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Interview „Das sind Kriminelle - aber es ist viel Frust im Spiel"

04.04.2006 ·  DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über das Erbe der DDR und die Versäumnisse des Verbandes im Kampf gegen die Hooligans.

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DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über das Erbe der DDR und die Versäumnisse des Verbandes im Kampf gegen die Hooligans.

Wie ernst ist aus Ihrer Sicht die Hooligan-Problematik im Osten?

Das macht mir große Sorge. Für mich sind das Kriminelle, die den Fußball kaputtmachen wollen und den Osten generell in Verruf bringen.

Welche Gründe sehen Sie dafür, daß in den neuen Bundesländern die Gewaltbereitschaft beim Fußball so groß ist?

Da ist viel Frust im Spiel. Auch weil die Menschen keine Arbeit haben und ihre Aggressionen beim Fußball abbauen.

Haben Sie dafür Verständnis?

Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung. Aber Erklärungen. Es ist auch so, daß sich viele im Fußball als Wendeopfer sehen. Ein Beispiel: Mein Heimatverein 1. FC Magdeburg ist sportlich nie abgestiegen, aber doch nur noch viertklassig. Der Verein wurde mehrmals Opfer von Strukturreformen, der Zusammenlegung von Spielklassen. Ähnlich erging es dem Berliner FC Dynamo, der einst Rekordmeister war und dessen Fans nun unter der Bedeutungslosigkeit leiden. Da sprechen viele im Osten von Benachteiligung. Auch weil es keine Westklubs gibt, die ähnlich herabgestuft wurden.

Viele Gewalttäter leben sich in der Oberliga oder in noch tieferen Klassen aus.

In diesen Ligen haben sie eine unglaubliche Konzentration von Traditionsvereinen, die aus DDR-Tagen verfeindet sind. Die besten Spieler wurden zu bestimmten Vereinen delegiert, die anderen Klubs bekamen den Rest. Ich hätte gedacht, das wächst sich irgendwann aus - aber diese Aversionen werden über Generationen vererbt.

Dennoch reagiert der DFB nicht. Bundesligavereine, die ohnehin schon im Geld schwimmen, bekommen Zuschüsse in sechsstelliger Höhe für Fanprojekte - Klubs ab der vierten Liga gehen gänzlich leer aus.

Darüber habe ich mit Theo Zwanziger dieser Tage gesprochen. Das geht so nicht weiter. Wir müssen das Geld nicht schematisch verteilen, sondern nach unten geben - je nach Brennpunkt. In Leipzig oder Halle muß die Arbeit mit den Fans finanziell viel stärker gefördert werden. Der DFB muß auch die Leute vor Ort, die mit den Fans zu tun haben, schulen. Auch die Regelung, wonach nur bis zur dritten Liga Stadionverbote vergeben werden, ist von der Aktualität überholt. In der Oberliga müssen Gewalttäter ausgegrenzt werden. Aber da stellen sich dann noch andere Probleme.

Welche?

Wenn Sie, wie im Westen, fast nur noch Sitzplatz-Arenen haben und in fast jeder Ecke eine Videokamera, sind die gefährlichen Gruppen besser zu kontrollieren als in den alten Stadien im Osten. Außerdem mischen sich in der Oberliga Dorfklubs und große Vereine. Wenn Sachsen Leipzig oder Union Berlin auswärts mit 2000 Fans auftauchen, überfordert das viele Vereine.

Wie groß ist die Gefahr durch Hooligans für die WM?

Für mich ist es keine Gefahr, die nur aus dem Osten Deutschlands kommt. Hooligans gibt es doch international. Es wird wichtig sein, auch bei diesem Großereignis die echten Fans zu mobilisieren und zu sensibilisieren: Wenn kleine Gruppen die Spiele stören wollen, muß die Masse dies verhindern. Ich setze auf den wachsamen Nachbarn im und um das Stadion.

Das Gespräch führte Matthias Wolf.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 02.04.2006, Nr. 13 / Seite 17
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