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Ladenschluß während der WM Einzelhandel hofft auf steigende Kauflaune

12.06.2006 ·  Der Einzelhandelsverband dämpft allzu große Hoffnungen auf wirtschaftliche Auswirkungen der längeren Ladenöffnungszeiten zur WM. Die Bilanz des ersten Wochenendes ist - auch wegen des Sommerwetters - durchwachsen.

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Die langen Ladenöffnungszeiten und der verkaufsoffene Sonntag am ersten WM-Wochenende haben keinen Massenansturm auf die Geschäfte ausgelöst. Vor allem das gute Sommerwetter lockte die Verbraucher eher ins Freibad als in die Innenstädte.

Der Warenhauskonzern Karstadt-Quelle erteilte dem Wochenende lediglich die Note „befriedigend“. Sehr zufrieden zeigte sich dagegen der Textilhändler C&A. Insgesamt rechnet der Handel damit, die erhofften zusätzlichen Mehreinnahmen beim Umsatz während der WM auch zu erzielen.

„Das Geschäft war so, daß es sich lohnt, die Häuser aufzumachen. Aber die Neigung zu einem Einkaufsbummel ist bei gutem Wetter natürlich nicht so ausgeprägt“, sagte der Sprecher von Deutschlands größtem Warenhauskonzern Karstadt-Quelle, Jörg Howe. Deutlich zufriedener zeigte er sich mit dem Geschäft in den 300 Karstadt-Fan-Stores in den Warenhäusern, aber auch in den zwölf WM-Stadien und bei den größten Fan-Festen. „Das läuft sensationell gut“, sage Howe. Absoluter Bestseller sei das weiße Trikot der deutschen Nationalmannschaft. „Von denen verkaufen wir so viel, wie von allen anderen 31 Nationen zusammen.“

„Wirtschaftlich hat es sich nicht gerechnet“

Der Einzelhandel am WM-Spielort Nürnberg zeigte sich am Montag unzufrieden. „Wirtschaftlich hat es sich nicht gerechnet“, sagte Geschäftsführer Uwe H. Werner vom mittelfränkischen Einzelhandelsverband. Die Stadt sei zwar voll mit Menschen gewesen, aber nur wenige hätten wirklich etwas gekauft.

Andere Erfahrungen machten Hamburger Händler. „Insgesamt ist es ganz gut gelaufen“, sagte der Sprecher des Einzelhandelverbands, Ulf Kalkmann. Die Umsätze seien zufrieden stellend gewesen. „Aber es hätte auch noch besser sein können.“ Die längeren Öffnungszeiten seien wohl noch nicht bekannt genug.

49 Euro zusätzlich je Einwohner

Auch der Umsatz der Geschäfte in Frankfurt/Main, Berlin oder Leipzig wurde zunächst kaum beflügelt. In Stuttgart waren am verkaufsoffenen Sonntag Passagen und Warenhäuser richtig voll. In Hannover war der Verkauf „zufriedenstellend“. In Leipzig blieb der große Umsatz trotz vieler Besucher aus. Für Berlin errechnete die Deutsche Bank, daß die Hauptstädter während der Fußball-WM zusätzlich rund 147 Millionen Euro ausgeben dürften. Je Einwohner würden durchschnittlich 49 Euro zusätzlich für Getränke, Essen oder Fanartikel ausgeben.

„Sehr zufrieden“ mit dem verkaufsoffenen Sonntag zeigte sich die Textilhandelskette C&A. „Besonders die sommerlichen Artikel wie T-Shirts und Blusen wurden gekauft“, sagte Sprecher Knut Brüggemann. Alles in allem zufrieden zeigte man sich auch bei Kaufhof. Der für die zwölf Kaufhof-Filialen in Düsseldorf und Umgebung zuständige Regionalgeschäftsführer Andreas Weuster sagte, das warme Wetter habe zwar die Zahl der Kauflustigen begrenzt. Doch habe die Nachfrage insgesamt den Erwartungen entsprochen. „Was besonders gut ging, waren WM-Artikel.“

Die Ankündigung der Meteorologen, daß es ab Mitte der Woche etwas kälter werde, mache ihn außerdem zuversichtlich, daß am kommenden Fronleichnamstag und am nächsten Sonntag noch mehr Verbraucher die zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten nutzen würden, sagte Weuster.

Einkauf am Abend zwischen den Spielen

Der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels Hubertus Pellengahr erklärte, zwar sei es noch zu früh für eine erste Bilanz, es brauche mindestens eine Woche bis sich die Kunden auf die veränderten Öffnungszeiten eingestellt hätten. Aber „die zwei Milliarden zusätzlichen Umsatz werden wir bekommen“, betonte er.

Die Fußballfans nutzen die längeren Ladenöffnungszeiten laut Pellengahr vor allem am Abend in den Zeiten zwischen den Spielen, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Über gestiegene Umsätze konnten sich den Angaben zufolge auch die Anbieter von kleinen Elektronikprodukten freuen. Viele Verbraucher, die die Spiele nicht schauen wollten, zog es angesichts des Sommerwetters allerdings eher ins Freibad als in die Geschäfte, wie Pellengahr berichtete.

Zugleich dämpfte er allzu große Hoffnungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der längeren Ladenöffnungszeiten zur WM. Es handele sich dabei vor allem um einen Service für die Kunden. Der erwartete Zusatzumsatz sei relativ unabhängig davon, ob die längeren Öffnungszeiten ein Erfolg würden. „Eins ist aber jetzt schon klar, wir brauchen an Werktagen keine gesetzliche Regelung der Ladenöffnungszeiten, das entscheidet der Markt schon allein“, betonte der Sprecher.

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