04.07.2006 · Als Lichtgestalten gelten die Fußballhelden in diesen Tagen. Und tatsächlich: Unsichtbare Lichtwechselwirkungen zwischen Lebewesen sind entscheidend für die gute Stimmung - und damit für den Erfolg, sagt der Ökonom Wolfgang Berger.
Wolfgang Berger ist Philosoph und Ökonom. Bevor er das Business Reframing Institut gründete, lehrte er BWL, unter anderem an der FH Pforzheim. Fragen an ihn zur Harmoniefähigkeit der deutschen Mannschaft und ihren einheitlichen Wellenausschlag.
Herr Berger, mit Ihrer Methode des „Business-Reframing“ wollen Sie Unternehmen dabei helfen, das Potential ihrer Mitarbeiter zu erkennen und auszuschöpfen. Was hat das mit der Nationalmannschaft zu tun?
Letztlich funktionieren doch alle sozialen Systeme nach dem gleichen Muster: Erfolgreich ist, wer eine Vision hat und sie anderen vermitteln kann. Henry Ford wollte ein Auto bauen, daß seine Arbeiter sich leisten können - und er hat es geschafft! Und Jürgen Klinsmann hat erreicht, das Team auf das große Ziel, das Finale, einzuschwören. So gesehen ist er ein genialer Unternehmer.
Aber das wird doch nicht alles gewesen sein, oder?
Nein, aber die Vision stand am Anfang. Das gesamte Team hat sich mit dieser Idee identifiziert und war bereit, sich ihr unterzuordnen. Kahn hat sich sogar auf die Ersatzbank gesetzt. Denn jeder Mensch hat das Bedürfnis, an etwas Großem mitzuarbeiten. Darüber hinaus hat Klinsmann es geschafft, das Potential eines jeden Spielers freizulegen und es dem Spieler selbst und seinen Teamkollegen zu vermitteln. Der Glaube an das gemeinsame Ziel und der Wille des einzelnen, an seine Grenzen zu gehen, macht dieses Team stark.
Das hört sich aber ein bißchen esoterisch an ...
Man kann es aber wissenschaftlich beweisen! Der Physiker Fritz Albert Popp hat gezeigt, daß die Bausteine in jedem biologischen System über Lichtwechselwirkung miteinander verbunden sind. Die Wechselwirkungen gehen von Lichtteilchen aus, die er Photonen nennt. Jeder lebende Organismus ist ein Sensor, der elektromagnetische Wellen empfängt und aussendet, ihnen Widerstand entgegensetzt oder sie verstärkt. Die Gleichartigkeit und Harmonie des von Lebewesen ausgesandten Lichts gilt als Maßstab für ihre Vitalität. Eine chaotische Struktur der Strahlung ist hingegen ein Indiz für Krankheit.
Und die deutsche Nationalmannschaft schwingt einheitlich?
Ja, denn was für das Individuum gilt, gilt auch für einen sozialen Organismus wie eine Fußballmannschaft. Wenn ihre Wellen in eine gemeinsame Richtung strahlen, haben sie Kraft und Erfolg. Klinsmann hat also nichts anderes gemacht, als die Wellen der Spieler einheitlich auf Erfolg auszurichten.
Warum haben die Brasilianer versagt?
Mißerfolg ist eine Folge der Disharmonie dieser Schwingungen. Es wird praktisch Schwingungssalat produziert.
Welche Rolle spielen Strategie und Taktik?
Das ist nebensächlich. Die Überzeugungen der einzelnen Spieler sind für den Erfolg verantwortlich. Eine Strategie ist immer dann richtig, wenn diejenigen, die sie umsetzen sollen, an sie glauben. Das Wichtigste in unserer Nationalmannschaft sind nicht Fitnesswerte und taktische Ausrichtung, sondern was die Spieler über sich selbst und die Mannschaft denken.
Und welche Rolle spielt das Publikum?
Die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit hat die Schwingungen des Teams noch verstärkt. Das Spiel der Mannschaft war die Initialzündung. Sie hat die Fans emotional aufgeladen. Durch die Begeisterung der deutschen Fans wirkt diese Energie als Resonanzverstärker auf die Mannschaft zurück und gibt ihr zusätzlich Energie.
Aber nicht alle waren von Anfang an begeistert. Zu Beginn gab es doch viel Kritik und Häme.
Es müssen auch gar nicht alle enthusiastisch sein. Es reicht, wenn sieben Prozent von etwas überzeugt sind und die anderen mitreißen. Auch das läßt sich aus der Physik ableiten. Bei einem Laserstrahl zum Beispiel steuern auch nur sieben Prozent der Photonen das Ziel an. Die anderen Photonen sind Herdentierchen, die mitlaufen. Und genauso funktionieren soziale Phänomene.