Home
http://www.faz.net/-g9q-sjkw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Fußball-WM „Mein Aufgebot hätte anders ausgesehen“

15.05.2006 ·  David Odonkor freut sich „riesig“, Mike Hanke ist „überglücklich“ und Manuel Friedrich enttäuscht, aber gefaßt. Scharfe Kritik gab es von den Vereinen der überraschend nichtnominierten Spieler: Stimmen zum WM-Aufgebot von Jürgen Klinsmann.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): „Patrick Owomoyela war von unseren potentiellen Kaderkandidaten sicherlich der größte Wackelkandidat. Trotzdem ist seine Nichtnominierung eine große Überraschung, wenn man den Rest des Kaders sieht. Mein Aufgebot hätte anders ausgesehen.“

Patrick Owomoyela (Werder Bremen): „Die Enttäuschung ist riesengroß. Aber ich habe mich vorher auf beide Szenarien eingestellt. Das hilft mir, mit der Nichtnominierung umzugehen. Ich bin nicht sauer auf den Trainerstab, sondern nur enttäuscht. Ich werde deshalb bestimmt nicht zum Alkoholiker. Es ging für mich zweieinhalb Jahre bergauf, jetzt auch mal in die andere Richtung. Ich drücke trotzdem allen die Daumen und hoffe, daß die Mannschaft ein Riesenturnier spielt.“

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder: „Ich weiß aus den Gesprächen mit Jürgen Klinsmann, daß er sich mit seinem Team die Wahl nicht leicht gemacht hat - dieser Kader ist das Ergebnis eines über zwei Jahre andauernden Entwicklungsprozesses. Ich bin sicher, daß diese Mannschaft das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen wird.“

David Odonkor (Borussia Dortmund): „Ich freue mich riesig. Das ist für mich eine große Ehre und ein riesiger Ansporn. Ich denke, daß der Bundestrainer in der abgelaufenen Saison sehr aufmerksam das Auftreten der jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beim BVB registriert hat und daß es mir deshalb noch gelungen ist, in letzter Minute auf den WM-Zug aufzuspringen.“

Mike Hanke (VfL Wolfsburg): „Ich bin überglücklich, aber auch ein bißchen überrascht. Ich hatte zuletzt zwei Verletzungen und bin danach nicht richtig in Schwung gekommen. Im Spiel gegen Kaiserslautern habe ich aber gezeigt, daß ich wieder fit bin. Ich bin bereit für die WM.“

Manuel Friedrich (FSV Mainz 05): „Aufgrund meiner konstant guten Leistungen habe ich mir Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht. Ich akzeptiere aber die Entscheidung des Bundestrainers, wünsche unserer Nationalmannschaft viel Erfolg bei der WM und stehe bereit, falls ich gebraucht werde.“

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): „Als ich den Kader vorab übermittelt bekam, habe ich mich riesig gefreut über die Nominierung von David Odonkor. Ich sehe in ihm einen jungen, talentierten Spieler, der mit seiner enormen Schnelligkeit und Spielfreude in ganz besonderen Situationen sehr weiterhelfen kann. Er hat eine andere Spielanlage als die anderen Stürmer. Da zeigt sich, daß Jürgen Klinsmann sich ganz bestimmte Spielsituationen bei der WM schon vorstellen kann.“

Klaus Augenthaler (Trainer VfL Wolfsburg): „Ich habe gehofft, daß Mike Hanke dabei ist. Ich freue mich für ihn. Er soll die WM genießen, weil es etwas Einmaliges ist. Ich bin überzeugt, daß er zum Einsatz kommen wird.“

Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart): „Ich habe immer an meine Chance geglaubt und hart dafür gearbeitet, daß es klappt. Umso glücklicher bin ich nun, daß ich dazugehöre. Jetzt freue ich mich einfach, daß ich dieses einmalige Erlebnis hautnah erleben kann und werde alles dafür tun, meinen Beitrag zu einem erfolgreichen Abschneiden der Nationalelf zu leisten. Ich hoffe, daß wir sehr weit kommen, will jetzt aber keine Prognose abgeben.“

Andreas Müller (Teammanager Schalke 04): „Natürlich müssen wir diese Entscheidung akzeptieren, weil es allein die Sache des Bundestrainers ist. Aber wir können sie nicht nachvollziehen. Fabian Ernst hat bis alle Vorbereitungsmaßnahmen der Nationalmannschaft auf die WM mitgemacht. Zudem hat er bei uns im letzten Vierteljahr einen deutlichen Formanstieg gezeigt, ist kerngesund und fit. Er und auch Kevin Kuranyi haben sich in der Champions League auf dem Niveau bewährt, das dem einer Weltmeisterschaft entspricht. Dennoch sind ihre Leistungen in der Öffentlichkeit wesentlich kritischer bewertet worden als die ihrer Konkurrenten um einen Platz im WM-Kader.“

Christian Heidel (Manager FSV Mainz 05): „Ich kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Jürgen Klinsmann ist eingeknickt und hat seinen immer offensiv propagierten Weg verlassen. Der Bundestrainer hat vorgegeben, auf Spieler setzen zu wollen, die seiner Spielphilosophie entsprechen, die über Spielpraxis verfügen und die auch fit sind. Manuel Friedrich ist der zweikampfstärkste Spieler der Bundesliga und ein perfekter Systemspieler. Er hat in der abgelaufenen Saison alle 44 Pflichtspiele für Mainz 05 absolviert. Klinsmann hat nun aber Spieler bevorzugt, die kaum über Spielpraxis verfügen.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen