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Sönke Wortmanns Fußball-Serie Sieben heißt siegen

02.05.2006 ·  Sönke Wortmann gilt seit dem „Wunder von Bern“ als der Fußballfilmregisseur schlechthin. Bei Sat.1 läuft von heute abend an seine Fußball-Miniserie „Freunde für immer“: ein Leckerbissen für Männer wie für Frauen.

Von Andreas Platthaus
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Kann man verstehen, warum die Leute sich über ein Spiel wie Fußball so aufregen? Die Hälfte der Menschheit versteht es - die männliche. Die andere, gemeinhin als bessere betrachtete Hälfte aber regt sich ebenfalls auf: über die Aufregung der Männer. Aus dieser sich wechselseitig steigernden Erregung entsteht ein Konfliktpotential, das alle anderen Regungen gefährdet. Davon erzählen gleich zwei gelungene deutsche Komödien, die in dieser Woche das Meer des fußballrelevanten Medienangebots um ein Paar hübscher Schaumkronen bereichern - eine davon im Kino, die andere im Fernsehen.

An dieser Stelle der Zeitung wird von Ute Wielands am Donnerstag gestartetem Kinofilm „FC Venus“ erst die Rede sein, wenn er auf den Bildschirm gelangt - was bald zu erwarten ist, denn der Sender Sat.1 hat mitproduziert. Vorher jedoch ist dort von heute an bereits ein Leckerbissen zu besichtigen, der in zunächst sieben dreiviertelstündigen wöchentlichen Häppchen serviert wird: die Miniserie „Freunde für immer“, produziert und teilweise auch persönlich gedreht von Sönke Wortmann.

Die Probleme eines Torwarts

Der gilt seit seinem großen Kinoerfolg mit „Das Wunder von Bern“ als der deutsche Fußballfilmregisseur schlechthin, wozu zwei Dinge besonders beitragen: Wortmanns Kurzkarriere als Zweitligakicker bei Westfalia Herne und seine Berufung zum Hofdokumentaristen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft während der kommenden Weltmeisterschaft. Dieser Kontakt hat bereits Früchte getragen, denn Robert Huth hat einen Gastauftritt in der neuen Serie. Natürlich spielt der eisenharte Verteidiger einen Fußballer - differenziertes Spiel ist seine Sache nicht. Allerdings auch nicht das der anderen Akteure. Wenigstens Wortmann-Kumpel Peter Lohmeyer, der im „Wunder von Bern“ die Hauptrolle spielte, kann in einer Folge als Psychologe erfreulich lustvoll chargieren. Immerhin gilt es, die Probleme eines Torwarts zu lösen. Jeder in Deutschland weiß, was das bedeutet.

Dieser Torwart heißt Carlo, und gemeinsam mit Mark, Luca, Highko, Timo, Peter und Axel bildet er den Kern der Fußballmannschaft „Elf Freunde“, die in der beschaulichen Welt des Rhein-Sieg-Kreises in der dortigen Bunten Liga spielt. Hier treffen Hobbyteams aufeinander, die Namen tragen wie „Inter Lektuell“, „SV Fette Sau“, „Dynamo Tresen“ oder - Höhepunkt für Sport-Aficionados - „Dr. Rainer Klimke auf Ahlerich“.

Sieben Helden, vier Komparsen

Warum Wortmann lediglich sieben der „Elf Freude“ näherer Betrachtung würdigt, können wohl nur die Marketingstrategen von Sat.1 beantworten. Vielleicht überblickt ein einzelner Zuschauer keine größeren Personenkonstellationen. Sieben Filmbelege seien für diese These aufgezählt: „Sieben Zwerge“, „Sieben Diebe“, „Die sieben Samurai“, „Die glorreichen Sieben“, „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“, „Sieben gegen Chicago“, „Die Sieben vom Rhein“. Was hätte die Elf zu bieten? „Ocean's Eleven“, nicht mehr. So zerfallen auch die „Elf Freunde“ in sieben Helden und vier Komparsen, die bestenfalls bei Halbtotalen ins Bild kommen.

Allerdings gibt es noch fünf Frauen. Sie sind das zweite wichtige Element in Wortmanns Serie, und nun muß man doch noch einmal auf Ute Wielands „FC Venus“ zu sprechen kommen. Es ist erstaunlich, wie zahlreich die Parallelen zwischen ihrem Film und „Freunde für immer“ sind. Beide Werke leben weniger von den Fußballszenen - es handelt sich jeweils um mit eher beschränkten spielerischen Mitteln ausgestattete Mann- beziehungsweise Frauschaften -, sosehr Wortmann da auch Zeitlupen und kippende Kameras einsetzt, sondern sie ziehen ihren humoristischen Reiz vor allem aus dem Geschlechterkonflikt. Hier wie da versuchen die Männer, die eigene Fußball-Leidenschaft kleinzureden, hier wie da mißlingt das. Und hier wie da ist schnell zu spüren, daß die Frauen ohnehin die besseren Teamspieler sind. Es gibt auch in beiden Projekten einen schwulen Spieler, es gibt jeweils bärbeißige Trainer und vor allem mitreißende Musik.

Die Einteilung der einzelnen Folgen in jeweils zwei Kapitel läßt vermuten, daß Wortmanns Serie ursprünglich fürs Vorabendprogramm gedacht war. Aber es ist gut, daß „Freunde für immer“ nun später gesendet wird, denn die Mehrzahl der Männer kommt doch erst abends vor die Glotze. Sie sollten allerdings nicht überrascht sein, dort schon ihre Frauen vorzufinden, denn der aufs Privatleben der Protagonisten kaprizierte Blick Wortmanns und seines Koautors und -regisseurs Heinrich Hadding hält auch für diejenige Hälfte der Menschheit, die sich über Fußball nicht aufregen will, einiges an Anregung parat.

Die erste Folge läuft an diesem Dienstag um 22.25 Uhr, alle weiteren jeweils dienstags um 22.15 Uhr auf Sat.1.

Quelle: F.A.Z., 02.05.2006, Nr. 101 / Seite 50
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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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