„Den größten Teil meines Geldes habe ich für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verpraßt.“ Vermutlich wünschte sich mancher, so etwas einmal am Ende seines Lebens sagen zu können. Aber würde er dafür einen solchen Preis zahlen wollen wie George Best? Kaum ein anderer Sportler hinterließ solch viele Sprüche und Anekdoten rund um seinen Lebenswandel wie der legendäre Nordire. Sie tragen nun einen Trauerrand. Denn der genialste Ballkünstler und wildeste Lebemann, den der britische Fußball hervorbrachte, ist am Freitag in einem Krankenhaus in London gestorben.
Er wurde nur 59 Jahre alt. Überraschen konnte das niemanden, der ihn in den letzten Jahren zu Gesicht bekam: Er sah aus wie ein Greis. Best hat sich zugrunde getrunken. Er ließ sich im April 2001 im Kampf gegen die Sucht seinen Magen operativ so präparieren, daß jeder Tropfen Alkohol zur Qual würde. Im Januar 2003 erhielt er eine neue Leber. Doch auch danach konnte er nicht vom Alkohol lassen. Bald mehrten sich die Berichte: Best trank wieder.
Best ließ nichts aus
Best war vierzig Jahre Alkoholiker. Er war es schon als Jugendlicher und blieb es während seiner glanzvollen Profikarriere. Als „aufregende Zeit“ beschrieb er mit 55 Jahren sein Leben als junger Mann - alles habe sich um „Mädchen, Bier, Fußball, gute Musik“ gedreht. Best ließ nichts aus, keinen Gegenspieler, kein Getränk und keine Gespielin, in jener unbeschwerten Zeit, „als es die Krankheiten noch nicht gab, die es heute gibt“. Aids noch nicht, aber Leberzerfall. Schon als er 36 war, sagte ein Arzt ihm, daß seine Leber nur noch zu zwanzig Prozent funktioniere.
Seine beste Zeit dauerte nur sechs Jahre. Sie endete im Alter von 26, mit dem Rauswurf bei Manchester United. Selbst im suffverherrlichenden englischen Fußball war der schon morgens betrunkene Best nicht mehr tragbar. Es begann der Verfall. Zehn immer schlechtere Klubs; am Ende der Platz im Gefängnisteam von Ford Open, wo er 1984 wegen Alkohol am Steuer und Angriff auf einen Polizisten gelandet war.
Den Gegner genarrt, den Ball verzaubert
Doch der Best von 1966 bis 1972 ist Legende, ein unvergängliches Juwel im Schatz des schönen Fußballs. Augenzeugen sagen, es sei nicht zu beschreiben, was Best konnte: wie er Gegner narrte und den Ball verzauberte. Einmal zog er das rote Trikot aus, um damit, den Ball am Fuß, vor dem Verteidiger zu wedeln wie der Torero vor dem Stier. Johan Neeskens, so wurde überliefert, spielte er den Ball so oft durch die Beine, daß er dem Holländer am Ende ein Gummiband aus seinem Socken schenkte: damit er sich die Beine zusammenbinden konnte.
Außerhalb Englands haben nicht viele eine Vorstellung von seiner Kunst, weil er als Nordire nie bei einer WM glänzen konnte. Auf der Insel aber glauben viele, ein gesamtbritisches Team, also England plus Best, wäre auch Brasilien überlegen gewesen. Auf der Höhe war er schon mit 22, im Jahr 1968: überragend im Europapokalfinale gegen Benfica Lissabon, in dem Manchester als erster englischer Klub die höchste europäische Trophäe gewann; Europas Fußballer des Jahres; Torschützenkönig, Millionär, Lieblingsspieler von Pele - George Best war der Beatle des Balles.
Das letzte Stück ungezähmten Fußballs
Nach seiner Auszeichnung als Englands Spieler des Jahres soff er die Nacht durch. Am nächsten Morgen fand ihn ein Polizist volltrunken auf der Straße, die Trophäe im Arm. Das Genie in der Gosse, die Rolle seines Lebens. Best, der einfache Bursche aus Belfast, war nicht vorbereitet auf das, was die verrückte Welt aus ihm machte. Er wurde der erste Popstar des Spiels, vollkommen gegensätzlich zu seinem heutigen Nachfolger, dem sozialverträglichen, durchgestylten David Beckham. Beide sind perfekte Spiegelbilder ihrer Zeit: Best für die zügellosen 68er-Jahre; Beckham für die Ära des globalen Kommerzes, dessen Stars politisch korrekt sind und sich das Rebellische beim Friseur holen. Mit George Best starb auch das letzte Stück ungezähmten Fußballs.
