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Kahns Krise Verwundeter Titan

03.04.2006 ·  Gebeugt, gefrustet, gealtert - einsam schlich Oliver Kahn vom Rasen der Münchner Allianz-Arena. Sein Abgang im Bundesliga-Duell des FC Bayern mit dem 1. FC Köln war umweht von einem Hauch persönlicher Tragik. Der Bundesliga-Kommentar von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Gebeugt, gefrustet, gealtert - einsam schlich Oliver Kahn am Samstag um 16.17 Uhr vom Rasen der Münchner Allianz-Arena. Sein Abgang im Bundesliga-Duell des FC Bayern München mit dem 1. FC Köln war umweht von einem Hauch persönlicher Tragik.

Aber nur von einem Hauch, da sich jemand, der jahrelang wie selbstverständlich und mit den allerbesten Argumenten die Position der Nummer eins im deutschen Fußballtor beansprucht hat, auch an seinen Schwächen messen lassen muß. Die sind zuletzt mehrmals sichtbar geworden, wenn Kahn gepatzt und sich anschließend malade abgemeldet hat. Am Samstag konnten selbst wohlmeinende Kahn-Freunde nicht mehr übersehen, daß der Titan von gestern zu den Irdischen zurückgekehrt ist.

Virtueller Zweikampf

Seine akute Verwundbarkeit zeigte sich bei beiden Kölner Treffern deutlich. Wie er die Flanke vor dem Führungstor des FC verfehlte und beim 2:1 der Rheinländer Streits haltbaren Distanzschuß nicht zu fassen bekam, ist auch im nachhinein mit einer Rippenprellung nicht zu entkräften. Augenscheinlich macht dem 36 Jahre alten Badener der permanente Qualifikationsdruck, seinen Status gegen Jens Lehmann verteidigen zu müssen, schwer zu schaffen. Während der Essener beim jugendbewegten FC Arsenal seit Wochen souveräne bis überragende Leistungen zeigt, fehlt es Kahn momentan wie der Mannschaft des dennoch überlegenen Bundesliga-Primus Bayern an der einst imponierenden, zupackenden Extraklasse.

Es kommt also eins zum anderen bei diesem virtuellen Zweikampf zweier exzellenter Schlußmänner, bei dem Bundestrainer Jürgen Klinsmann Anfang Mai das Schluß- und Machtwort sprechen wird. Wurde bisher oft spekuliert, Klinsmann hege mehr Sympathien für Lehmann, werde sich aber schwertun, mit seinem Votum gegen die geballte Bayern-Lobby anzukommen, spitzen sich die entscheidenden Fragen nun auf das Eigentliche zu.

Lehmann ist momentan der bessere Keeper

Lehmann, kein Zweifel, ist zur Zeit der bessere Torsteher. Sein Torwartspiel mutet schnell, dynamisch, zeitgemäß an, da dieser Keeper in der Premier League, noch dazu bei einer besonders risiko- und spielfreudigen Mannschaft, zu einem Mitspieler seiner Abwehrkollegen wurde, der ständig auf dem Quivive und mit Hand und Fuß bei der Sache ist. Während Kahn noch immer als Koryphäe auf der Torlinie zu glänzen versteht, sich aber zunehmend unwohl zu fühlen scheint, je weiter er sich von seinem Revier zwischen Pfosten und Latte entfernt, genießt Lehmann seine Zusatzkompetenz als Hüter des eigenen Strafraums. Dieser Typus Torwart ist auch bei der WM gefragt - zumal bei den Deutschen hinter einer Abwehr ohne viel Erfahrung.

Daß die Münchner, voran ihr Patron Uli Hoeneß, unverdrossen Kahns Anspruch vertreten, ist verständlich, ändert aber nichts an dessen Dilemma. Ein Torwart, der in seiner besten Zeit davon zehrte, Ausnahmesituationen zu meistern. der danach lechzte, die Nummer eins der Welt zu sein, ein solcher Torwart braucht keine Sozialklausel für seinen nationalen Zweikampf mit einem inzwischen international gereiften Konkurrenten.

"Die Jagd auf diesen Posten treibt Blüten wie heute", hat Hoeneß am Samstag gesagt und Kahn dabei fürsorglich in Schutz genommen. Ein Torhüter aber ist der Gefahr Spiel für Spiel schutzlos ausgesetzt. Helfen kann er sich nur selbst. Sollte Klinsmann demnächst Lehmann zur Nummer eins befördern, könnte Kahn gleichwohl Größe beweisen: Wenn er sich trotzdem in das Unternehmen Weltmeisterschaft einreihte und sich fit hielte für den Fall der Fälle; der kommt gerade auf dem Platz zwischen den Pfosten oft schneller als gedacht.

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