21.06.2006 · Nach dem Sieg gegen Ecuador hat das Fußball-Fieber in Deutschland neue Höhen erreicht. Die Polizei rechnet für das Wochenende mit Rekordbesucherzahlen auf den Fanmeilen, nachdem bereits mehr als zwei Millionen Menschen den Gruppensieg der Klinsmann-Elf gefeiert haben. FAZ.NET-Bildergalerie.
Nach dem 3:0-Sieg der deutschen National-Elf im letzten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador hat das Fußball-Fieber in Deutschland neue Höhen erreicht. Millionen Fans freuen sich nun auf das Achtelfinalspiel gegen Schweden am Samstag in München. Die Polizei rechnet für das Wochenende mit neuen Rekordzahlen auf den Fanmeilen, nachdem bereits am Dienstag mehr als zwei Millionen Menschen den Gruppensieg der deutschen Mannschaft in der Vorrunde gefeiert haben.
Höchste Sicherheitsstufe hat die Polizei für Mittwoch in Leipzig ausgerufen, wo Iran auf Angola trifft. Das letzte WM-Spiel der Iraner soll wieder von Protesten gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und dessen antisemitische Äußerungen begleitet werden. Beim vierten Spiel in der einzigen ostdeutschen WM-Stadt werden 18.000 Fans aus beiden Ländern erwartet. Bis zu 2000 Polizisten werden im Einsatz sein. Weitgehend friedliche Proteste gegen den iranischen Staatschef hatte es zuvor auch in Nürnberg und Frankfurt gegeben.
„Ritterliche Gefühle“
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) hat das Polizeikonzept bei der Fußball-WM gelobt und den erfolgreichen Einsatz weiblicher Beamter hervorgehoben. Polizistinnen wirkten beruhigend und weckten bei Männern „gewisse ritterliche Gefühle“, sagte Beckstein in der N24-Sendung „Arabella Kiesbauer“. Der CSU-Politiker räumte ein, daß es vor der WM Bedenken gegen die öffentlichen Großbildschirme gegeben habe, aber: „Unter Sicherheitsaspekten hatten wir bisher keine ernsthaften Probleme“, meinte er. Zu Ausschreitungen könnte es allerdings nach einem Spiel Deutschlands gegen England oder die Niederlande kommen.
WM-Feste in Deutschland: Neue Rekorde auf den Fanmeilen
Mit Hupkonzerten und Freudentänzen bis spät in die Nacht hatten die Menschen überall in Deutschland den 3:0-Sieg über Ecuador gefeiert. Besonders in Berlin und Hamburg war der Ansturm so stark, daß eine Stunde vor Anpfiff des Spiels im Berliner Olympiastadion zahlreiche Eingänge zu den Fanfesten aus Sicherheitsgründen geschlossen werden mußten. Auf der größten WM-Meile Deutschlands in Berlin auf der „Straße des 17. Juni“ versammelten sich nach Angaben des Senats rund 700.000 Menschen. Damit kamen auf das 2,5 Kilometer lange Feiergelände im Herzen Berlins seit WM-Beginn bereits mehr als 3,5 Millionen Fans. „Das muß man einfach live miterleben“, riefen Freizeitfußballer, die gleich nach ihrer Ankunft vom Berliner Hauptbahnhof aus in Richtung Brandenburger Tor eilten.
Hooligans „planten etwas“
Auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg drängelten sich 70.000 Menschen, laut Veranstalter so viele wie noch nie bei dieser WM, deren offizielle Fanmeilen deutschlandweit bereits rund acht Millionen Besucher angelockt haben. In Kaiserslautern sorgten 160 Künstler aus Trinidad und Tobago in farbenprächtigen Kostümen und mit furioser Trommelmusik in der Innenstadt für pure Karnevalsstimmung. Auch in Hannover feierten die Fußballbegeisterten am Dienstag friedlich und ohne Zwischenfälle.
In Köln, wo sich Schweden und England am Abend 2:2 trennten, feierten nach Angaben der Polizei den ganzen Tag und am Abend die Fans in Gelb und Rot gemeinsam und fröhlich. Die Kölner Polizei nahm in der Nacht 45 deutsche, als Gewalttäter bekannte Hooligans in Gewahrsam. Die Beamten griffen in einer Gaststätte zu, in der sich die Gruppe aufhielt. Es habe Anzeichen gegeben, daß die Männer „etwas planten“.