14.05.2006 · Einen Monat vor der Fußball-WM ist es in Berlin, Basel und Warschau zu schweren Krawallen von Hooligans bei Fußballspielen gekommen. Der Berliner Polizei unterlief anscheinend eine folgenschwere Sicherheitspanne.
Die Furcht vor Krawallen während der Fußball-WM steigt wieder. In Berlin, Basel und Warschau ist es knapp vier Wochen vor der Weltmeisterschaft zu schweren Ausschreitungen bei Fußballspielen gekommen.
Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen konnten am Samstag 1000 Polizisten und 200 Ordnungskräfte gewalttätige Aktionen von Hooligans beim Berliner Oberliga-Klassiker zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Union nicht verhindern.
Schiedsrichter Thomas Gerber (Chemnitz) sah sich veranlaßt, die nach 77 Minuten abgebrochene Partie der NOFV-Oberliga Nordost nicht mehr fortzusetzen. „Das sind die Bilder, die wir im WM-Jahr nicht brauchen“, kommentierte Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) die Jagd- und Prügelszenen im Sportforum Hohenschönhausen. 6471 Zuschauer waren im Stadion, 600 von ihnen sollen gewaltbereite Anhänger gewesen sein.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Sogenannte Fans des ehemaligen DDR-Serienmeisters BFC Dynamo, in dessen Dunstkreis sich seit Jahren eine große Gruppe von Hooligans sammelt, waren beim Spielstand von 1:1 auf das Spielfeld gestürmt und hatten die etwa 800 Union-Anhänger bedroht. Die BFC-Ordner konnten die Randalierer nicht im Zaum halten.
Außerhalb des Stadions postierte Polizeikräfte griffen ein. 33 Zuschauer wurden festgenommen, fünf Personen verletzt, darunter ein Polizist und ein Ordner. Man habe die Brisanz des Spiels jedenfalls nicht unterschätzt, sagte ein Polizeisprecher.
Wasserwerfer und Tränengas in Basel
BFC-Präsident Mario Weinkauf warf der Polizei dagegen „totales Versagen“ vor. „Mir wird angst und bange, wenn ich an die Weltmeisterschaft denke“, sagte er in der RBB-„Abendschau“. Allerdings gestand er auch das Versagen des eigenen Ordnungsdienstes ein.
Die Polizei gab dem gastgebenden Verein und dem Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) als Verantwortlichen der Oberliga die Schuld an der schweren Sicherheitspanne in der WM-Endspielstadt. Sie wies darauf hin, daß für die Sicherheit im Stadion der gastgebende Verein mit seinem Ordnungsdienst zuständig sei. Die Polizei greife erst ein, wenn die Lage außer Kontrolle zu geraten drohe.
Nach dem Abpfiff des Meisterschaftsspiels zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich lösten Samstag abend Fußball-Fans vor dem Stadion in Basel schwere Krawalle aus. Die Polizei mußte nach Basels 1:2-Niederlage, durch die sich der FC Zürich doch noch den Meistertitel vor dem punktgleichen FCB sicherte, Wasserwerfer und Tränengas einsetzen.
200 Festnahmen in Warschau
Nach Polizeiangaben vom Sonntag wurden mehr als 100 Personen verletzt, darunter vier Polizisten. Schwerverletzte habe es glücklicherweise keine gegeben, sagte der Polizeichef von Basel, Roberto Zalunardo.
Die Krawalle rund ums Stadion, die schon beim Siegestreffer des FCZ in der 93. Minute des Spiels begannen, zogen sich laut Zalunardo bis gegen Mitternacht hin. Weil die Polizei Gummischrot und Tränengas einsetzte, wurden auch Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen.
Polnische Hooligans haben durch schwere Krawalle in Warschau weitere Ängste geschürt, daß sie auch während des Turniers in Deutschland Ausschreitungen anzetteln könnten. Die Polizei nahm in der Nacht zum Sonntag mehr als 200 Krawallmacher fest, die in Anschluß an eine Erstligapartie randalierend durch die Warschauer Altstadt zogen. Polen ist einer der drei WM-Gruppengegner Deutschlands.
WM in Deutschland - "Worst-Case-Szenario" ausarbeiten?
Fionn Huber (fionn)
- 15.05.2006, 11:43 Uhr