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Nationalmannschaft „Spätestens bei der WM werden wir die Großen schlagen“

02.12.2005 ·  In Rio de Janeiro referierte Jürgen Klinsmann bei einem internationalen Fußballforum. Die Favoritenrolle für die WM schob der Bundestrainer zwar Brasilien und Argentinien zu, doch „die nächsten fünf, sechs Jahre wird Deutschland wieder eine starke Mannschaft haben“.

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Die Botschaft von Fußball-Dozent Jürgen Klinsmann ist beim fünfmaligen Weltmeister Brasilien angekommen. „Nach der WM wird Deutschland zurück in die Top 5 finden“, prophezeite der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft in seinem Vortrag beim internationalen Fußballforum Footecon in Rio de Janeiro. Über das „Wie“ referierte der 41jährige zuvor gut 60 Minuten lang überzeugend.

Der Auswahlcoach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte auf Einladung von Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira auf seinem Weg von Kalifornien zum Bundesliga-Spiel am Samstag zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München einen Zwischenstopp am Zuckerhut eingelegt und sich mit seinem Vortrag über den Neuaufbau der deutschen Nationalmannschaft Richtung WM-Endrunde 2006 Respekt verschafft.

Belagerungszustand am Rednerpult

„Die nächsten fünf, sechs Jahre wird Deutschland wieder eine starke Mannschaft haben“, kündigte Klinsmann an. Die WM-Favoritenrolle gab er jedoch lieber Titelverteidiger Brasilien und Argentinien. „Unsere Talente wie Schweinsteiger oder Podolski brauchen noch etwas Zeit“, erklärte der 108malige Nationalstürmer, hofft aber mit dem Publikum im Rücken auf ein erfolgreiches Turnier: „Es wäre gut für die WM-Atmosphäre, wenn der Gastgeber so lange wie möglich drin bleibt.“

Klinsmann kam gut an im Land des Rekord-WM-Champions. „Er ist zwar erst eineinhalb Jahre im Amt, hat aber schon viel gelernt“, zollte auch Parreira dem Trainer-Neuling Lob. Aber schon „Klinsis“ Erfolge als Spieler reichten aus, um vor seinem Auftritt für einen wahren Belagerungszustand am Rednerpult zu sorgen.

„Freundlich, offen, unverkrampft

Dabei stellte sich der Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 den rund 800 Zuhörern im „Salao Gavea“ des Sheraton-Hotels, darunter auch Portugals Nationalcoach und Brasiliens Weltmeister-Trainer von 2002, Luiz Felipe Scolari, zunächst noch bescheiden als Lehrling vor. Routiniert spulte der Schwabe seine Rolle als WM-Botschafter ab.

„Wir wollen der Welt das neue Gesicht Deutschlands zeigen. Freundlich, offen, unverkrampft“, erklärte Klinsmann und hob dabei auch den politischen Stellenwert der Veranstaltung im kommenden Sommer als „größten Event seit der Wiedervereinigung“ hervor. Selbst als es bei der Technik hakte und Filmsequenzen nicht abliefen, blieb der DFB-Coach ruhig.

Bei der WM werden die „Großen“ geschlagen

Dann ließ Klinsmann die letzten 16 Monate Revue passieren, sprach von seinen Anpassungsproblemen im neuen Job und ließ auch heikle Themen wie die Wohnort- und Torwartfrage nicht aus. „Wenn ich in Deutschland leben würde, müßte ich mich mit so vielen Dingen beschäftigen, die uns als Team nicht vorwärts bringen“, meinte der Bundestrainer und forderte auch von seinen Spielern, „die Nationalelf bis zur WM in der Prioritätenliste ganz nach oben zu setzen“.

Sein Team sieht der Wahl-Kalifornier auf dem richtigen Weg. „Wir gucken zwar immer noch zu Brasilien und Argentinien auf, aber das Selbstvertrauen ist da, einmal mit den beiden auf gleicher Höhe zu spielen. Das hat die Körpersprache beim Konföderationen-Cup gezeigt“, so Klinsmann, der angesichts der fünf Jahre anhaltenden Negativserie gegen Topteams versprach: „Spätestens bei der WM werden wir die Großen schlagen.“

Klinsmann als Brasilien-Bewunderer

Der Kampfansage an die Selecao schickte der Bundestrainer gleich noch eine Botschaft für die Zauberkünstler vom Zuckerhut hinterher. „Michael Ballack hat das Potential, bei der WM in die Top 5 aufzusteigen“, lobte Klinsmann seinen Leader. Der Nationalmannschaftskapitän habe die Chance, mit dem WM-Titel bei der nächsten Wahl zum Weltfußballer des Jahres ganz vorne dabei zu sein.

Klinsmann („Wir bewundern den brasilianischen Fußball, würden ihn aber nie kopieren“), der sich nach dem anstrengenden Flug die Müdigkeit auf dem Fahrrad-Ergometer aus den Beinen strampelte, punktete in der Höhle des Löwen und erhielt am Ende für seinen Auftritt stehend dargebrachten Applaus. Und im Saal hörte man Stimmen, die vor der jungen deutschen Mannschaft warnten.

Quelle: FAZ.NET mit Material vom sid
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