22.03.2006 · Private Wachfirmen erleben durch die Fußball-WM einen wahren Auftragsboom. Aus Angst vor Hooligans oder Terroranschlägen engagieren viele Betreiber Risk-Management-Firmen, die für einen geordneten Ablauf des Großereignisses sorgen sollen.
Hunderte Hooligans könnten nach einer Niederlage ihrer Mannschaft ein Einkaufszentrum verwüsten. Ein islamistischer Extremist könnte in eine Hotel-Lobby eindringen und sich in die Luft sprengen. Die Unternehmen in Deutschland denken bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer nicht nur an sprudelnde
Einnahmen, sondern auch an drohende Gefahren. Kaufhäuser, Hotelketten, Flughäfen und Stadionbetreiber verlassen sich dabei nicht nur auf staatliche Stellen und Polizei. Private Wachfirmen erleben einen Auftragsboom. Und sogenannte Risk-Management-Firmen, die Unternehmen maßgeschneiderte Konzepte
für den Rundumschutz bieten, sind gefragt wie selten zuvor.
„Jede Firma muß ihre Sicherheitslage selbst einschätzen“, sagt Berthold Stoppelkamp, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft. Für viele seien Standard-Vorkehrungen und Konzepte der Behörden ausreichend. Gedanken zur WM-Sicherheit müsse sich aber etwa die Deutsche Bahn machen, mit der Millionen Fans durch die Republik reisen. Hotels und Flughäfen seien ebenso betroffen wie Veranstalter von Übertragungen auf Großbildleinwänden. „Wenn irgendein Verrückter mit einer Bombe zu der Leinwand am Potsdamer Platz in Berlin kommt, ist das natürlich ein Fiasko“, sagt Stoppelkamp.
Bis zu 10.000 Beschäftigte mehr
Die meisten Unternehmen verfügen über eigene Sicherheitsabteilungen. Viele von ihnen greifen zusätzlich auf Risk-Management-Firmen zurück. Diese arbeiten wie klassische Unternehmensberater - nur sollen sie das Unternehmen nicht wirtschaftlicher, sondern sicherer machen. Risk-Manager sprechen mit dem jeweiligen Management durch, was getan werden kann, um Mitarbeiter, Kunden und Gebäude zu schützen. Die Methoden beginnen bei der Aufstellung von Stahlpfählen vor dem Eingang und Chip-Karten für Hotel-Aufzüge bis zu ausgeklügelten Rundum-Schutz-Strategien.
Oft ist zusätzliches Sicherheitspersonal ein Bestandteil des Schutzkonzepts. Für die Branche der privaten Wachdienste bedeutet die Fußball-WM deshalb einen Boom. Bis zu 10.000 zusätzliche Beschäftigte werden bei der WM zum Einsatz kommen, rechnet der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen.
Die Polizei will sich, so lange alles ruhig bleibt, im Hintergrund halten, das ist Philosophie der WM-Organisatoren. Die privaten Firmen werden deshalb Stadien, Mannschaftsquartiere und Großbildleinwände in der gesamten Republik schützen. Sie begleiten die Ehrengäste von Sponsoren als Bodyguards in die Stadien. Sie sollen Hotels und Flughäfen sollen überwachen.