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Fußball-Nationalelf Psychologe Klinsmann

27.02.2006 ·  Jürgen Klinsmann muß Aufbauarbeit leisten, um seine Problemfälle auf den ersten Höhepunkt des WM-Jahres einzuschwören. Seine Vorgabe für das Spiel in Italien ist eindeutig: die Nationalmannschaft soll ihre Negativserie gegen die Topnationen beenden.

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Modisch auf der Höhe, sportlich mit einigen Sorgenfalten: Zwei Tage vor dem Klassiker gegen Italien war zwar das leidige Thema Christian Wörns im Kreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nahezu erledigt - und auch die Anzugsordnung für die Weltmeisterschaft geklärt. Bundestrainer Jürgen Klinsmann kam vor dem Auftakt in das WM-Jahr an diesem Mittwoch (21 Uhr/im FAZ.NET-Liveticker) in Florenz gegen die „Squadra Azzurra“ dennoch nicht zur Ruhe.

So muß Klinsmann seit dem Treffen am Sonntag in Frankfurt viel psychologische Aufbauarbeit leisten, um seine Problemfälle wie Lukas Podolski, Robert Huth, Christoph Metzelder oder Bastian Schweinsteiger auf den ersten Höhepunkt des WM-Jahres einzuschwören. Zumal die Vorgabe des Bundestrainers vor dem Abflug am Dienstag morgen nach Florenz klar ist: Die DFB-Auswahl soll im Duell der dreimaligen Weltmeister die seit fünfeinhalb Jahren andauernde Negativ-Serie gegen die Top-Nationen beenden.

„Ruhe kehrt nie ein“

„Wir wollen endlich einen Großen schlagen. Das würde uns einen Schub geben“, sagte Klinsmann, gibt sich aber keinerlei Illusionen hin, daß sich damit die ganze Aufregung der vergangenen Wochen legen würde: „Ruhe wird wohl nie einkehren, vor allem, wenn man als Gastgeber auf eine WM zusteuert. Es wird immer Brandherde geben. Aber damit haben wir kein Problem. Wir werden uns jetzt voll auf den Klassiker konzentrieren, alles andere ist sekundär. Wir wollen ein gutes Spiel machen und an die Partie in Frankreich anknüpfen“ (Siehe auch: Wörns-Rauswurf als klare Warnung).

Optimistisch wie Klinsmann ist, wollte er deshalb auch die aktuellen Sorgen erst gar nicht überbewerten: „Sicher ist die Situation nicht einfach für uns, wenn Spieler in ihren Vereinen nicht so zum Zug kommen. Aber wir dürfen nicht rumjammern und müssen uns mit den Gegebenheiten abfinden.“ Klinsmann hofft vielmehr auf eine Trotzreaktion. „Es war schon oft so, daß Spieler mit wenig Spielpraxis in der Nationalmannschaft groß aufgespielt haben.“

Viele Sorgenkinder

Darauf setzt auch Kapitän Michael Ballack: „Das ist für uns nicht neu. Aber bisher haben sich die Spieler immer gut geschlagen. Ich denke, daß wir das auch am Mittwoch lösen werden.“ Allerdings weiß auch er, „daß nichts über Spielpraxis geht. Da kannst du trainieren, trainieren, trainieren. Du brauchst Wettkampfpraxis, um ans Limit ranzukommen.“ Diese Praxis hatten in den vergangenen Wochen einige aus dem 20erKader gar nicht oder nicht ausreichend: Dazu gehören die beiden Münchner Schweinsteiger und Sebastian Deisler. Dazu gehören Huth, Patrick Owomoyela und Gerald Asamoah.

Ballack machte deshalb sogar öffentlich Druck auf seine Münchner Kollegen. Bei Schweinsteiger etwa habe er im Moment nicht das Gefühl, daß er auf dem richtigen Weg sei. Schweinsteiger oder auch Deisler müßten sich beim FC Bayern „festbeißen. Sie müssen versuchen, unverzichtbar zu werden“. Ganz andere Sorgen haben indes Arne Friedrich und Lukas Podolski, die zwar spielen, mit ihren Vereinen aber in einer schweren Phase stecken. Vor allem bei dem Kölner macht sich Klinsmann deshalb seine Gedanken: „Es ist gut, daß er hier ein paar Tage abschalten kann. Die Verantwortung in Köln ist für einen 20jährigen einfach zu groß. Das ist nicht einfach für ihn.“

Ballack stützt den Bundestrainer

Neben vielen Einzelgesprächen stand am Sonntag abend auch eine Teamsitzung auf dem Programm, in der Klinsmann seine Nationalspieler über den Rauswurf von Christian Wörns informierte. „Wir haben das in Ruhe besprochen. Die Mannschaft hat das verstanden“, meinte Klinsmann, der einer angeblichen Spaltung der Nationalmannschaft wegen Wörns vehement widersprach. Das würde „in keinster Weise“ stimmen.

Zumal auch der Kapitän durchaus Verständnis für Klinsmann äußerte. „Ich schätze Christian als Spieler und als Mensch. Ich kann auch seine Enttäuschung verstehen. Aber seine Reaktion war zu hart, so etwas kann der Trainer nicht akzeptieren.“ Klinsmann habe die Nichtberücksichtung von Wörns für das Italien-Spiel noch einmal damit begründet, so Ballack, daß er eben junge Spieler nominiert hätte, „die unseren Stil mehr prägen“.

Um eine ganz andere Stilfrage ging es am Montag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt auch. Dort wurde nämlich das Ausgeh-Outfit der Nationalmannschaft für die WM präsentiert. „Wir wollen nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes eine gute Figur abgeben. Wir wollen den Spielern die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit auch über die Mode ausdrücken“, meinte Teammanager Oliver Bierhoff zu den dunklen Anzügen: „Man wird uns bei der WM wahrnehmen.“ Als Erkennungszeichen der Anzüge der Firma Strenesse, die mit dem DFB einen Dreijahresvertrag bis 2009 abschloß, sind am Revers drei Sterne in schwarz, rot und gold zu erkennen. Sie stehen für die drei WM-Titel. Dazu Bierhoff: „Für den vierten Stern haben wir vorsorglich noch etwas Platz gelassen.“

Die voraussichtliche Mannschaftsaufstellung für das Italien-Spiel:
Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Deisler, Frings, Ballack, Schneider - Klose, Asamoah oder Podolski

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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