20.03.2006 · Das deutsche Nationalteam hat ein neues Maskottchen, muß im Länderspiel gegen Amerika aber ohne Robert Huth auskommen. Der Abwehrspieler erhielt vom FC Chelsea keine Freigabe. Für ihn spielt Christoph Metzelder in der Innenverteidigung.
Bei der Wiedergutmachung für das Italien-Debakel muß Jürgen Klinsmann auf Robert Huth verzichten und damit trotz der Ausbootung von Christian Wörns auf die Dortmunder Karte setzen. Im Dortmunder WM-Stadion, in dem die Nationalmannschaft noch kein Länderspiel verloren hat, sollen nach dem Ausfall von Torsten Frings und der nicht erteilten Freigabe für England-Legionär Huth die Lokalmatadoren Christoph Metzelder und Sebastian Kehl der wackligen deutschen Defensive Halt geben und an diesem Mittwoch (20.30 Uhr im ZDF und dem FAZ.NET-Liveticker) vor „ihrem“ Publikum mit dazu beitragen, daß die WM-Stimmung in Deutschland nach dem 1:4-Desaster von Florenz wieder besser wird.
„Wir sind in einer heißen Phase“, sagte Klinsmann, der am Montag auch den nächsten personellen Ausfall mit äußerlicher Gelassenheit wegsteckte. Nach Sebastian Deisler (Knie-OP), Frings (Wadenprellung) und Mike Hanke (Beckenprellung) mußte der Bundestrainer auch noch die Absage von Huth hinnehmen, der von Chelsea-Trainer José Mourinho keine Freigabe für das Freundschafts-Länderspiel erhielt.
Großer Test für Metzelder und Kehl
Chelseas Coach untersagte Huth die Reise nach Deutschland, weil er den 21jährigen im Pokalspiel des englischen Meisters am Mittwoch gegen Newcastle United benötigt, nachdem Abwehrkollege William Gallas nach einer Roten Karte im Ligaspiel gegen den FC Fulham gesperrt ist. „Es wird dennoch keiner nachnominiert. Wir gehen mit drei Innenverteidigern in das Spiel gegen die USA“, sagte Klinsmann, der am Montag bei der ersten von zwei Trainingseinheiten in Düsseldorf mit der Hälfte seines nur noch 20köpfigen Kaders auskommen mußte. Die meisten Akteure regenerierten im Hotel (Siehe auch: Klinsmann im Interview: „Ich lasse mich nicht kaufen“).
Am Tag der Vorstellung des DFB-Maskottchens „Paule“ und des abgesagten Fitneßtests konnte Klinsmann immerhin auch eine gute Nachricht übermitteln. „Bastian Schweinsteiger hat seine Grippe überstanden und ist einsatzfähig.“ Zudem konnte Lukas Podolski wieder voll belastet werden. Zum großen WM-Test wird die Partie besonders für Metztelder und Kehl. Daß Metzelder derzeit bei Borussia Dortmund nur auf der Bank sitz, nimmt Klinsmann für die WM in Kauf: „Bei uns spielt er eine wichtige Rolle, weil er eine wichtige Persönlichkeit ist, die der Hintermannschaft ein Gleichgewicht geben kann“, erläuterte Klinsmann. „Wunderdinge“ fordere er aber jetzt noch nicht. „Wir erwarten nicht, daß er eine perfekte Partie spielt. Wir bauen ihm keinen überdimensionalen Druck auf“, betonte Klinsmann.
Als Alternative zu Mertesacker und Metzelder, die bislang nur beim mageren 1:0 gegen China 45 Minuten zusammengespielt haben, steht nur noch Neuling Manuel Friedrich zur Verfügung. Der 26 Jahre alte Mainzer darf auf einen Kurzeinsatz hoffen, sagte aber schon nach den ersten Stunden im Kreis der deutschen WM-Kandidaten: „Ich werde auf jeden Fall mit einem positiven Gefühl wieder nach Hause fahren.“ Der zweite „Neue“ unter Klinsmann, Sebastian Kehl, darf dagegen garantiert auf dem Platz um seine WM-Chance kämpfen. Beim Comeback im Nationalteam nach fast zwei Jahren kann sich der 26jährige auf der wichtigen „Abräumer“-Position vor der Abwehr als Alternative für den verletzten Frings empfehlen, der auf der „Sechserposition gesetzt ist“, wie Klinsmann am Montag bemerkte.
Ballack: „Es bleibt nicht mehr viel Zeit“
„Es ist schade, daß Torsten Frings verletzt ist. Aber vielleicht birgt das eine gewisse Chance für mich“, sagte Kehl vor seinem 25. Länderspiel. Verinnerlicht haben die Nationalspieler auch, was von ihnen nach der höchsten Niederlage unter Klinsmann gegen Italien und den anschließenden öffentlichen Turbulenzen erwartet wird. „Wichtig ist, daß wir die Zuschauer beeindrucken. Wir müssen uns stellen“, sagte Mertesacker. Es gelte, „das Stimmungsbarometer wieder nach oben zu bringen“, meinte Kehl. Kapitän Michael Ballack erwartet ein völlig anderes Auftreten: „Ich hoffe, daß in der Körpersprache und Ausstrahlung und Einstellung eine andere Mannschaft auf dem Platz steht als in Florenz. Viel Zeit bis zur WM bleibt nicht mehr.“
Gegen den ebenfalls ersatzgeschwächten Weltranglisten-Fünften aus den Vereinigten Staaten, dem der Wahl-Amerikaner Klinsmann eine „riesige Entwicklung“ bescheinigte, wird auch Torhüter Oliver Kahn neu in die Startelf kommen. Der Münchner ersetzt absprachegemäß Jens Lehmann. Erstmals in der WM-Saison gehören wieder beide Rivalen dem Kader an - und vielleicht auch schon zum letzten Mal. Denn was passiert, wenn er die Entscheidung über den WM-Torhüter kurz vor Saisonende bekannt geben wird, weiß auch Klinsmann nicht. Der Bundestrainer kalkuliert auch einen Rücktritt des Verlierers ein: „Wir stecken nicht in den Menschen drin. Wir wissen nicht, wie die Nummer zwei reagieren wird.“
Die voraussichtliche Aufstellung:
Kahn - Arne Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Kehl - Schneider, Ballack, Schweinsteiger - Klose, Podolski