05.07.2006 · Die Trauerfeiern nach der deutschen Halbfinal-Niederlage blieben weitgehend friedlich. In einigen Städten kam es zu kleineren Rangeleien mit mehreren Dutzend Festnahmen. Eine junge Frau stürzte von ihrem Balkon, als sie die Deutschlandfahne entfernen wollte.
Die Trauerfeiern nach der deutschen Halbfinal-Niederlage blieben bundesweit weitgehend friedlich. Millionen deutscher Fans zogen in der Nacht zu Mittwoch traurig, aber ruhig von den Fanmeilen in die Kneipen oder nach Hause.
In einigen Städten kam es allerdings zu meist kleineren Rangeleien. Die Polizei nahm bundesweit mehrere Dutzend Streithähne vorläufig fest, es gab einige Leichtverletzte. Mehrfach mußten Beamte Schlägereien verhindern. Italienische Fans feierten unterdessen den 2:0-Halbfinalsieg mit Autokorsos und Hupkonzerten.
Berlin: Die Polizei, die mit rund 6000 Beamten im Einsatz war, vermeldete 45 Festnahmen wegen Drogen, Beleidigung und Körperverletzung. Drei Festgenommene hatten den Hitler-Gruß gezeigt. Obwohl etliche sichtlich frustriert und aggressiv waren, sei die Lage weitgehend ruhig geblieben, sagte ein Sprecher.
Dortmund: Am Spielort kam es direkt nach Abpfiff des dramatischen Spiels zu Handgreiflichkeiten. Knapp 40 Menschen wurden festgesetzt. „Wir mußten ein paar Streithähne beruhigen, die ihren Frust austoben wollten, aber es gab keine organisierten Randale“, sagte ein Sprecher der Polizei.
Aachen: Nach dem WM-Aus hat ein betrunkener Deutscher aus dem Fenster seiner Wohnung mit leeren Bierflaschen auf die Autos feiernder Italiener gezielt - und nicht getroffen. Dann packte er seinen Computer-Bildschirm, ging auf die Straße und warf ihn bei der Annäherung italienischer Fans auf die Fahrbahn. Die Polizei kassierte den Wüterich schließlich ein.
Palma de Mallorca: In den Biergärten in El Arenal und am Strand von Palma hatten Tausende deutsche Fans vor Großleinwänden mitgefiebert. Nach dem Schlußpfiff zogen sich viele Urlauber in ihre Hotels zurück, einige mit Tränen in den Augen, wie die örtliche Presse berichtete. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.
Berlin: Ein Busfahrer wurde von einem Fahrgast mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen, nachdem er geäußert hatte, die deutschen Spieler seien nicht gut genug gewesen. Durch den Schlag verlor der 28 Jahre alte Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug und streifte ein parkendes Auto. Der Täter konnte entkommen, als der Fahrer den Bus stoppte.
Mainz: Sicherheitskräfte mußten kurz vor Mitternacht Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen, um eine Schlägerei zwischen Deutschen und Italienern zu beenden. Drei deutsche Randalierer seien festgenommen worden, berichtete die Polizei.
Speyer: Eine drohende Massenschlägerei zwischen deutschen und italienischen Fans konnte die Polizei verhindern, indem sie die beiden Fanblöcke durch ein massives Aufgebot trennte. Ein 38jähriger Vietnamese, der sich offenbar über den Sieg der Italiener ärgerte, wurde festgenommen. Wie die Polizei berichtete, hatte der Mann die feiernden Fans beleidigt und versucht, sie an einem Autokorso zu hindern.
Stuttgart: 17 Menschen wurden bei Rangeleien vorläufig festgenommen. Ein Flaschenwurf verletzte einen Polizisten am Kopf.
Kaiserslautern: Ein deutscher Fan trat gegen das Auto eines Italieners. Danach schlug er dessen neun Jahre alten Sohn ins Gesicht und flüchtete.
Speyer: Glimpflich verlief der Sturz einer 21jährigen Frau, die wegen der deutschen Niederlage kurz nach Mitternacht die schwarz-rot-goldene Fahne von ihrem Balkon entfernen wollte. Als sie sich über die Brüstung beugte, um die unteren Befestigungsschnüre zu lösen, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Die 21jährige landete nach Polizeiangaben auf der Motorhaube eines unter dem Balkon geparkten Wagens. Während der Wagen erheblich verbeult wurde, erlitt die Frau nur leichte Verletzungen.