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Antarktis „Wir spielen das Finale am Kickertisch nach“

08.06.2006 ·  Das WM-Fieber hat auch die abgelegensten Flecken dieser Erde erreicht. Bei minus 30 Grad Celsius stimmen sich in der Antarktis die Forscher der Station Neumayer des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung für das Finale ein.

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Auch die Antarktis ist im WM-Fieber: Bei minus 30 Grad Celsius stimmen sich die neun Forscher auf der Station Neumayer des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung für das Finale ein - notfalls auch ohne Live-Übertragung.

Guten Tag, Herr Buhl, Sie sind der Elektriker der Station Neumayer des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis und fiebern bestimmt schon dem ersten Spiel der Weltmeisterschaft entgegen.

Naja, so schlimm wie in Deutschland wird's bei uns im Eis und bei minus 30 Grad Celsius nicht sein. Wir sitzen ja zwölf Meter tief unter der Oberfläche. Ich muß gleich raus und Schnee fürs Trinkwasser schippen.

Wie lange sind Sie schon in der Antarktis?

Seit dem 27. November.

Waren Sie zwischendurch mal in Deutschland?

Nein, wir bleiben fünfzehn Monate komplett hier. Die Rückreise ist für Mitte Februar 2007 geplant.

Eine lange Zeit!

Ja. Wir sind neun lange Monate ganz auf uns allein gestellt. Der nächste Gast kommt erst wieder im Oktober. Zu meiner Frau und meinen drei Kindern habe ich nur Kontakt übers Internet.

Und wenn Sie mal krank werden?

Wir haben eine Ärztin dabei und einen eigenen Operationssaal.

Wie viele Personen sind in der Station?

Neun - fünf Frauen und vier Männer.

Und Sie haben wirklich keinen Fernseher?

Nein. Auch Radio gibt es nur bedingt.

Sie haben also keine Möglichkeit, die WM zu sehen?

Nein, überhaupt nicht.

Auch nicht übers Internet?

Die Bandbreite ist zu klein. Sie reicht selbst fürs Radiohören nicht ganz aus, so daß wir immer wieder Unterbrechungen haben - hoffentlich nicht gerade, wenn ein Tor fällt. Die wissenschaftlichen Daten gehen nun mal vor, für uns fällt nur der Rest in der Leitung ab. Und wenn die ausgelastet ist, dann findet die WM für uns nicht statt. Da haben wir einfach Pech gehabt.

Und da kann man keine Ausnahme machen?

(lacht) Wir sind ja hier nicht zum Vergnügen.

Sie sind aber Fußballfan?

Ja, eigentlich schon. Darum werden wir auch nach Feierabend in der Werkstatt einen Laptop mit meiner Stereoanlage verbinden und online die Spiele verfolgen. Und damit wir uns das besser vorstellen können, spielen wir das Ganze an unserem Kickertisch nach.

Haben Sie beim Radiohören keine Zeitverzögerung?

Nein, wir sind zwar zwei Stunden zurück, aber die Nachrichten hören wir trotzdem pünktlich zur vollen Stunde.

Dann wissen Sie also schon, daß Michael Ballack gegen Costa Rica nicht spielen kann?

Nee, das höre ich zum ersten Mal. Was hat der denn?

Eine Verhärtung in der Wade.

Aha.

Und Podolski spielt jetzt für Bayern München.

Das weiß ich schon. Ich finde Dortmund aber besser als Bayern. Und St. Pauli ist auch eine witzige Mannschaft.

Aber nicht so richtig gut.

Die spielen zwar nicht in der ersten Liga, aber da ist immer Stimmung im Stadion. Eine Kollegin hier ist ganz großer St.-Pauli-Fan.

Und die interessiert sich bestimmt auch für die WM?

Klar.

Was wäre denn, wenn Deutschland ins Finale käme? Kann Ihnen dann noch jemand einen Fernseher vorbeibringen?

Nee, wir sind 6000 Kilometer von Südafrika weg. Da kommt kein Flugzeug und kein Schiff mal eben vorbei. Wir verfolgen das Finale aber natürlich an unserem Radio. Und wenn's geht, ist es gut. Wenn's nicht geht, dann hören wir eben einfach ein bißchen Musik.

Das Gespräch führte Peter-Philipp Schmitt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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