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Fußball-Nationalmannschaft Klinsmann verzichtet auf Wörns und Kuranyi

23.02.2006 ·  Bundestrainer Jürgen Klinsmann verzichtet beim ersten Länderspiel im WM-Jahr gegen Italien am 1. März auf Christian Wörns und überraschend auch auf Kevin Kuranyi. Dafür gehören Miroslav Klose und Per Mertesacker wieder zum Aufgebot.

Von Michael Horeni, Frankfurt
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Die Führung der deutschen Nationalmannschaft kehrte bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz im WM-Jahr an die Basis zurück. Ihr Besuch im Vereinsheim der SG Bornheim/Grün Weiß in Frankfurt honorierte die vorbildliche, multikulturelle Jugendarbeit des Klubs. Die Nachrichten, die der Bundestrainer dort vom Podium eines Apfelweintischs aus an die Elite der deutschen Profis schickte, ließ dabei an pädagogischer Strenge und ausgeübter Richtlinienkompetenz vor dem ersten Länderspiel des Jahres nichts zu wünschen übrig.

Völlig überraschend verzichtete Jürgen Klinsmann für den Test an diesem Mittwoch in Florenz gegen Italien auf Stürmer Kevin Kuranyi - und nominierte statt dessen den Wolfsburger Mike Hanke. „Wir möchten ihm ein Zeichen geben, daß wir mehr von ihm erwarten“, sagte Klinsmann in Richtung des Schalker Stürmers, der für Klinsmann und seinen Assistenten Joachim Löw künftig deutlich mehr Engagement bei seinem Arbeitgeber zu zeigen hat.

Dortmunder Protest

Ähnlich unmißverständlich reagierte die sportliche Führung auf die seit Monaten kontrovers diskutierte Personalie mit doppelter Dortmunder Beteiligung. Klinsmann überhörte auch vor dem vorletzten Länderspiel bis zum Nominierungstag am 15. Mai die allgegenwärtigen Rufe nach Christian Wörns und Sebastian Kehl. Bisher hatten Wörns und Kehl immer wieder beste Werbung für sich bei der Borussia gemacht, wo Trainer Bart van Marwjik nicht müde wird, den Vorstopper sowie den Mittelfeldspieler ständig einzusetzen und zu loben. Christoph Metzelder dagegen hat seinen Stammplatz nach seiner rund zweijährigen Verletzungspause immer noch nicht zurückerobert, fand aber ebenso Berücksichtigung im zwanzigköpfigen Kader des Bundestrainers wie Robert Huth, der beim FC Chelsea die Rolle des Edelreservisten einfach nicht los wird.

Die Reaktionen aus Dortmund kamen einem Aufruhr gegen das Votum der sportlichen Führung der Nationalmannschaft gleich. „Wenn einer der beiden Bundestrainer das Spiel gegen Bremen gesehen hat, dann kann ich nicht verstehen, warum er da ist. Dann sollte er besser wegbleiben. Ich bin sehr enttäuscht, daß Kehl nicht dabei ist. Aber daß Wörns nicht dabei ist, kann ich gar nicht fassen“, schimpfte van Marwjik. Klinsmann zog sich auf den Standpunkt zurück, daß es eben „Gegensätze“ in den Auffassungen zwischen Vereins- und Bundestrainer gebe.

Wörns reagierte ironisch

Für ihn sei wichtig, daß der Spieler zur „Philosophie“ der Nationalmannschaft passe, und dies bedeutet für den Fall der Viererkette, daß es ein wichtiges Kriterium sei, „ob ein Spieler imstande ist, die Abwehr nach vorne zu schieben und Druck nach vorne auszuüben“. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte der Bundestrainer noch allein auf das Leistungskriterium und einen Stammplatz beim Klub als WM-Zugangsberechtigung verwiesen. Nun vollzog Klinsmann einen Schwenk, indem die Spieler nun vor allem zur „Philosophie“ der Nationalelf passen müssen, gleichgültig ob sie in ihrem Klub einen Stammplatz auf dem Feld besetzen.

Wörns reagierte ironisch und gleichzeitig bestimmt auf seine abermalige Nichtnominierung. „Der Christoph saß jetzt vier Wochen auf der Bank, vielleicht sollte ich Bart van Marwijk bitten, mich auch mal vier Spiele rauszulassen.“ Der Dortmunder rechnet offenbar kaum mehr damit, noch für die Weltmeisterschaft nominiert zu werden, und schließt einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nicht aus. „Ich verstehe, daß Christian enttäuscht ist“, sagte Klinsmann. Wörns aber kämpfe mit fünf Konkurrenten um vier Innenverteidigerplätze. In Florenz erhalten Mertesacker, Huth und Metzelder den Vorzug, Sinkiewicz ist auch nicht im Kader.

In der Torwartfrage kündigte Klinsmann eine Entscheidung erst „unmittelbar vor der WM“ an, ohne dieses Angabe näher zu präzisieren. Gegen Italien wird Kahn im Tor stehen, außer wenn ihn seine Prellung noch behindern sollte. In Dortmund gegen die Vereinigten Staaten ist dann wieder Lehmann an der Reihe. Nach welchen Kriterien die spannendste aller Personalfragen beantworten wird, behielt Klinsmann jedoch für sich. „Da gehe ich nicht ins Detail.“

Das Aufgebot für das Fußball-Länderspiel gegen Italien:

Tor: Oliver Kahn (Bayern München), Jens Lehmann (FC Arsenal)

Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC), Robert Huth (FC Chelsea), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Hannover 96), Christoph Metzelder (Borussia Dortmund), Patrick Owomoyela (Werder Bremen)

Mittelfeld: Michael Ballack, Sebastian Deisler, Bastian Schweinsteiger (alle FC Bayern München), Tim Borowski, Torsten Frings (beide Werder Bremen), Fabian Ernst (Schalke 04), Bernd Schneider (Bayer 04 Leverkusen)

Angriff: Gerald Asamoah (FC Schalke 04), Mike Hanke (VfL Wolfsburg), Miroslav Klose (Werder Bremen), Lukas Podolski (1. FC Köln)

Quelle: F.A.Z. vom 24. Februar 2006
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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