15.02.2006 · „Il - was?“ - Als die Fifa verkündete, das offizielle Lied der Fußball-WM solle vom Quartett „Il Divo“ gesungen werden, waren nicht nur Fußballfans überrascht. Dahinter steckt eine junge Erfolgsgeschichte nach altem Erfolgsmodell.
Von Fridtjof Küchemann„Il - was?“ - Als die Fifa dieser Tage verkündete, das offizielle Lied der Fußball-WM solle von „Il Divo“ gesungen werden und „Time of our Lives“ heißen, waren nicht nur Fußballfans überrascht. Was und wer steckt dahinter?
Zur Beruhigung: Es geht erstens nur um das Lied. Mit dieser Entscheidung ist nicht gleich die offizielle WM-Hymne in Hände und Kehlen eines auch nach einem „Wetten.daß ..?“-Auftritt hierzulande weitgehend unbekannten Gesangsquartetts gefallen. Die wird, wie es sich gehört, von einer altbekannten hiesigen Stadiongröße gesungen, von Herbert Grönemeyer nämlich, und „Celebrate the Day“ heißen.
Und zweitens singen die jungen Männer eben nicht die alte Schnulze aus einem tränenreichen Tanzfilm der Achtziger, sondern, wie der Fußball-Weltverband mitteilt, ein von Jörgen Eloffson eigens komponiertes Lied, das aufs schönste „im Einklang mit dem WM-Motto 'Die Welt zu Gast bei Freunden'“ stehe und von dem „spezifischen Gefühl, welches von dem Ereignis auf die Menschen ausgeht“, handeln soll.
In aller Welt zusammengesucht
Wie es sich die Musikindustrie immer wünscht, haben „Il Divo“ Erfolgsgeschichte nach einem Erfolgsmodell geschrieben: Schon zur Fußball-WM vor sechzehn Jahren hatten sich die Opernstars Pavarotti, Carreras und Domingo gemeinsam auf die Bühne gestellt, mit Erfolg gesungen und fürderhin unter dem Namen „Die Drei Tenöre“ die Stadien dieser Welt besungen. In ihrem Kielwasser schwammen einige Tenor-Formationen, die entweder ihre Mannschaftsstärke (sie waren mehr als drei) oder schlicht ihre Jugend (sie waren jünger als die Altmeister) im Namen führten.
Vor fünf Jahren suchte einer der großen Plattenkonzerne ein Quartett junger, gutaussehender Sänger zusammen, um mit ihnen opernhaft aufgemotzte Evergreens einzuspielen. Gefunden wurden der amerikanische Tenor David Miller, sein schweizer Kollege Urs Buhler, der spanische Bariton Carlos Martin und, als einziger Autodidakt der Gruppe, Sebastien Izambard aus Frankreich.
Bei ihnen wurde aus „Un-Break My Heart“, jenem Hit von Toni Braxton, italienisch-dramatisch „Regressa A Mi“ und aus Frank Sinatras „My Way“ entsprechend „A Mi Manera“. Auch seinen singulären Namen hat das Quartett aus dem Italienischen: „Divo“ läßt sich als männliche Entsprechung der ungleich bekannteren „Diva“ mit „Star“ übersetzen. Auch hier zeigen die Goldkehlen ihre Fußball-Affinität: Immerhin weiß man nirgendwo besser als auf dem Platz, daß der Star die Mannschaft ist.