: "Für mich war es wichtig, beweisen zu können, daß Herkunft in der Gesellschaft nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern Leistungsbereitschaft, Leistungswille und Leistungsvermögen, gepaart mit Fairness."

„K. & K.-Demokratie“

Zu jenen, die dem aus den sogenannten kleinen Verhältnissen stammenden leidenschaftlichen Fußballfan (namentlich von Borussia Dortmund und Hannover 96) ein Heimspiel mit langem Applaus spendeten, gehörte auch seine Nachfolgerin im Berliner Kanzleramt, Angela Merkel. Die Frau und CDU-Vorsitzende an der Spitze der großen Koalition lobte Schröder in ihrem nüchternen, aber sportprogrammatisch skizzierten Grußwort als einen Mann, "der sich in ganz besonderer Weise für den Fußball und die Fußball-WM eingesetzt hat".

Das empfand auch Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, so, der Fußball-Deutschland zur "K. & K.-Demokratie" erhob. "Kaiser (Franz Beckenbauer) und Kanzler (Schröder) haben im gepflegten Doppelpaß das Fundament für die WM 2006 gelegt." Blatter wie zuvor schon Mayer-Vorfelder und Zwanziger hießen die neue deutsche Kanzlerin herzlich in der großen "Fußballfamilie" willkommen; die in Hamburg geborene Brandenburgerin fühlte sich in Leipzig spätestens von dem Moment an im Kreise galanter Herrschaften wohl, als ihr Mayer-Vorfelder auf dem Weg zu ihrer ersten kurzen Ansprache vor Spitzenrepräsentanten des Sports mit einem Handkuß die Aufwartung machte.

Merkel wünscht „weise Entscheidung“

Daß die erste Frau an der Spitze des politisch wichtigsten Amtes die Gelegenheit auch dazu nutzte, ihr Faible für den überaus erfolgreichen deutschen Frauenfußball deutlich zu machen, überraschte nicht. "Am 20. und 28. Mai 2006 wird - zwischen Turbine Potsdam und dem FFC Frankfurt - ein rein deutsches Europapokalfinale ausgetragen. Da müssen sich die Männer anstrengen, um das auch mal wieder zu schaffen." Frau Merkel sparte aber auch nicht mit Anerkennung für die älteren Herren an der Spitze des Verbandes, "der nicht nur die Professionalität fördert, sondern vielen jungen Menschen Bodenhaftung und Orientierung bietet".

Ehe sie wenige Stunden später am Abend als Ehrengast zur großen WM-Auslosung in der Leipziger Messehalle 1 willkommen geheißen wurde, offenbarte die Kanzlerin auch der Mitgliederversammlung des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees ihren kaum verblümten Herzenswunsch für diesen Samstag. Dann soll in Köln, wenn die Delegierten mehrheitlich mitspielen, die Fusion der beiden deutschen Dachverbände des Sports beschlossen werden. "Ich wünsche mir eine weise, zukunftsweisende Entscheidung, ohne mich einmischen zu wollen", sagte Frau Merkel, die sich in Leipzig als Fusionsbefürworterin trotzdem dezent einmischte.

Solche Statements braucht der Privatier Gerhard Schröder nicht mehr abzugeben. Und größere oder kleinere Regierungserklärungen und Regierungsversprechen überläßt er ab sofort sowieso gern seiner Nachfolgerin. Die erlaubte sich zu Beginn des Schröderschen Ehrentages auch einen kleinen Versprecher, als sie den Deutschen Fußball-Bund als Deutschen Fußball-Verband bezeichnete. So hieß er in der DDR, in der Angela Merkel groß wurde. Mag ihr auch hier und da gegenüber Sportfreunden oder einer anderen Klientel ein kleiner rhetorischer Lapsus unterlaufen: Die Zeiten von damals hat die Kanzlerin von heute längst hinter sich gelassen, und das ist gewiß gut so.

Quelle: F.A.Z. vom 10. Dezember 2005
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