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WM-Kommentar Reifeprüfung bestanden

24.06.2006 ·  Die deutsche Nationalelf hat ihre Reifeprüfung mit dem ersten K.o.-Spiel in zeitweilig atemberaubender Weise bestanden. Aber auch am Tag ihres Triumphes wurden ihre Schwächen immer wieder sichtbar. Ein Kommentar von Michael Horeni.

Von Michael Horeni, Berlin
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Deutschland feiert seine Nationalmannschaft, die WM-Party kann weitergehen. Die Signale, die der 2:0-Sieg von Jürgens Klinsmanns Team gegen Schweden aussendete, könnte besser für die Weltmeisterschaft und seine Gastgeber kaum sein.

Die Mannschaft hat ihre Reifeprüfung mit dem ersten K.o.-Spiel bei der Endrunde in zeitweilig atemberaubender Weise bestanden. In der ersten Viertelstunde entluden sich all die deutschen Hoffnungen auf eine auch sportlich grandiose Weltmeisterschaft in einer Weise, wie sie der deutsche Fußball bei einem großen Turnier lange nicht mehr erlebte.

Die Mischung aus gereifter internationaler Spitzenklasse, die Miroslav Klose wie sonst niemand an diesem Tag verkörperte und ein als Ganzes von Leidenschaft beseeltes Team zeigte in ihren besten Momenten, daß ihr bei diesem Turnier keine Grenzen mehr gesetzt sein müssen. In diesem perfekten Umfeld gelang Lukas Podolski so etwas, was man eine sportliche Explosion nennen kann. Seine zwei Treffer im Blitztempo bedeuteten den Hauptgewinn an einem Tag, an dem sich die unter Klinsmann erworbenen deutschen Stärken wie vielleicht noch nie verdichteten.

Keine ruhige Minute für die Fans

Aber es paßte zu dieser von Begeisterung und Willen getragenen Mannschaft, daß ihre Schwächen auch am Tag ihres größten Triumphes immer wieder sichtbar wurden. Trotz zwei Toren Vorsprungs und einem Spieler Überzahl nach rund einer halben Stunde gestatteten die Deutschen ihren Fans keine ruhige Minute. Eine erfahrene Mannschaft wie Argentinien, die vermutlich im Viertelfinale auf die Deutschen wartet, hätte ihre Freude an einer solchen Konstellation gehabt.

Selbst nach dem verschossenen Elfmeter der Schweden strahlte das Team lange keine defensive Sicherheit aus; in der Offensive imponierte die Mannschaft aber wie seit endlosen Zeiten nicht mehr. Einen Vorsprung wie so viele Generationen vor ihnen sicher verwalten, das können die Draufgänger des Jahrgangs 06 eben noch nicht - aber das muß ja nicht die schlechteste Nachricht in einem Fußball-Land sein, das jetzt von der Eroberung des WM-Titels träumt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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