07.12.2005 · „Die Welt zu Gast bei Freunden“ heißt das Motto der Fußball-WM in Deutschland 2006, doch wo ist Platz für die vielen Fans? Schließlich wollen nicht alle „Freunde“ die internationalen Gäste bei sich wohnen lassen - zumindest nicht kostenlos. Im Internet eröffnen jetzt die WM-Zimmer-Portale.
Von Simone Kaiser„Die Welt zu Gast bei Freunden“, heißt das Motto der WM in Deutschland 2006 und mit rund 5,5 Millionen zusätzlichen Übernachtungen rechnet derzeit die Deutsche Zentrale für Tourismus. Doch nicht alle „Freunde“ wollen die internationalen Gäste bei sich wohnen lassen. Zumindest nicht kostenlos.
Spätestens wenn an diesem Freitag die Gruppen zu den zwölf Spielstätten ausgelost werden, dürfte der Ansturm der Fans auf Luftmatratzen im Gästezimmer, Jugendherbergen, Pensionen und Hotels beginnen. Während die meisten Luxus-Hotels in Berlin, Hamburg und Frankfurt trotz WM-Zuschlägen für den entsprechenden Zeitraum schon komplett ausgebucht sind, haben sich im Internet zahlreiche Alternativen formiert. Mehrere hundert Portale bieten momentan Wohnraum für die Spielzeit vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 an, darunter sowohl private Angebote, die sich auf Zimmervermittlungen in einzelnen Städten konzentrieren, als auch groß angelegte Kampagnen von Mieter- und Vermieterverbänden sowie Immobilienseiten.
Die Initiative „Übernachten bei Freunden“
(www.immobilienscout24.de) des Portals ImmobilienScout24 ist derzeit wohl der größte Anbieter im Netz. „Ich hoffe, daß wir mit dieser Initiative ein Signal gegen Abzocke im WM-Umfeld setzen können. Gerade für junge Menschen mit dem kleinen Geldbeutel wird es bei der WM 2006 kein geeignetes Zimmerangebot geben. Ihnen möchten wir eine Plattform bieten“, sagt Michael Preetz, Ex-Nationalspieler, WM-Botschafter und Unterstützer der Aktion. Die Vermittlung von Zimmerangeboten ist hier wie bei den meisten Plattformen kostenlos, wer ein Inserat aufgeben will, bezahlt 11 Euro, die der Stiftung Jugendfußball von Nationaltrainer Jürgen Klinsmann zugute kommen sollen.
Die Preise pro Zimmer werden aber natürlich nicht von Immobilienscout24, sondern den Vermietern selbst vorgegeben. Auf der Seite www.host-a-fan.de, „Wohnen bei Freunden“, eines der privat betriebenen Portale, werden Richtpreise für eine Unterkunft pro Person und Nacht zwischen 15 und 40 Euro vorgeschlagen - ob sich die Gastgeber daran halten werden, bleibt abzuwarten. Hier können sich die Vermieter auch ihre Fans selbst aussuchen.
Die Wohnungsvermittlungsagentur HomeCompany hat seit November die Seite www.worldcup-flat.com in online gestellt. Es würden vor allem größere Wohnungen und Häuser nachgefragt, zieht Kristine Grantz, Geschäftsführerin in Hamburg, eine bisherige Bilanz, schließlich komme das immer noch billiger als jedes Hotel. „Der Zulauf ist jetzt schon größer, als wir je gedacht haben“, so Grantz, obwohl bei Worldcup-Flat.com der Kunde eine Vermittlungsgebühr von 20 Prozent zahlen muß. Die meisten Angebote gebe es momentan in Hannover und Hamburg. Aber „der Preis spielt da gar nicht so eine Rolle“, weiß die Anbieterin. Schließlich seien in der Zeit nicht nur Fans, sondern auch viele Berufsreisende unterwegs, die sich rechtzeitig nach Angeboten umschauen müßten.
Mit Sätzen wie „Ein Kinderzimmer bringt während der WM pro Tag bis zu 80 Euro“ lockt www.europe-living.com Vermieter in ihr „Privat-Zimmer-Portal“. Europe Living teilt die angebotenen Zimmer in verschiedene Kategorien: Backpackers, Economy, Business und First Class. Die Vermieter zahlen bei erfolgreicher Vermittlung 10 Prozent pro Tag als Provision.
„Bei vielen herrscht derzeit eine gewisse Goldgräberstimmung“, glaubt Frederick Wencke, Vorstand des Rings Europäischer Mitwohnzentralen e.V. Seine Organisation ( www.mitwohnzentrale.de) hat sich aus dem WM-Wohnungsmarkt bislang bewußt herausgehalten: „Viele unserer Vermieter haben einfach Bauchschmerzen, wenn sie an randalierende Fußballfans denken“, so Wencke, „oder sie haben ihre Objekte aus dem Angebot genommen, um anderswo mehr dafür verlangen zu können.“ Zudem halte er den Zeitpunkt jetzt noch für viel zu früh, um nach Wohnungangeboten für die Weltmeisterschafts-Monate Ausschau zu halten. „Wie immer wird es so richtig erst vier Wochen vorher losgehen.“ Momentan könne man ja auch bei keinem Portal sicher sein, daß das Angebot für kommenden Juni und Juli auch wirklich fix sei, „ich glaube, viele Vermieter und Mieter sind über die Rechtslage in dieser Hinsicht gar nicht aufgeklärt“.
Eine zusätzliche Alternative bei der Zimmersuche ist der schon seit einiger Zeit erfolgreiche und mittlerweile aus der „Geheimtip“-Ecke hervorgetretene Hospitality Club (www.hospitalityclub.org), der auf der ganzen Welt Unterkünfte „bei Freunden“ vermittelt und dessen Ziel es ist, „Menschen zusammenzubringen - Gastgeber und Gäste, Reisende und Einheimische“. Die Mitgliedschaft und auch die zukünftigen Übernachtungen sowie die Vermittlung sind in diesem „Gastfreundschafts-Netzwerk“ kostenlos.