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Nationalteam Plötzlich befördert: Borowskis größte Herausforderung

08.06.2006 ·  Tim Borowski kämpfte stets gegen die festgefahrene Meinung, nur als Ersatz für den Chef im Mittelfeld und nicht an dessen Seite könne er in die Startelf rutschen. Jetzt muß er Michael Ballack aber doch ersetzen.

Von Michael Ashelm, München/Berlin
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Daß er so ins Spiel kommen würde, hat Tim Borowski nicht gedacht. Über alle Wochen der Vorbereitung kämpfte der Bremer gegen die festgefahrene Meinung, nur als Ersatz für den Chef im Mittelfeld und nicht an seiner Seite könne er der Nationalmannschaft den größten Input geben. „Ballack und ich - das könnte Zukunft haben“, sagte er erst kürzlich in einem Interview mit dieser Zeitung.

Der selbstbewußte Mann von Werder sah sich seit einiger Zeit schon in der Startformation der Fußball-Nationalmannschaft, doch es schien wie verhext: Alle Offensivpositionen waren anderweitig vergeben, auch weil die anderen Kollegen wenige Schwächen zeigten. Seit gestern steht nun fest, daß Kapitän Michael Ballack wegen einer Muskelverhärtung nicht das Eröffnungsspiel bei dieser WM bestreiten wird, vielleicht sogar noch länger ausfallen könnte und damit Borowski seinen langgehegten Wunsch erfüllt bekommt.

„Der zwölfte Mann“

Der Bremer aus Neubrandenburg sah sich schon länger in der Rolle des Aufsteigers in der Nationalmannschaft, der eben diese eine große Chance bräuchte, um sich endlich etablieren zu können. Stilisiert zum „Mini-Ballack“, kämpfte er vor allem gegen das Image, nur Absicherung zu sein für den alles überstrahlenden Fußballstar. Ähnlich zielstrebig und ballgewandt, aber etwas weniger torgefährlich.

Erst recht spät vor der WM schaffte Borowski die Trendwende, als Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw keinen Tag während der zurückliegenden Trainingslager ausließen, den Mittelfeldspieler in den höchsten Tönen zu loben. Doch spielen durfte er nicht immer in den Testspielen. Im letzten vor der WM gegen Kolumbien wurde er in der zweiten Halbzeit eingewechselt - und schoß ein Tor. Borowski durfte sich in diesen Tagen nicht sicher sein, bei der WM von Beginn an eingesetzt zu werden. Doch er unterließ es, seiner Sichtweise über die Öffentlichkeit Nachdruck zu verleihen.

Abweisende Körpersprache?

Womöglich resultiert seine äußerliche Ruhe aus der Erkenntnis, irgendwann an der Reihe zu sein. Auch bei Werder Bremen sah er sich lange Zeit nur als der zwölfte Mann, bis sich in der Meistersaison 2004 der Mittelfeldkollege Lisztes die Kreuzbänder riß und er endlich in die von ihm angestrebte Verantwortung kam.

Vom Publikum damals wegen seiner eher abweisenden Körpersprache nicht geliebt, hat Borowski sich nun bei den Hanseaten als feste Größe im Mittelfeld etabliert. In der Nationalmannschaft steht der Bremer nun vor seiner größten Herausforderung. Sein Vereinskollege Miroslav Klose macht sich um die neue Personalsituation ohne Ballack überhaupt keine Sorgen. „Wir haben frische, hungrige Spieler.“ Genau zu denen zählt sich Borowski.

Quelle: F.A.Z., 09.06.2006, Nr. 132 / Seite 35
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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