08.05.2006 · Der interkulturelle Dialog ist am Sonnabend in Berlin ein gutes Stück vorangekommen: Bei einem Freundschaftsspiel traten Pfarrer gegen Imame an. Ungefähr 14 Tore fielen im Namen der Integration - genau gezählt hat keiner.
Von Sascha LehnartzDer interkulturelle Dialog ist am Sonnabend in Berlin-Wilmersdorf ein gutes Stück vorangekommen. Auf dem Kunstrasenplatz der Friedrich-Ebert-Oberschule traten erstmals Pfarrer gegen Imame in einem Fußballspiel an. Die Pfarrer gewannen unchristlich hoch, mit ungefähr 13:1 (ganz genau zählte gegen Ende der Partie niemand mehr mit).
Die Mannschaft der Imame gewann besonders durch ihr barmherziges Abwehrverhalten die Zuneigung einiger hundert Zuschauer. Der guten Stimmung tat das einseitige Ergebnis keinen Abbruch. Bereits in der Halbzeitpause hatte der Spielführer der Imame, Imam Taha von der Neuköllner Al-Nur-Moschee, durchblicken lassen, daß seine Mannschaft nicht auf Sieg spiele: „Falls wir noch gewinnen, verschenken wir den Pokal an unsere Gegner“, hatte Taha beim Halbzeitstand von 1:6 angekündigt.
Die in Blau-Gelb spielenden Pfarrer dagegen wichen bis zum Schlußpfiff nicht von ihrer offensiven Marschroute ab. Ziel ihrer Mission war es, „die 0:6-Scharte auszuwetzen, die eine Mannschaft anglikanischer Pfarrer vor einigen Wochen in England gegen ein Team britischer Imame hat hinnehmen müssen“, sagte der Kinder- und Jugendpfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister in der Halbzeitpause. Folgner-Buchheister selbst hatte den Torsegen in der 3. Spielminute mit einem satten Linksschuß eröffnet.
Vielleicht einmal die Kanzeln tauschen
Von dem Match in England hatte der anglikanische Pfarrer Christopher Jage-Bowler von der Berliner St.-George-Gemeinde gehört und die Idee nach Berlin importiert. Gemeinsam mit der britischen Botschaft und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg veranstaltete der Ökumenische Rat dann den ersten interkonfessionellen Kick zwischen Geistlichen im Rahmen der Konferenz „Football for all: Sport against racism“, die am Wochenende in Berlin stattfand.
Die hohe Niederlage der Imame erklärt sich im übrigen durch personelle Engpässe - einige Leistungsträger konnten nicht mitkicken, da sie bei einer europäischen Islamkonferenz in Frankreich weilten. Kurz vor Anpfiff durfte daher der eher zufällig anwesende Hotelangestellte Tarek Bechara die Reihen der Imame auffüllen. Außerdem räumte Imam Taha einen gewissen Trainingsrückstand seiner Mannschaft ein. Die Pfarrer wirkten in der Tat eingespielter. Möglicherweise können die Imame den Rückstand jedoch bis zum nächsten Aufeinandertreffen aufholen: Von den Siegern erhielten sie als Trostpreis einen vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, signierten Ball, mit dem sie künftig trainieren können.
Am Spielfeldrand freute sich Martin-Michael Passauer, Generalsuperintendent des Sprengels Berlin der evangelischen Kirche, über den toleranzfördernden Kick: In einer Zeit, in der Menschen gegen den geplanten Bau einer Moschee in Berlin demonstrierten, sei das Spiel ein schönes Symbol, das auch ein freundlicherer Umgang miteinander möglich sei. Man plane, die bestehenden Kontakte auszubauen, so Passauer, und denke auch darüber nach, demnächst einmal die Kanzeln miteinander zu tauschen.