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Tumulte nach Elfmeterschießen „Frings mit großer Wahrscheinlichkeit aktiv involviert“

03.07.2006 ·  Die Fifa eröffnet doch ein Disziplinarverfahren gegen Torsten Frings wegen der Tumulte nach dem WM-Spiel gegen Argentinien. „Frings war mit großer Wahrscheinlichkeit aktiv involviert“, sagte Fifa-Mediendirektor Siegler. „Frings hat mich nicht getroffen“ erklärte dagegen der Argentinier Julio Cruz.

Von Michael Horeni
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Die Gerüchte verdichteten sich am Sonntag nachmittag immer mehr. Aber es waren zunächst nur Gerüchte. Die ersten Meldungen, wonach Torsten Frings bei dem wilden Handgemenge nach dem Ende des Elfmeterschießens gegen Argentinien selbst aktiv geworden sein sollte, waren über Italien ins Quartier der Nationalelf gedrungen. Aber der Internationale Fußball-Verband (Fifa), der am Mittag seine Untersuchungen schon für beendet erklärt hatte und verkündete, gegen deutsche Spieler kein Verfahren einzuleiten, meldete sich nicht beim DFB. Das sorgte für Beruhigung.

Selbst am frühen Abend gab sich die Delegation der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Schloßhotel Grunewald noch gelassen. Keine Nachfragen der Fifa, keine Sorgen beim DFB. Um 19.23 Uhr aber war es mit der Ruhe bei den Deutschen vor dem Halbfinale am Dienstag gegen Italien vorbei. Die Fifa schickte dem deutschen Verband die Aufforderung, bis um zehn Uhr an diesem Montag eine Stellungnahme zu den Vorwürfen im „Fall Frings“ abzugeben. Der Krisenfall, ein Disziplinarverfahren, war da.

Entscheidung am Montag Nachmittag

Dem überragenden Spieler des Viertelfinals gegen Argentinien droht nun eine Sperre für das Halbfinale. „Nach Ansicht neuer Fernsehbilder hat die Disziplinarkommission der Fifa festgestellt, daß Frings mit großer Wahrscheinlichkeit aktiv involviert war“, sagte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler am Sonntag abend. Eine Entscheidung soll am Montagnachmittag fallen.

Der DFB reagierte umgehend und beantragte zunächst eine Fristverlängerung bis um 13 Uhr, die von der Fifa auch akzeptiert wurde. Dann setzten sich Manager Oliver Bierhoff und seine Helfer aus der Mediendirektion zusammen, um an einer Stellungnahme zu arbeiten, die geeignet sein soll, die Vorwürfe zu entkräften, die Frings einer Tätlichkeit beschuldigen. DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sollte noch am Sonntag abend offiziell die Interessen des deutschen Verbandes wahrnehmen.

Fernsehbilder in Italien aufgetaucht

Die Fernsehbilder waren am Wochenende in Italien aufgetaucht, und sie zeigen, wie Frings linke Hand im Gesicht von Cruz landete, ohne aber eine große Wirkung bei dem argentinischen Spieler zu lassen. In einer Mitteilung verteidigte sich der Bremer Mittelfeldspieler: „Ich habe mich in einem Pulk befunden, in dem alle wild um sich geschlagen haben. Ich habe selber zwei Schläge abbekommen. Da habe ich zu meinem Schutz die Hände nach vorne gestreckt, mehr war nicht.“ Der DFB lehnte eine inhaltliche Stellungnahme am Abend ab. Gegenüber der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“ soll Cruz gesagt haben: „Frings hat mich nicht getroffen.“

Allerdings war aus DFB-Kreisen zu hören, daß die Verteidigungsstrategie vor allem auf das Verursacherprinzip und auf den notwendigen Selbstschutz von Frings abstellen wird. Die Fifa selbst hatte am Sonntag morgen noch mitgeteilt, daß es für die deutschen Nationalspieler kein Nachspiel nach den häßlichen Szenen geben werde. Allerdings wollte die Disziplinarkommission untersuchen, ob sich womöglich Manager Bierhoff bei seinem Eingreifen auf dem Platz eines Fehlverhaltens schuldig gemacht haben könnte. „Es wird eine Betrachtung des Verhaltens deutscher Offizieller geben“, hatte Siegler im Laufe des Tages dazu gesagt - wobei allerdings Fifa-Präsident Joseph Blatter den deutschen Manager nicht nur in Schutz nahm, sondern ausdrücklich für seinen Einsatz lobte: „Er wollte die Spieler trennen. Dafür sollte er einen Fair-Play-Preis erhalten.“

DFB hofft auf mildernde Umstände

Nach eigenen Angaben bekam Bierhoff Kratzer an den Beinen ab. „Ich wollte schlichten und danach hatten sie es auf mich abgesehen“, sagte der frühere Profi vom AC Mailand, der bei der wüsten Auseinandersetzung selbst seine ehemaligen Kameraden aus gemeinsamen Zeiten wie Roberto Ayala nicht beruhigen konnte. Das eigentliche Opfer des Eklats war allerdings der Hannoveraner Per Mertesacker, der von einem üblen Tritt Cufres in den Unterleib niedergestreckt wurde.

Mertesacker zog sich bei der Attacke des Argentiniers Stollenabdrücke sowie eine Wunde am Oberschenkel zu. Ersatzspieler Cufre, der im Viertelfinale gar nicht zum Einsatz gekommen war, sah für diese Attacke die Rote Karte. Ihm droht eine lange Sperre durch den Weltverband. Aber auch Maxi Rodriguez muß mit scharfen Sanktionen der Fifa rechnen. „Er hat den deutschen Spieler Bastian Schweinsteiger attackiert“, sagte Siegler. Die Fernsehbilder zeigen, wie Rodriguez im Sprint auf Schweinsteiger zurannte und ihm hinterrücks einen Schlag gegen den Kopf versetzte.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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